Allgemeine Berichte | 22.06.2026

Kompromisse - wie eine temporäre Fußgängerzone - seien allerdings denkbar

Sinziger Innenstadt: Aktivgemeinschaft spricht sich gegen dauerhafte Fußgängerzone aus

Blick in die Sinziger Innenstadt.  Foto: ROB

Sinzig. Die Aktivgemeinschaft Sinzig hat sich im Rahmen einer kurzfristig einberufenen Mitgliederversammlung intensiv mit den aktuellen Überlegungen zur zukünftigen Verkehrsführung und möglichen Einrichtung einer Fußgängerzone in der Sinziger Innenstadt beschäftigt.

Grundsätzlich begrüßt die Aktivgemeinschaft ausdrücklich Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung sowie zur optischen und atmosphärischen Aufwertung der Innenstadt. Eine attraktivere Gestaltung mit mehr Begrünung, einer angenehmeren Aufenthaltsqualität sowie einer Reduzierung von Lärm und Durchgangsverkehr wird positiv gesehen und unterstützt.

Gleichzeitig bestehen jedoch große Sorgen hinsichtlich einer dauerhaften vollständigen Fußgängerzone. Insbesondere im oberen Bereich ab Mühlenbachstraße/Bachovenstraße sowie im unteren Bereich der Koblenzer Straße sehen zahlreiche Gewerbetreibende erhebliche wirtschaftliche Risiken. Vor allem Unternehmen aus den Bereichen Gesundheit, Optik, Schmuck und Dienstleistungen sind auf eine gute Erreichbarkeit angewiesen. Viele Kundinnen und Kunden – insbesondere ältere oder mobilitätseingeschränkte Menschen – werden mit dem Taxi gebracht oder müssen möglichst nah an die Geschäfte, Arztpraxen oder die Apotheke heranfahren können. Eine vollständige Sperrung würde nach Einschätzung vieler Mitglieder zu erheblichen Einbußen bis hin zu Existenzproblemen führen.

Auch die Situation des Lieferverkehrs wurde kritisch diskutiert. Eingeschränkte Lieferzeiten oder komplizierte Zufahrtsregelungen werden von vielen Betrieben als im Alltag schwer umsetzbar angesehen.

Die Aktivgemeinschaft positioniert sich daher gegen eine dauerhafte vollständige Fußgängerzone, spricht sich jedoch klar für eine sinnvolle Verkehrsberuhigung aus. Hierzu werden konkrete Maßnahmen vorgeschlagen:

Überfahrschwellen in kurzen Abständen, damit nicht – wie teilweise auf der Mühlenbachstraße – zwischen einzelnen Schwellen wieder beschleunigt wird.

Fahrbahnverengungen durch große mobile Pflanzkästen oder Begrünungselemente, die gleichzeitig zur Verschönerung der Innenstadt beitragen.

Die Elemente sollten flexibel versetzbar sein, beispielsweise mittels Gabelstapler oder Radlader, sodass sie auch bei Veranstaltungen als Sicherheits- bzw. Terrorschutz genutzt werden können.

Die Aktivgemeinschaft geht davon aus, dass durch solche Maßnahmen sowohl der Lärmpegel als auch die Fahrzeugfluktuation in der Innenstadt deutlich reduziert werden könnten.

Eine temporäre Fußgängerzone – beispielsweise an Wochenenden oder testweise zu bestimmten Zeiten – wird grundsätzlich als denkbar und prüfenswert angesehen. Eine dauerhafte Komplettsperrung der Innenstadt wird jedoch nicht als praktikabel betrachtet.

Sollte dennoch eine dauerhafte Fußgängerzone politisch weiterverfolgt werden, sieht die Aktivgemeinschaft lediglich einen begrenzten Kompromiss als mittragbar an: Eine Fußgängerzone ausschließlich im direkten Bereich des Marktplatzes. Die Bachovenstraße sollte weiterhin befahrbar bleiben. Ebenso sollte der Verkehr aus Richtung Koblenzer Straße weiterhin nach oben geführt und anschließend über den Bereich am Kodi auf die Ausdorfer Straße umgeleitet werden. Der eigentliche Marktbereich könnte dann als begrenzter autofreier Abschnitt gestaltet werden.

Ein weiterer wesentlicher Punkt ist der Erhalt von Parkmöglichkeiten. Bereits heute ist die Parkplatzsituation in Sinzig angespannt. Ein zusätzlicher Wegfall von Parkraum durch eine vollständige Fußgängerzone würde die Erreichbarkeit der Innenstadt weiter verschlechtern und sowohl Handel als auch Dienstleistungen zusätzlich belasten.

Die Aktivgemeinschaft Sinzig spricht sich daher für eine ausgewogene Lösung aus, die Aufenthaltsqualität, Sicherheit und Verkehrsberuhigung verbessert, gleichzeitig aber die Erreichbarkeit und wirtschaftliche Zukunft der Innenstadtbetriebe sichert.

Ich hoffe diese Ausführungen werden im weiteren Entscheidungsprozess berücksichtigt . Bei Rückfragen oder Anmerkungen stehe ich gerne als erster Vorsitzender der Aktivgemeinschaft zur Verfügung.

Roman Küffner,

Aktivgemeinschaft Sinzig

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