Virtuelles Kraftwerk im Landkreis Cochem-Zell
So langsam beginnt der Aufbau
Classen-Gruppe aus Kaisersesch ist auf dem Weg zu 100 Prozent erneuerbaren Energien
Kaisersesch. Rund 40 Gäste waren der Einladung gefolgt, um sich über den Aufbau eines virtuellen Kraftwerkes im Landkreis Cochem-Zell zu informieren. Landrat Manfred Schnur und Prof. Dr. Ralf Simon betonten, dass das innovative Projekt für Betreiber von Anlagen im Landkreis große Chancen bieten kann. Dadurch, dass ab dem Jahr 2021 viele Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien aus der Förderung fallen, entstehe automatisch ein großes Kraftwerk in der Region. Bis zum Jahr 2032 seien dies allein im Landkreis 40 Megawatt im Bereich der Windkraft und zwölf Megawatt im Bereich der Fotovoltaik. Die Betreiber können sich dafür entscheiden, den Strom ihrer Anlagen über das virtuelle Kraftwerk zu vermarkten und somit die Anlagen weiter wirtschaftlich zu betreiben. „Durch die Bündelung der Stromerzeugung ist eine bessere Vermarktungsmöglichkeit gewährleistet. Die Regionalisierung der Stromversorgung bietet eine Chance für den Landkreis“, erklärte Simon.
Die vorangegangene Studie der Transferstelle Bingen zeigte auf, dass ein Drittel des Strombedarfs im Landkreis noch nicht mit lokalem grünem Strom gedeckt werden kann. Durch die Flexibilisierung von Anlagen und Verbrauchern soll noch mehr Ökostrom in der Region gehalten und weniger Graustrom importiert werden. Dies kann durch den Aufbau eines übergeordneten Systems in Form einer voll automatisierten Software gelingen. Landrat Schnur betonte, dass das virtuelle Kraftwerk so aufgebaut werde, dass es für alle Beteiligten lohnenswert sei. Die Transferstelle Bingen wird dies nun mit zahlreichen Partnern erarbeiten. Auch die VSE AG aus Saarbrücken, die als Stromhändler zwischengeschaltet wird, betont, wie durch eine gesamtheitliche Optimierung und das Zusammenführen der Potenziale immer wieder die bestmögliche Situation für den Landkreis geschaffen werden könne.
Ein sehr anschauliches Beispiel für ein Unternehmen, für das die Teilnahme am virtuellen Kraftwerk interessant sein kann, ist die Classen-Gruppe mit ihrem Standort in Kaisersesch. Rainer Hück, Leiter des Energiemanagements, stellte verschiedene Projekte vor, durch die der Energieverbrauch am Standort deutlich gesenkt werden konnte. Bei der Produktion von Laminatböden für große Möbelhäuser konnte in den vergangenen Jahren der Energieverbrauch jedes Jahr um rund fünf Prozent reduziert werden, was sehr wichtig für die Wettbewerbsfähigkeit und die Standortsicherung sei, so Hück. Zudem soll die Stromversorgung am Standort Kaisersesch ab dem nächsten Jahr vollständig mit Ökostrom gedeckt werden, auch die Produktion der Prozesswärme werde 2020 komplett auf Biomasse umgestellt. Eine weitere Besonderheit ist, dass bei der Produktion keine Abfälle entstehen, da alle Wertstoffe wiederverwendet werden. In Planung seien auch eine große Fotovoltaikanlage auf einer Freifläche sowie Dachanlagen, die im Zuge der Errichtung neuer Werkshallen entstehen und damit die Stromkosten erheblich senken sollen.
Weitere Unternehmen und Anlagenbetreiber aus der Region können ihr Interesse an der Teilnahme am virtuellen Kraftwerk bekunden und sich hierfür mit der TSB in Verbindung setzen. In erster Linie sind größere Anlagen ab etwa 100 Kilowatt interessant. Informationen unter Telefon (0 67 21) 98 42 42 75 oder unter der E-Mail-Adresse herold@tsb-energie.de.
