Konzert zu Gunsten der Hospizgruppe in Meckenheim
Salon-Ensemble „BEDA“entführte in Mode und Musik der 20er Jahre
Meckenheim. Schnell zeichnete sich am vergangenen Sonntag in der Aula der Theodor-Heuss-Realschule Meckenheim ab, dass die Zahl der Stühle nicht mit den Besucherwünschen übereinstimmt. So waren zahlreiche Helfer damit beschäftigt unermüdlich Stühle in den Raum zu stellen, der dann auch bis auf den letzten Platz belegt war. Grund für den Besucheransturm war ein angekündigtes Konzert des Salon-Ensemble „BEDA“ welches laut eigenem Programm Cafehausmusik der 20er Jahre spielt.
An diesem Nachmittag sollte es jedoch zusätzlich auch noch um Frau und Mode in den Jahren 1850 bis 1940 gehen. Dies alles für den guten Zweck, denn der Eintritt zu dem Konzert war zwar frei, aber am Ausgang waren die Helfer der Hospizgruppe positioniert, welche sich über zahlreiche Spenden in die Sammeldosen freuen konnten.
Mehr als prächtige Unterhaltung
Das war freilich auch mehr als angebracht, denn die sechs Musiker plus Coach sorgten für mehr als prächtige Unterhaltung. Zwei Violinen, Klarinette, Tuba, Klavier und Akkordeon bildeten den Klangkörper auf der Bühne und los ging es mit dem Stück „Das muss ein Stück vom Himmel sein“, wo der Wiener Kongress tanzt. Der 1. Weltkrieg zog sich wie ein roter Faden durch das Programm und er sollte in vieler Hinsicht nicht nur musikalisch, sondern auch modisch einiges auf den Kopf stellen. So stellte sich seinerzeit nicht nur Stefan Zweig die Frage, ob denn aus der Historie betrachtet, der Wandel der Mode nicht sogar mehr wiegt als der eigentliche Ausgang des Weltkrieges. Denn im Kaiserreich war die Mode für die Damen vor allem schwer, da gab es das Korsett, zahlreiche Unterröcke, und dann zahlreiche Tageskleider, wobei diese vor allem die Aufgabe hatten, den Wohlstand des jeweiligen Gatten widerzuspiegeln.
Bereits siebenjährige Mädchen wurden damals in entsprechende Korsette gezwängt und doch ging der Wandel der Zeit voran. Das lag vor allem natürlich am Krieg und was die Mode betraf, so waren da auch die Männer betroffen, denn es galt der Spruch „Der Soldat ist der schönste Mann im Staat“, was in abgemilderter Form auch für die Beamten galt. Freilich war die Uniform der Soldaten für die Front nicht besonders tauglich und im Jahre 1916 hieß es sogar Frauenhaare zu sammeln, um Treibriemen zu produzieren.
Ab in die 20er Jahre
In den 20er Jahren hieß es dann auch musikalisch „Schöner Gigolo“ und das gesamte Publikum sang nach Kräften mit. Der Hintergrund ist freilich weniger prosaisch. Denn im Nachkriegsberlin kamen teilweise auf einen Mann bis zu vier Frauen und da waren die ehemaligen Offiziere gern gesehen, hatten diese doch beim Militär beste Umgangsformen gelernt und konnten sogar Tango tanzen, obwohl Kaiser Wilhelm II. davon gar nichts gehalten hatte.
Der Umstand, dass aus England auch der Sport für Frauen mit Golf und Tennis in Deutschland Einzug hielt, bedeutet für die Modemacher kräftiges Umdenken. So wurde der V-Ausschnitt seinerzeit verteufelt als „Lungenentzündungsmacher“ und sogar Hirtenbriefe dagegen verfasst. Es half alles nichts, die Säume der Röcke wurden kürzer, was freilich auch dem Umstand zu verdanken war, dass Stoff knapp und teuer war.
„In der Bar zum Krokodil“ erzählte dann im Sprechgesang die Geschichte von Joseph und Ramses, welche sich mit dem Laster bereits im alten Ägypten rumplagten und dieses Lied hatte es weder in die Bibel geschafft noch in das spätere Musical. Dafür aber wurde das Lied „Was machst Du mit dem Knie“ aus dem Jahre 1925 weltbekannt. Und das die Nacht nicht allein zum Schlafen da ist, wer will und wollte dem schon wiedersprechen. „Wenn die Elisabeth …“, auch dieses Lied konnten viele Mitsummen und es hat es ja auch vom Jahre 1930 bis in die heutige Zeit geschafft und schafft es selbst im Karneval heute von jung bis alt mitgesungen zu werden.
Nicht ohne Zugaben
Mehrere Zugaben, immer wieder modische Verwandlungen ließen den Nachmittag wie im Fluge vorübergehen und sorgten für Kurzweil. Und sicherlich auch bei dem einen oder anderen für die Erkenntnis, wer sich über den einen oder anderen vermeintlichen modischen Fehlgriff bei der Jugend mokiert und die guten Sitten bedroht sieht, es war alles schon mal da gewesen. STF
