Jugendkulturzentrum Lahnstein
„Saitenspinner“ und Freunde begeistern im Jukz
Lahnstein. So manchem Folk-Freund dürfte ein abgewandelter Ausspruch des Dichterfürsten Goethe in den Sinn gekommen sein, beim Konzertnachmittag im Jugendkulturzentrum (Jukz) mit dem Duo Jürgen Schöntges und Gernot Schauren sowie der Band „Saitenspinner“: „Warum denn in die fernen Konzertsäle schweifen, siehe, das Gute liegt so nah!“.
Handgemachte Musik von „Lokalmatadoren“ sollte das ausverkaufte Haus begeistern. Folk-Veteran Jürgen Schöntges, 1982 mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet, dereinst auf Burg Waldeck aktiv und heute in Braubach zuhause hat mit Gernot Schauren einen kongenialen Partner gefunden. „Unsere Stücke bekommen ihren besonderen Flair während des gemeinsamen Musizierens, da ist vieles spontan“, meinte Schauren, dem die verschiedenen Instrumente, wie Flöte, Saxophon oder Mandoline quasi an den Leib gewachsen sind.
Zunächst wurde das Lagerfeuer der Sehnsucht mit irischen Klängen entfacht. Jürgen Schöntges textet und singt im Dialekt, zum Beispiel über den Schicksalsfluß Rhein oder die Floskeln bei der Begegnung in einem Lahnsteiner Warenhaus, welches er als „sozialtherapeutische Einrichtung“ bezeichnet. „Lang nit mieh gesehn un schwer vermisst…“, bei den punktgenauen Beobachtungen erkennt sich die Zuhörerschar wieder.
Schöntges gibt McCartneys „When I’m sixty four“ einen deutschen Text. Bei der Partisanen-Hymne „Bella Ciao“ kommt Schaurens Mandola so richtig zur Geltung. Das jiddische „Donna Donna“ animiert zum Mitsummen und das irische Segenslied „Bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand“ zum Mitsingen. Die sonore Stimme des Barden Jürgen Schöntges klingt auch bei „Schnapp, dem Zauberdrachen“ einfach schön. Erinnerungen an „Peter, Paul and Mary“ und an seine frechen und lieben Kinderlieder, bei denen die Kleinsten noch heute kräftig mitsingen.
Magische Oldies unter flinken Fingern
Die sich anschließenden „Saitenspinner“ starten mit Woody Guthries „Lonesome Traveller“. Seit 38 Jahren gibt es die Folk-Koryphäen von „Saitenspinner“, heute in der Besetzung mit Peter und Gabriele Auras, Manfred Heilscher und Petra Schönrock-Wenzel. Vielschichtig und immer wahrhaftig, mit gekonntem Harmoniegesang der beiden Sängerinnen werden alte Weisen neu gesponnen. Sie singen von Herzensfreud- und Herzensleid im schwedischen Liebeslied von den leuchtenden Blaubeeren. Das Instrumental „Saitenwind“, wurde schon vor zig Jahren von Peter Auras komponiert und damals auf einer Schallplatte verewigt.
Auch bluesige Töne tropfen beim Gitarrenspiel von Peter Auras und Manfred Heilscher problemlos vom Griffbrett. Die Damen treffen mit ihrem glasklaren Gesang nicht nur die Töne, an den Instrumenten beweisen sie Multi-Tasking-Fähigkeiten mit Bongos, Trommel, Querflöte und Rasseln. Das größte Instrument, der schwere Bass, wandert hin und her. Der weibliche Teil der „Saitenspinner“ bestätigt die Binse, das Kunst von Können kommt! Das vertonte Heimatgedicht „‘s gut Gewisse“ wird zum Ohrenschmaus. D Die traditionelle französische Seefahrerweise „Santiano“ kennen viele, ist inzwischen zur „Ervolksmusik“ geworden. „Freunde, es geht auf den Abend zu“, das Tanzlied mit viel Spielfreude wippt locker durch den Raum. Ein besonderes „Bonbon“ ist die Session von „Saitenspinner“ mit Schöntges und Schauren zum Finale. „This land is your land“ mit deutschem Schöntges-Text und „Die Gedanken sind frei“ mit kollektiver Gänsehaut. Magische Oldies unter den flinken Fingern. Ein „Finale furioso“, welches den Sonntag zum Feiertag für Folk-Friends werden lässt.
