Allgemeine Berichte | 08.05.2020, 12:50 Uhr

BLICK aktuell im Interview mit der Kindertagesstätte KiTa St. Antonius in Niederelbert

„So individuell die Familien sind, so vielfältig sind die Lösungen“

Die Kindertagesstätten stehen bei einer Lockerung der Maßnahmen vor größten Herausforderungen

Niederelbert. Die Kindertagesstätten in Rheinland-Pfalz sind seit dem 17. März aufgrund der Corona-Infektionsgefahr geschlossen.

Ohne eine große Vorankündigung wurde der Alltag von Erzieherinnen, Erziehern und Kindern von einem Tag auf den anderen über den Haufen geworfen und es galt, sich schnellstens auf die neue Situation einzustellen. Bisher gibt es noch keine Perspektiven, wann und unter welchen Bedingungen sie wieder geöffnet werden können.

Seit mittlerweile fast zwei Monaten sind die vertrauten Strukturen und Abläufe nicht mehr vorhanden und der Alltag von Kindern und Erziehern musste neu organisiert werden. Dies stellte alle Beteiligten vor große Herausforderungen: Kinder, Eltern und Erzieher. In der Zwischenzeit berichten die Medien immer wieder über die Belastungen, denen die Familien aktuell ausgesetzt sind durch den Spagat zwischen Home Office und Kinderbetreuung.

BLICK aktuell wollte einmal die andere Seite beleuchten und bat die Kindertagesstätte St. Antonius in Niederelbert um ein schriftliches Interview. Erzieherin Natalie Kühn nahm sich die Zeit, unsere Fragen zu beantworten.

BLICK akuell: Welche Änderungen gab es nach dem Shutdown in Ihrem Alltag als Erzieher/in?

Nathalie Kühn: Der Alltag hat sich natürlich völlig verändert. Was würde ein Gärtner ohne Blumen tun? Es gibt aber vielfältige Aufgaben die jetzt erledigt werden und alle Erzieherinnen nutzen diese Chance.

Aufgaben wie z. B. Portfolios vervollständigen, Dokumentation und Planung der pädagogischen Arbeit, an der Konzeption arbeiten, Prozesse im Qualitätsmanagement erarbeiten und überarbeiten, Projekte vorbereiten, Fachliteratur lesen, Material sortieren etc.

Es gibt immer genügend zu tun. Ich denke, andere Berufsgruppen kennen dies auch.

Wir haben uns entschieden mit und für Kinder zu arbeiten, das fehlt uns natürlich sehr. Wir freuen uns sehr, wenn der Betrieb wieder einigermaßen normal losgehen könnte. Aber es macht uns auch Sorgen, wie wir die erweiterten Hygienevorschriften einhalten können.

Unser Beruf lebt von engen Beziehungen zu den Kindern, wir möchten sie trösten und für sie da sein. Dies können wir nun physisch nicht mehr machen. Gerade in dieser Zeit, wo die Kinder vielleicht verunsichert sind, möchte man ihnen Nähe und Sicherheit geben und ihnen zeigen: „Wir sind für euch da!“

Das wird mit Maske und Sicherheitsabstand leider sehr schwer.

BLICK aktuell: Halten Sie Kontakt zu den zuhause bleibenden Kindern und deren Familien? Wenn ja, auf welche Weise?

Natalie Kühn: Das Wichtigste zurzeit ist, den Kontakt zu den Kindern und deren Familien zu halten. Wir verschicken E-Mails, bringen wöchentlich Briefe und kleine Aufgaben, natürlich mit Abstand, zu den Kindern.

Das ist ein schöner Austausch. Man sieht, wie es den Kindern geht und auch die einzelnen Familien, die diese Schwierigkeiten meistern. Jede Familie hat ihr eigenes Schicksal und gibt ihr Bestes. Es ist eine sehr belastende Situation für alle.

BLICK aktuell: Viele Eltern beklagen, dass die Kinder unausgelastet seien und ihnen der Kontakt zu anderen Kindern fehlt. Wie würden Sie als Erzieher/in die Situation einschätzen? Haben Sie Tipps oder Ratschläge für die Eltern, wie diese ihren Kindern die Zeit etwas erleichtern können?

Natalie Kühn: Leider kann ich persönlich die Situation selbst gar nicht einschätzen, da es etwas Vergleichbares vorher nicht gab.

Ich habe selbst zwei Kinder im Kindergartenalter und muss sagen, dass sie es, glaube ich, bis jetzt noch ohne langfristigen Schaden überstehen werden. Natürlich wünschen sich die Kinder manchmal auch Pausen von den Eltern/der Mama und möchten gerne mit ihren Freunden spielen und es fällt Eltern manchmal schwer, selbst positiv zu sein, weil man sich dies für seine Kinder natürlich wünscht. Und mal ehrlich, auch die Eltern wünschen sich diese Auszeit.

Ich glaube, Tipps und Ratschläge zu geben ist schwierig. So individuell die einzelnen Familien sind, so vielfältig sind die Lösungen. Jeder muss für sich selbst einen Weg finden, damit umzugehen. Es nützt nichts, wenn man einen langen Spaziergang im Wald empfiehlt, wenn man als Eltern selbst nicht gerne in den Wald geht. Ich habe schon Aussagen von Wochen- oder Tagesplänen bis zu in den Tag hineinleben gehört.

BLICK aktuell: Inwieweit halten Sie es für vorstellbar, dass die Hygiene- und Abstandsvorschriften im Kindergartenalltag integriert und eingehalten werden können, wenn die Kitas wieder öffnen dürfen?

Natalie Kühn: Jeder der Kinder im Kindergartenalter hat, kann einschätzen, wie realistisch es ist, die Abstandsregeln einzuhalten. Es werden jetzt bestimmt gute Konzepte erarbeitet, wie man diese bestmöglich umsetzen kann. Diese Konzepte müssen für jede Einrichtung individuell erarbeiten werden. Es wird keine Pauschallösung geben. z. B. Einrichtungen mit mehreren Waschräumen und einem großzügigen Raumkonzept sind besser aufgestellt als Einrichtungen mit einem Waschraum und einem kleinen Raumkonzept. Es gibt bestimmt verschiedene gute Überlegungen. Jedoch sind Kinder keine Maschinen, die man programmieren kann. Gerade die Jüngeren entdecken ihre Welt mit allen Sinnen und vergessen sich über ihre Neugier hinaus. Und dass ist auch gut so!

Es wird Hygienelücken geben.

BLICK aktuell: Wir danken Ihnen für dieses Interview und wünschen Ihnen und allen übrigen KiTas unserer Region für die nächsten Wochen neue kreative Wege um möglichst bald wieder zu Ihrer gewohnten Arbeit mit den Kindern zurückkehren zu können.

kbl

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