Allgemeine Berichte | 31.10.2018

Zeitzeugengespräch an der Hocheifelschule in Adenau

„So lange ich lebe, werde ich Schulen besuchen und erzählen“

Mit Henriette Kretz war eine Übelebende des Holocaust zu Gast

Ernst und nachdenklich fogten die Schüler der Klassen 10 der Lebensgeschichte von Henriette Kretz.

Adenau. Kürzlich besuchte Henriette Kretz als überlebende Zeitzeugin des Holocaust die Hocheifelschule und erzählte den Schülern der Klassen 10 aus ihrem bewegten Leben.

Viele Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs gibt es nicht mehr. Da ist es beachtlich, dass sich eine 84 Jahre alte Dame auf den weiten Weg von Belgien nach Adenau machte. Das Zeitzeugengespräch konnte dank der Unterstützung durch den Haus Israel e.V., besonders durch den Vorsitzenden Udo Winkler, der Kretz begleitete, stattfinden. Henriette Kretz sprach voller Lebensfreude und Willensstärke zwei Stunden zu den Schülern, die ihr wie gebannt zuhörten.

Denn was sie zu erzählen hatte, war eine Lebensgeschichte voller Höhen und Tiefen, voller Hoffnung und Verzweiflung: Geboren wurde Kretz in Lemberg, das liegt in der heutigen Ukraine. In Iwaniska, wo ihr Vater als Chirurg arbeitete, erlebte sie glückliche Kindertage. Doch mit dem Einmarsch der deutschen Soldaten änderte sich für die Familie alles. Nach Zwangsumsiedlung ins Ghetto, beinaher Tötung, Verstecken im Kohlenkeller und hinter einem Schrank sowie einem Gefängnisaufenthalt ist Henriette Kretz am Ende die Einzige ihrer gesamten Familie, mit Ausnahme ihres Onkels, die den Krieg überlebt. Auch muss sie anhören, wie ihre Eltern erschossen werden, und sie steht mit nur acht Jahren ganz allein da. Die Menschen, die ihr auf ihrem schweren Weg geholfen haben, sind für sie Helden, weil sie meist ihr eigenes Leben und das ihrer Familien aufs Spiel setzten, um zu helfen. Kretz zeigte den Schülern zudem eindrucksvoll und sehr anschaulich, wie es ist, in einer Diktatur zu leben und dass sich das niemand wünschen sollte. Damit nahm sie Bezug auf die Fragen der Schüler, die unter anderem auch nach ihrer Meinung zur Leugnung des Holocausts im aktuellen Kontext und der Flüchtlingsdebatte erkundigten.

Ihr Appell an die Schüler: „Wählt mit und überlegt euch gut, wen ihr wählt.“

Die 84-Jährige zog die Zuhörer auch mit ihrer Lebensfreude in ihren Bann.

Die 84-Jährige zog die Zuhörer auch mit ihrer Lebensfreude in ihren Bann.

Ernst und nachdenklich fogten die Schüler der Klassen 10 der Lebensgeschichte von Henriette Kretz.

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