Johann Enns aus Heimerzheim feierte seinen 100. Geburtstag
Rückblick auf ein bewegtes Leben
Heimerzheim. Eine unglaubliche Biografie hat Johann Enns zu erzählen, der in Heimerzheim im Kreise seiner Familie kürzlich seinen 100. Geburtstag feiern konnte. Im „Kreise der Familie“ heißt in diesem Fall: mit fünf Kindern, 30 Enkeln, 67 Urenkeln und 14 Ur-Urenkeln. Da macht das Geschenk der Familie, ein übergroßer Stammbaum für die Wohnzimmerwand, schon Sinn.
Enns ist mit 100 Lebensjahren der älteste Bürger der Gemeinde Swisttal. Zum stolzen Jubiläum gratulierten auch der Heimerzheimer Ortsvorsteher Hermann Leuning, Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner und die Vize-Landrätin Notburga Kunert. Enns wurde im März 1916, während der Erste Weltkrieg noch tobte, in einem kleinen sibirischen Dorf in der Nähe von Omsk geboren. Mit sieben Geschwistern wuchs er auf dem elterlichen Hof auf. Mit zwölf Jahren verlor er seine Mutter.
Nachdem die Familie einige Jahre später von den Sowjets enteignet und sein Vater in Gefangenschaft kam, wurde das Leben im Dorf für die Geschwister zum Überlebenskampf. Im Jahr 1936 heiratete Enns seine Frau, mit der er zwei Kinder bekam. Zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde er, wie viele andere Deutschstämmige auch, in Zwangsgefangenschaft genommen. Dass seine Frau zu diesem Zeitpunkt mit dem dritten Kind schwanger war, wusste er noch nicht. Erst sechs Jahr später sah sich die Familie im Ural wieder und zum ersten Mal konnte er seine sechsjährige Tochter in die Arme nehmen. Die Familie bekam zwei weitere Töchter, ehe sie 1955 zurück in das Dorf zogen, in dem Enns geboren wurde. Einige Jahre später nahmen die Repressalien für die Familien aufgrund des christlichen Glaubens wieder zu und die Familie floh nach Kasachstan.
Später wohnte die Familie noch einige Jahre in Estland, bevor sie 1978 nach Deutschland ausreisen durfte und in Heimerzheim sesshaft wurde. Im Jahr 2007 verstarb seine Frau nach langer Krankheit. Johann Enns lebt heute im Haus einer Tochter mit vier Generationen unter einem Dach. Beim Familienfest anlässlich seines 100. Geburtstags wurde es also recht voll im Haus.
