Eine der größten DNA-Reihenuntersuchungen in Rheinland-Pfalz
Sexualdelikt in Oberdürenbach: Staatsanwältin hofft auf Hinweis durch Beinahe-Treffer
Brohltal. Im Fall eines schweren Sexualdelikts zu Lasten eines siebenjährigen Mädchens in Oberdürenbach im Juni vergangenen Jahres haben Polizei und Staatsanwaltschaft jetzt schweres Geschütz aufgefahren. Knapp 2200 Männer zwischen 15 und 65 Jahren aus zehn Ortschaften von der Olbrück bis Spessart waren von der Polizei angeschrieben worden, am Wochenende an einer freiwilligen DNA-Reihenuntersuchung in der Sporthalle von Niederzissen teilzunehmen. Letztendlich haben 1463 Männer freiwillig an der Untersuchung teilgenommen. Es war eine der größten Aktionen dieser Art in der Geschichte von Rheinland-Pfalz.
Vorfall am 21. Juni 2025
Rückblick: Am Samstag, 21. Juni 2025, kam es in Oberdürenbach zu einem Sexualdelikt zum Nachteil eines siebenjährigen Mädchens. Das Kind soll von einem Mann angesprochen und im Rahmen einer Feier von einem Sportplatz auf einen Reitplatz gelockt worden sein. Der Vorfall ereignete sich zwischen 17.00 und 17.30 Uhr im Bereich Sportplatz/Am Burberg.
„Bisher haben wir die Täterbeschreibung des Mädchens“, sagte Jürgen Fachinger, Sprecher des Polizeipräsidiums Koblenz, bei der Großaktion in Niederzissen. Der Täter ist demnach zwischen 30 und 35 Jahre alt und 1,70 bis 1,80 Meter groß. Er habe einen hellen Teint, dunkle kurze Haare und einen Oberlippenbart. Zum Tatzeitpunkt habe er ein schwarzes T-Shirt und eine kurze, schwarze Hose getragen. Die Polizei sucht seitdem nach dem Unbekannten. Weitere Details zum Tathergang nennt die Staatsanwaltschaft aus Gründen des Opferschutzes nicht.
2193 Männer angeschrieben
Worauf die Polizei und Staatsanwaltschaft jetzt aber setzen, ist eine gesicherte DNA-Spur des Täters. Eine erste Reihenuntersuchung in Oberdürenbach im vergangenen August, zu der 600 Männer gebeten worden waren, 200 waren laut Staatsanwaltschaft gekommen, blieb jedoch ohne Erfolg. Jetzt hat die Kriminalinspektion Mayen um Kriminalrat Michael Vomland im Auftrag der Staatsanwaltschaft Koblenz den Radius deutlich erweitert und konkret 2193 Männer angeschrieben.
„Wir rechnen zwar nicht, dass der Täter zur Untersuchung kommt“, sagte Fachinger zu Blick aktuell. Aber ob der großen Menge der Probanden sei es nicht ausgeschlossen, über einen sogenannten Beinahe-Treffer ein Verwandtschaftsverhältnis einzukreisen, was dann als Ansatz für weitere Ermittlungen dienen könne.
Staatsanwältin optimistisch
„Das geht bis zu einem Verwandtschaftsverhältnis dritten Grades“, sagte Staatsanwältin Dr. Anna Wopperer. In Niederzissen zeigte sich die Leiterin der Ermittlungen im Fall Oberdürenbach im Gespräch mit Blick aktuell durchaus optimistisch: „Wenn wir nicht vermuten würden, dass die DNA-Reihenuntersuchung zur Ergreifung des Täters führt, würden wir es nicht machen.“ Dr. Wopperer schließt aber auch nicht aus, dass im negativen Fall der Radius der Ortschaften bei einer erneuten Reihenuntersuchung noch einmal erweitert wird. Mit einem Ergebnis der Untersuchungen in Niederzissen rechnet die Staatsanwältin in einigen Wochen. Wichtig ist für sie aber auch ein Hinweis zum Verfahren: „Wer angeschrieben wurde, aber nicht an der Reihenuntersuchung teilgenommen hat, gilt in keiner Weise als verdächtig.“ Dennoch hätte sich die Polizei mehr Teilnehmer gewünscht. Deshalb appellierte Jürgen Fachinger am Sonntagnachmittag nach Beendigung der Aktion: „Angeschriebene Personen, die sich im Nachgang noch bereiterklären möchten, eine Speichelprobe abzugeben, können sich mit den im Informationsmaterial angegebenen Ansprechpartnern in Verbindung setzen.“
Rechtliche Grundlage für eine DNA-Reihenuntersuchung ist der Paragraf 81h der Strafprozessordnung. Die Maßnahme bedarf einer schriftlichen richterlichen Anordnung. Aus den Proben wird ein DNA-Profil erstellt, das ausschließlich zur Identitätsfeststellung dient. Die entnommenen Proben dürfen ausschließlich für das jeweilige Verfahren genutzt und müssen nach Abschluss der Untersuchung vernichtet werden.
Logistische Herausforderung
Auch logistisch war die DNA-Reihenuntersuchung in der Niederzissener Sporthalle, deren vorderer Bereich extra abgetrennt worden war, eine Herausforderung. An 16 Tischen in vier Reihen wurden die jeweils aufgerufenen Männer von geschulten Polizeibeamten mit Forensik-Abstrichtupfern getestet. In und um die Halle sorgten Polizisten in Uniform und in Zivil für einen geregelten Ablauf. Denn schon zum Auftakt hatte sich vor der Halle eine lange Warteschlange gebildet. Insgesamt waren von Freitag bis Sonntag an jedem Tag rund 40 Beamte im Einsatz. GS
In der Sporthalle von Niederzissen warn insgesamt 16 Teststationen aufgebaut Foto: GS
Polizisten in Zivil und in Uniform sorgten in und um die Halle für einen geregelten Ablauf. Foto: GS
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