Spannende Zukunft
Bad Neuenahr-Ahrweiler. Pilzwiderstandsfähigkeit und Hitzeresistenz. Das waren die wohl am häufigsten benutzten Vokabeln am Rebsortentag in Geisenheim im Rheingau. Frau Bettina Lindner, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts für Pflanzenzüchtung begrüßte die Weinbrüder und -schwestern aus Bad Neuenahr-Ahrweiler bei schwül-warmem Wetter und führte sie durch die Versuchsweinberge. Dort konnten die Ahrtaler sich am lebendigen Rebstock davon überzeugen, wie die Forschungsschwerpunkte sich zunehmend mit den Auswirkungen extremer Wetterlagen befassen. Rebsorten der Zukunft sollen den Weinbau auch dann sicherstellen, wenn das Klima in Deutschland immer wärmer und oft auch nasser wird. Ein weiteres Augenmerk des Instituts, so Frau Lindner, sei die „Sicherung genetischen Materials“. Auf rund 20 ha. Rebfläche werden hunderte verschiedener Klone aus der deutschen Rebenvielfalt gehegt und gepflegt; darunter traditionelle, aber auch historische Sorten wie Gelber Orleon und roter Riesling.
Besonderes Interesse der Weinbrüder erregten die neuen roten pilztoleranten Gm-Zuchtstämme, die an den Informationsständen vorgestellt und erläutert wurden sowie direkt verkostet werden konnten. In Fachgesprächen und -vorträgen erhielten die Besucher Einblicke in die Rebenzüchtung und die Mikrovinifaktion. Hierbei wurde betont, dass es dem Institut nicht um die Herstellung marktfähiger Weine geht, sondern um den Vergleich der verschiedenen Klone, die unter Laborbedingungen und identischen Parametern vinifiziert werden.
Nicht zuletzt die Genforschung leistet ihren Beitrag im Kampf um den Erhalt der deutschen Weinkultur. Ihre Ergebnisse tragen dazu bei, dass Kreuzungen zur Züchtung gewünschter Eigenschaften wesentlich gezielter geplant und durchgeführt werden. Dauerte es bisher rund 30 Jahre, ehe eine Neuzüchtung den Weg in die Anbaugebiete und in die Flaschen fand, dürfte diese Wartezeit sich künftig auf 10 Jahre reduzieren. Der Vorsitzende der Weinbruderschaft Marc Linden, drückte es für alle humoristisch-prägnant aus: „Früher Ballermann, heute Parship!“
Auf Weinblättern und unter dem Mikroskop machten die Weinbrüder schließlich Bekanntschaft mit echten Rebläusen. Da Piwi-Trauben amerikanische Kreuzungspartner haben, sind deren Blätter entsprechend anfällig und oft mit den sogenannten „Gallen“ übersäht. In diese legt eine Reblaus bis zu 400 Eier; der gefürchtete Vermehrungszyklus des Schädlings kann beginnen.
Die 16 Weinbrüder und -schwestern waren sich am Ende des Besuchs einig, dass solche Bildungsreisen nicht nur den Zusammenhalt der Bruderschaft stärken, sondern den Horizont jedes einzelnen auf angenehme Weise erweitern. Sie bedankten sich bei der Gastgeberin mit einem Weinpräsent und beim Initiator Paul Gieler für die Herstellung des Kontakts.
