Lotto-Kunstpreis verliehen - Autoren-Wettbewerb zum Thema „Freundschaft“
Schreibern eine Plattform bieten
Koblenz. Mit dem im Jahr 1989 gestifteten Lotto-Kunstpreis leistet das Glücksspielunternehmen Lotto Rheinland-Pfalz einen bereichernden und unterhaltsamen Beitrag zur Förderung von Kunst, Kultur und speziell von Literatur. In dieser Sparte ist er mittlerweile zum achten Mal angesiedelt. Der diesjährige Autoren-Wettbewerb war zum Thema „Freundschaft“ ausgeschrieben und mit insgesamt 15.000 Euro Preisgeld ausgelobt worden. Die Jury unter Vorsitz des Mainzer Literaturprofessors Wolfgang Düsing hatte unter 183 eingereichten Erzählungen und Gedichten, dreißig herausragende Beiträge auszuwählen. Sieger des Wettbewerbs wurde Michael Eisenkopf aus Lahnstein, der sich über ein Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro freuen durfte. Auf dem 2. Platz (3.500 Euro) landete Melanie Winter aus Neustadt/Wied, den dritten Platz (2.500 Euro) belegte Heidi Moor-Blank aus Lustadt, den vierten (1.000 Euro) Elisabeth Häring aus Sinzig. Je 500 Euro erhielten die sechs Autoren, die sich den fünften Platz teilen durften: Nadine Buch (Hahnenbach), Anette Dodt (Bingen), Jonas Kissel (Monzernheim), Dr. Wolfgang Ohler (Zweibrücken), Sabine Pahler (Diethardt) und Beate Probst (Lahnstein). Weitere zehn von der Jury ausgewählte Beiträge sind zusammen mit denen der Preisträger in einer 98-seitigen, in Buchform gehaltenen Anthologie abgedruckt. Unentgeltlich wird sie an Freunde des Unternehmens und gemeinnützige Institutionen abgegeben.
Feierliche Preisverleihung
Die feierliche Preisverleihung in „Diehls Hotel“ in Koblenz-Ehrenbreitstein wurde unterhaltsam moderiert durch Lotto-Pressesprecher Clemens Buch. In einem Grußwort hob Lotto-Geschäftsführer Jürgen Häfner anerkennend die vielen hochkarätigen Text-Beiträge hervor. Auch Kulturminister Prof. Konrad Wolf bewunderte das bemerkenswerte Talent der ausgewählten Autoren, die sich alle allein wegen des wertvollen Prozesses des Nachdenkens als Gewinner betrachten dürften. Zum vielfältig interpretierbaren Thema „Freundschaft“ sinnierte er über die sozialen Netzwerke, wo sie manchmal zu einer virtuellen Währung werde, und nur ein „Klick“ über Freundschaft oder nicht entscheide. Darüber hinaus würdigte Wolf Lotto Rheinland-Pfalz für seine Förderung zahlreicher Kunst- und Kultur-Projekte. Im Interview mit Clemens Buch äußerte Prof. Düsing sein Erstaunen über die große Zahl der Texteinsendungen in Anbetracht des schwierigen Themas „Freundschaft“. Damit habe der Wettbewerb einmal wieder das Ziel erreicht, Schreibern eine Plattform zu bieten, die bislang keine Chance hatten, mit ihrem Talent durchzudringen und zu publizieren. Ein Blick in die Kurzbiografien der Autoren zeigt allerdings nicht nur „unbeschriebene Blätter“. Dr. Wolfgang Ohler beispielsweise, seit über zwanzig Jahren Mitinhaber eines Zweibrücker Verlages, ist ein alter und vielfach ausgezeichneter „Literatur-Hase“. Mit „Luk ist tot“, Erinnerungen an einen Jugendfreund, schrieb er sich in die Reihe der Fünftplatzierten. Die Ehrung für diese sechs Autoren gestaltete Clemens Buch mit amüsanten Interviews der kreativen Köpfe. Ihre Geschichten zeigen, dass Trauer, Tod und Trennung tiefe Spuren in Freundschaften hinterlassen, sie manchmal sogar vertiefen können. Die evangelische Pfarrerin Anette Dodt ließ sich vermutlich vom Luther-Jahr inspirieren und erfand ein „Gespräch unter Freunden“, das sie Luther und seinem Freund Melanchthon in den Mund legte. Darin geht es um die, wie sie Luther in dem philosophisch geprägten Werk sagen lässt, „recht absonderliche“ Frage zur Möglichkeit einer Freundschaft zwischen zwei Ländern.
