„Ich geh` mit meiner Laterne ... „
Sankt Martin reitet durch die Neuwieder Stadtteile
Heddesdorf. Seit dem 4. November und noch bis Freitag in Hüllenberg ziehen die Martinsumzüge durch die Neuwieder Stadtteile. Neben den dreizehn großen Umzügen in allen Orten hatten zusätzlich Kindertagesstätten und Grundschulen zu eigenen Martinsfeiern eingeladen. Beispielsweise die Grundschule auf dem Heddesdorfer Berg. Zahlreich nahmen die Familien und Geschwisterkinder die Einladung der Schüler an. Bevor es zum 2,2 Kilometer langen Umzug über den Heddesdorfer Berg losging, stimmten sich alle mit Martinsliedern erst einmal ein. Stolz präsentierten die Schulklassen ihre Laternen mit den unterschiedlichen Motiven, die in den vergangenen Tagen entstanden waren. Derweil bereiteten sich Daniela Müller und Pferd Puschel auf ihre Premiere vor. Sie sprang kurzfristig für den eigentlich vorgesehen Sankt Martin ein. Wie anderenorts auch war es auf dem Heddesdorfer Berg eine Frau, die in das Kostüm des römischen Soldaten schlüpfte. Das ungemütliche Wetter störte weder Ross noch Reiterin und erst recht nicht die Kinder. Dafür stieg die Vorfreude auf die Brezeln und Würstchen sowie den Glühwein und den Kinderpunsch, den es im Anschluss in der Schule gab. Ob Förderverein, die Eltern als Zugbegleitung in Warnwesten oder die Lehrerschaft. Alle gemeinsam trugen zum Gelingen des Martinsumzugs bei. Jeder Umzug und jeder Stadtteil hatte so seine Besonderheiten. Bei einigen stand zunächst ein Gottesdienst in der Kirche auf dem Programm. Bei den allermeisten stellte das große Martinsfeuer, abgesichert durch die einzelnen Löschzüge der Stadt, den Abschluss des Geschehens dar. Ortsvereine, Vereinsringe oder andere Sponsoren spendierten zum Feuer den bei allen Kindern beliebten Weckmann. Die lodernden Feuer waren schon von Weitem erkennbar. Die Kirche versteht das Martinsfeuer übrigens als Symbol, das Licht in das Dunkle bringt. So wie die gute Tat von Sankt Martin. Dem Mann, der durch seine gute Tat vom römischen Soldaten zum Bischof von Tours gemacht wurde. Der Ursprung des Feuers ist allerdings ein anderer, noch älterer. Die Germanen entzündeten die Feuer anlässlich ihrer Wintersonnwendfeier und des Erntedankfestes. Außerdem wird vermutet, dass damit der Sommer verbrannt werden sollte. Als Zeichen, dass ein Zeitabschnitt unwiederbringlich vergangen ist und damit auch die göttliche Kraft, die Pflanzen und Tiere leben lässt. Nur wenn diese Kraft verbrannt ist, kann sie im Frühjahr mit neuer Stärke wieder erwachen. Heute zweifelt daran keiner mehr daran und mit Gewissheit lässt sich sagen, dass Sankt Martin auch im nächsten Jahr wieder durch die Stadtteile reiten wird. FF
Stolz präsentieren die Grundschüler ihre selbst gebastelten Laternen.
Wie in Heddesdorf mit Daniela Müller auf Pferd Puschel schlüpften vielerorts Frauen in die Rolle des Sankt Martin.
