Allgemeine Berichte | 29.07.2024

Sensenkurs im Vinxtbachtal

In einigen Gebieten in der Eifel waren die Sense länger in Gebrauch als anderswo.  Foto:privat

Waldorf. Am vergangenen Samstag wurde von der Naturschutzgemeinschaft Vinxtbachtal e.V. unter Leitung von Ulrich Jablonowski in Waldorf ein Sensenkurs durchgeführt.

Begonnen hat der Kurs mit einer Reise durch die Geschichte der Ernte- und Freistellwerkzeuge. Schon in der Jungsteinzeit haben sesshaft geworden Menschen mit sichelähnlichen Werkzeugen auf ihren Feldern gearbeitet, wie Funde belegen. Dieses Werkzeug bestand aus einem scharf geschlagenen Feuerstein, der in einem gebogenen Ast verklebt wurde.

In Form gegossenes Material (Metallsicheln als Erntewerkzeuge) tauchte in der Bronzezeit auf. Die ersten geschmiedeten Eisensensen, die stehend mit zwei Händen genutzt wurden, besaßen in unseren Breiten bereits die Kelten. Ein historisches Mähwerkzeug, eine Sichte, hatte auch der Kursleiter dabei. Hier handelt es sich um eine Sonderform der Sense, die einhändig bedient wurde, denn in der anderen Hand befand sich der Mahdhaken. Die Zwischenform zwischen Sense und Sichel, wird auch als Hau- oder Kniesense bezeichnet. Die Sichte wurde schon im 15. Jahrhundert als Gerät zur Getreideernte eingesetzt. Mit dem Mahdhaken wurde das zu mähende Getreide portioniert und mit der Sichte abgemäht. Der Arbeitsschritt des Portionierens vor dem Binden der Garben entfiel hierbei. Die gebundenen Garben verblieben auf den gemähten Feldern zur Nachreife. Erst danach wurde das Getreide zum Dreschen in die Höfe geholt.

Ohne die Nutzung der Sicheln und Sensen für die Wiesen- und Getreidemahd war die Entwicklung unserer Landwirtschaft nicht denkbar.

Die Sensen verschwanden allmählich von den Höfen, doch die Maßeinheit „Morgen“ blieb. Denn ein Morgen (2500 m²) war die Fläche, die ein Schnitter an einem Morgen zu mähen vermochte.

Durch die Entwicklung der Landwirtschaft und der Technik wurden handbetriebene (mit Muskelkraft) Mäh- und Freistellwerkzeuge zunehmend überflüssig.

In einigen Gebieten in der Eifel waren die Sense länger in Gebrauch als anderswo, denn viele Klein- und Kleinsthöfe konnten sich keine Mähmaschinen leisten.

Von den vielen Sensenfabriken in Deutschland, die es noch vom 19. Jahrhundert bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts gab, schloss die letzte 1972 im Rheinland und ist heute ein Museum. Es handelt sich um den Freudenthaler Sensenhammer in Leverkusen. In Österreich und Italien sind zwei Sensenfabriken geblieben, in denen noch heute hochwertige Sensenblätter geschmiedet werden. Von hochwertigen von Sensenblättern spricht man, wenn das Sensenblatt geschmiedet einen Kohlenstoffanteil unter 1% hat und somit weder zu hart noch zu weich ist. Das Sensenblatt darf bei fachgerechten Dengeln nicht reißen und beim Wetzen mit dem richtigen Wetzstein nicht zu schnell Material verlieren.

Der Kursleiter konnte verschiedene Sensenblätter vorführen, denn es gibt für unterschiedlichen Aufwuchs auch unterschiedliche Sensenblätter. Für frische, saftige Wiesen sog. Rasierschnittsensen, aber auch Strauch-, Busch- und (mehr oder weniger) Universalsensenblätter.

Bevor auf der Obstwiese der Naturschutzgemeinschaft von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern gemäht wurde, musste der Sensenbaum auf die passende Körpergröße eingestellt werden. Hierbei wurden die beiden Griffe an den Sensenbaum montiert und das Sensenblatt im richtigen Winkel an den Sensenbaum befestigt. Mit der Sense, Kumpf (köcherartiger Behälter) mit Wasser und Wetzstein ging es auf die Obstwiese. Unter Anleitung probierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Sensen aus und übten die richtige Mähtechnik.

Im zweiten Teil des Kurses wurden verschiedene Dengelambosse zum Austreiben der Sensenschneide mit Hammerkraft genutzt. Hierfür werden speziell gerundete Dengelhämmer und kleine gerundete Dengelambosse verwendet. Durch das sachgerechte Austreiben des „Dangels“ wird die Schneide gestreckt, kalt geschmiedet und dadurch gehärtet. Das Material soll je nach Sensentyp bis auf ca. 0,2 mm ausgedünnt werden. Die Dengeltechnik wurde zunächst an Metallblechen geübt. Hierbei ist die Haltung des Bleches am Amboss, die Schlaggenauigkeit und die Schlagkraft von Bedeutung. Nur mit gut gedengelten und gewetzten Sensen fällt einem das Mähen leicht. Gemäß dem Spruch: „Wer beim Dengeln schläft, wird beim Mähen wach.“

Am späten Nachmittag endete der Kurs und alle waren um einige Erfahrungen reicher.

Warum mit einer Sense mähen?

1. schont Lebewesen in den Wiesen

2. sie ist leicht und leise

3. sie produziert keine Abgase

4. sie ist auch in der Mittagsruhe einsetzbar

5. mähen ist gut für die Gesundheit

6. es macht Freude

Interessierte melden sich bitte bei der Naturschutzgemeinschaft Vinxtbachtal e.V.

www. nsg-vinxtbachtal.de

In einigen Gebieten in der Eifel waren die Sense länger in Gebrauch als anderswo. Foto:privat

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