Oft schon seit frühester Jugend schriftstellerisch aktiv
Wie sie gehören auch etliche ihrer Mitbewerber Autorengruppen an und sind oft bereits seit ihrer frühesten Jugend schriftstellerisch aktiv. Ein Beispiel dafür ist der Student Jonas Kissel, der schon als Grundschüler das Schreiben für sich entdeckte und die Lotto-Jury jetzt mit der berührenden Geschichte „Ein guter Tag“ überzeugte. Trotz der für die Jury anonymisierten Texte geschieht es nicht selten, dass Autoren, die schon bei früheren Wettbewerben auf dem Siegertreppchen landeten, wiederholt in die Favoritenriege gewählt werden. Sabine Pahler, Beate Probst und Melanie Winter sind nur einige der Namen, die sich aufgrund ihrer schriftstellerischen Qualität immer wieder durchsetzen können. Die Gewinner der ersten vier Plätze wurden zusätzlich mit einer von einem Jurymitglied gehaltenen Laudatio belohnt. Die Koblenzer Kulturdezernentin Dr. Margit Theis-Scholz beispielsweise hielt die Lobrede auf die 19-jährige Autorin Elisabeth Häring, die gerade ihr Germanistik-Studium begonnen hat und mit ihrem lyrischen, von Theis-Scholz als ausdrucksstark gelobten Text „Sicher“ den vierten Platz erreichte. „Wenn man zu viele Worte im Kopf hat, muss man sie einfach rauslassen“, erklärte sie ihr demnach therapeutisch bedingtes Schreibtalent. Der Gründer des Eifel Literatur Festivals, Dr. Josef Zierden, hielt die Laudatio für die mit „Interview“ auf Platz drei gelandete Literatin Heidi Moor-Blank. „Ein kleines literarisches Kunstwerk, ein eindrucksvolles Gemälde von Freundschaft“ sei ihr mit dem in Interviewform gefassten Text gelungen, der in fünf Freundschafts-Beispielen die Sicht des einen Freundes auf den anderen wiedergibt. Für die mit dem zweiten Platz belohnte Texterin Melanie Winter hielt Dieter Noppenberger, Vorsitzender der Lotto-Gesellschafterversammlung, die Lobrede, die er als „Quadratur des Kreises“ empfand. „Eine nahezu unglaubliche Geschichte“, nannte er den Beitrag „Fatima“. Für die Freundschaft, die zwei syrische Frauen verbindet, wird am Ende sogar das eigene Kind hergegeben. „Man muss viel schreiben!“, verrät die gebürtige Engländerin, die schon zum vierten Mal zu den Preisträgerinnen gehört, ihr Erfolgsrezept. Die Laudatio auf den Wettbewerbs-Sieger, Michael Eisenkopf, hielt Prof. Düsing. So etwas habe er sehr selten oder noch gar nicht gelesen, beurteilte er das mit „Speisen oder Reisen“ betitelte Werk. Makabre Elemente durchziehen den Text des seit fast vierzig Jahren literarisch aktiven Mannes, der sich zu seinem Faible für Fantasy, Skurriles und Schräges bekennt. Diese Textgattung werde in der Literaturwissenschaft bislang nicht ausreichend beachtet. Der surreal konzipierte Beitrag erinnert Düsing an Marcel Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“, die Eisenkopf aber viel leichter serviere, als wäre es gar nichts. Letztlich sei es ein Mosaiksteinchen eines Traumes gewesen, sagte der Autor, das ihn zu der Geschichte inspirierte.
Die Lotto-Kunstpreis-Verleihung umrahmte der Gitarrist und Sänger John Virtue mit Liedern zum Thema Freundschaft, das sich wiederum im abschließenden gemeinsamen Essen durchaus vertiefen ließ. BSB
Dieter Noppenberger lobte die „nahezu unglaubliche Geschichte“, die Melanie Winter den zweiten Platz einbrachte.
Während Clemens Buchs Interview mit der mit dem dritten Preis ausgezeichneten Autorin Heidi Moor-Blank hielt Laudator Josef Zierden (li.) den Blumenstrauß frisch.
Kulturminister Wolf strahlte mit Wettbewerbs-Sieger Michael Eisenkopf (re.) um die Wette.
Die Koblenzer Kulturdezernentin Dr. Margit Theis-Scholz (li.) beglückwünschte die jugendlich-frische Autorin Elisabeth Häring zum Erreichen des vierten Platzes.
