Workcamper der „Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste“ richten Gräber in Linz her
„Startschuss zur Neugestaltung des Geländes“
Jugendliche verhelfen dem Tilman-Joel-Park neben Sankt Martin zu einem würdigen Aussehen
Linz. Eine überaus schweißtreibende Beschäftigung haben sich die zwölf Jugendlichen ausgesucht, die sich für das Linzer Workcamp des gemeinnützigen Vereins „Internationale Jugendgemeinschaftsdienste“ (ijgd) entschieden hatten. Aus Frankreich, Italien und Spanien, Russland und Serbien, Mexiko und Südkorea sowie aus den USA waren die 16- bis 22-Jährigen angereist, um zwei Wochen lang rund 30 der 136 verwilderten Grabstellen des Tilman-Joel-Parks ansehnlich zu gestalten. Als Betreuerinnen zur Seite gestellt hatte ihnen die ijgd-Referatsleiterin Nicole Thönnes mit Isabelle von Fintel und Eda Yildirim zwei 20-Jährige, während Julia Framke vom Bauhof die gärtnerische Leitung übernommen hatte. Zuvor hatte ihr Kollege Pedro Manuel De Almeida-Silverio einen genauen Plan ausgearbeitet, wie man den ehemaligen Friedhof an der Sankt Martin-Basilika aus seinem Schattendasein herausholen und in einen Naherholungspark verwandeln könnte.
„Natürlich ist das hier nur ein Startschuss zur Neugestaltung des Geländes. Aber wenn über 20 Prozent der Grabstellen saniert sind, kann man sich gut vorstellen, wie der Tilman-Joel-Park einmal aussehen wird“, so Stadtbürgermeister Hans Georg Faust. Begonnen habe man zunächst vom Rondell aus mit den beiden unteren Grabreihen. Nachdem sich die Jugendlichen etwa bis zur Hälfte der beiden Reihen vorgearbeitet hätten, würden aber inzwischen auch Gräber oben direkt an der Mauer in Angriff genommen, erklärte er.
„Einige Gräber decken wir über den Planen nur mit grobem Schotter ab, da eine gärtnerische Pflege aller Grabstellen nicht zu bewerkstelligen sein wird, selbst wenn einige Linzer Patenschaften übernehmen sollten“, so Bauhofleiter Guido Rings, von dem die Jugendlichen mit Material, Werkzeug und Schutzkleidung versorgt worden waren. Ansonsten werden die ijgd-Campworker, die in der Turnhalle des Altgymnasiums untergebracht sind, von der Stadt mit Lebensmitteln versorgen. „Gekocht wird in der Küche der Stadthalle, immer im Wechsel, sodass jeden Tag ein anderes internationales Gericht auf den Tisch kommt“, berichtete Eda Yildirim. Für Getränke vor allem auf der „Baustelle“ sei auf jeden Fall gesorgt.
„Außerdem sind die Linzer ungemein gastfreundlich. So sind wir schon zu Flammkuchen eingeladen worden und gerade eben erst hat uns Professor Said Ossami eine dicke Portion Eis spendiert“, so Isabelle von Fintel. Unterstützt werde die Aktion, die von Elfriede Lützeler von der Arbeits-
gruppe „Optik“ der Bürgerinitiative (BI) „Linz gestalten – Leben in der Altstadt“ im Vorjahr initiiert worden war, auch von den Vereinen, wie der Sankt Sebastianus Schützenbruderschaft, der Gruppe „Subkultur“ oder der Feuerwehr. „Wir fühlen uns schon verpflichtet, den jungen Leuten etwas zu bieten. Schließlich können wir nur durch ihren Einsatz den nach einem berühmten Linzer des 15. Jahrhunderts benannten Park zu sanieren, der hoch über Linz, aber immer noch innerhalb der alten Stadtmauer liegt“, hob Hans Georg Faust hervor. Positiv ausgedrückt, sei der Tilman-Joel-Park schon immer ziemlich verwunschen, hinsichtlich seiner historischen Bedeutung aber wohl eher in einem unwürdigen Zustand gewesen.
„Das Workcamp ist eine tolle Geschichte und eine Bereicherung für beide Seiten, wobei die Freizeitgestaltung lediglich ein deutliches Zeichen ist, wie sehr wir das Engagement der Jugendlichen schätzen“. ergänzte Karl-Heinz Wölbert. Entsprechend sollten diese nicht nur fünf Tage die Woche arbeiten, sondern auch die Region und die Menschen kennen lernen. Und das gelinge der bunt zusammengewürfelten Gruppe, die sich toll verstehen würde, sehr gut, bestätigten die beiden Gruppenleiterinnen. „Alle sind zudem unheimlich motiviert und sehr fleißig. Selbst dicke Baumstämme haben sie samt Wurzelwerk ausgegraben. Und die für Deutschland ungewohnte Hitze ertragen alle ohne zu klagen!“, ergänzte Eda Yildirim. Seit über 60 Jahren organisiert die ijgd in Deutschland gemeinsam mit Kommunen, Umweltschutzbehörden oder Vereinen nun schon Workcamps, die jungen Menschen die Möglichkeit bieten, sich gesellschaftliche Verhältnisse bewusst zu machen. „Dazu gehört auch die Förderung des Verständnisses und der Abbau von Vorurteilen zwischen Angehörigen verschiedener Nationen, sozialer Schichten, Religionen und Weltanschauungen. Andererseits bereichert das internationale Flair der Camps die jeweiligen Gemeinden und leistet auch dort einen Beitrag zur Völkerverständigung“, so die Projektreferentin, die schon seit 15 Jahren entsprechende ijgd-Projekte betreut. Dass eine Stadt die Ideen ihres Vereins so engagiert aufgreift und das entsprechende Projekt so toll unterstützt wie die Bunte Stadt am Rhein, sei aber absolut nicht selbstverständlich, lobte Nicole Thönnes die Bemühungen von Linz.
DL
