Mittelalterliches Spektakel lockt auf die Reichsburg Cochem
Ritter, Burgfräuleins, Marktleute, Gaukler und Bänkelsänger
Cochem. Die intensiv und in der tieferen Tonlage nasal klingende Schalmei wird vom dumpfen Klang einer Lederfausttrommel begleitet. Beides zusammen dringt den Besuchern beim Anstieg auf die Reichsburg markant ans Ohr und schürt die Erwartungsfreude auf ein neuerliches Mittelalterspektakel mit abwechslungsreichem Erlebnisprogramm. Und das kann sich nach zweijähriger Pandemiepause wieder sehen lassen, haben Organisatoren und Schausteller doch abermals alle Register für eine angenehme „Kurzweyl“ gezogen. Jene Unterhaltungsgarantie lockt auch in diesem Jahr wieder viele Hundert kleine und große Veranstaltungsbesucher an, die mit dem offiziellen Startschuss gleich scharenweise den Schlossberg erklimmen. Hier erwartet sie auf fünf historisch eingerichteten und geschmückten Ebenen der historischen Burggemäuer, mittelalterliches Leben in Form von Schauspiel, Musikdarbietung, Handwerk, Schaukampf, Varieté und Markttreiben. Dazu gesellen sich ein mutiger Feuerspucker nebst einer versierten Märchenerzählerin, und bei der Wahrsagerin im schmucken Rundzelt kann man sich seine Zukunft aus der Hand lesen lassen. Süßer Met, auch unter dem Namen Honigwein bekannt, läuft, nach althergebrachter Rezeptur hergestellt, angenehm den Gaumen entlang und lässt für kurze Zeit den Moselriesling vergessen.
Der Met mundet vor allem den weiblichen Gästen, während die Herren der Schöpfung überwiegend einer gut gekühlten Cervisia (Bier) aus dem Krug den Vorzug geben. Mittelalterliches Zuckerzeug, angerührt im Kupferkessel, zieht dagegen die kleinen Besucher magisch an und dem begleitenden Papa das Portemonnaie aus der Hosentasche. Überhaupt mangelt es beim Event nirgendwo an einer schmackhaften Versorgung für das leibliche Wohl, denn auch diesbezüglich hatte man im Vorfeld die Zufriedenheit der Gäste im Fokus. Wo man auch hinschaut, sieht man in fröhliche Gesichter, denn parallel zur guten Unterhaltung mischt auch ein ansprechendes Sonnenwetter mit. Das lockt zusätzlich Leute an, die darauf angesprochen, bei Regenwetter eher zu Hause geblieben wären. In 1990 vom damaligen Verwalter Theo Lechtenfeld als Burgfest ins Leben gerufen, bekam dieses ab 2001 dann immer mehr den Charakter eines Mittelaltermarktes. Dieser hat sich allerdings trefflich in die Musik- und Showdarbietungen zu einem sehenswerten Gesamtspektakel eingebunden.
Dem kann auch der heutige Burgherr Oliver Pinzer durchweg Positives abgewinnen: „Wir sind bei diesem Fest genau wie bei unserer Burgweihnacht eine seit langer Zeit gut funktionierende Gemeinschaft.“ Das gilt ebenso für das Team der Burg wie für die zahlreichen Schausteller und Marktbetreiber, die sich in jedem Jahr wieder auf ihren Besuch in Cochem und das Burgspektakel freuen.“ „Laut deren Aussagen stimmt hier nicht nur das ansprechende Ambiente, sondern auch die gute Zusammenarbeit mit den Burgverantwortlichen.“
Trotzdem wird es laut Pinzer immer schwieriger eine solche Veranstaltung zu organisieren. „Das liegt unter anderem an einem ständig anspruchsvolleren Sicherheitskonzept, dessen kurzfristig erforderliche Änderungen manchmal ganz schön nerven können“, so Pinzer.
Gleichwohl überwiegen laut dem Burgherrn dann abschließend die Freude und die Erleichterung, wenn die überregional beliebte Veranstaltung nicht nur gut besucht wurde, sondern sich auch an einem reibungslosen Ablauf, ohne negative Zwischenfälle erfreuen konnte. TE
Mittelalterliche Weisen von der Gruppe „Musica Canora“ erfreuen im Innenhof der Reichsburg.
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