Veilchendienstag-Umzug lockte Tausende nach Heimbach-Weis
Staunen und schwärmen in der Narrenhochburg
Neuwied. Ins Staunen und Schwärmen versetzten die Heimbach-Weiser Wagenbauer und Fußgruppen etliche Tausend Besucher beim Veilchendienstagumzug. Bei manchen Zugnummern entlud sich die Begeisterung durch spontanen Applaus. Filme, Fabeln, Märchen und Fantasy inspirierten die Fußgruppen. Die Wagenbauer nahmen zumeist Anlehnung an aktuelle politische Themen auf. Und eins zeigte sich bei allen Beteiligten: Irgendwie hat man die zuweilen sonderbaren Briten ins Herz geschlossen. Anders sind die zahlreichen Beiträge zum Brexit nicht zu deuten. Die Heimbacher Wagenbauer Hi-Li sprachen wohl allen aktiven Fastnachtern aus der Seele, als sie gegen die Winterferien wetterten. „Fassenacht im Ort, doch viele zieht es fort“. Und tatsächlich war es auch so, dass sich der ein oder andere Zuschauer noch im Urlaub befand. Auch Diesel und Feinstaub bewegt die Heimbach-Weiser. Der Weiser Z-Trupp stellte dar, dass das E-Auto gar nichts bringt, wenn der Strom dafür aus schmutziger Kohle gewonnen wird. Über Bayerns Ministerpräsident Markus Söders Raumfahrtträume „Bavaria One“ machten sich HiMiRe lustig. US-Präsident Trump als blutsaugender Zollvampir setzte der Weiser K-Trupp in Szene. „Ins Schwimmen“ ließen die Heimbacher Saupänz Premierministerin Theresa May kommen. Natürlich bekam am Veilchendienstag auch die Lokalpolitik ihr Fett weg. Die Heimbacher Knallköpp schickten Bürgermeister Michael Mang noch mal auf die Schulbank. Einen Abgesang auf das zunehmend schrumpfende Atomkraftwerk feierte der R-Trupp. Nach Ansicht der Weiser Wagenbauer hätte der Abriss aber auch billiger und schneller sein können. Zum 11-jährigen Bestehen beamte sich der X-Trupp auf eine neues Level. Super Mario auf der Achterbahn ließ grüßen. Die Dreidröht wurden von den Fastnachtsgecken links und rechts der Straße förmlich gefeiert. Die Heimbacher Wagenbauer, die immer wieder für Überraschungen gut sind, fuhren Lummerland „mit viel Tunnels und Geleisen“ durch das Dörfje. Dass auf der Insel Jim Knopf und Lukas auf der Lok ihre Runden drehten, war der Knüller. „Werner, beinhart“, ließ der G-Trupp wiederaufleben. Dieser Wagen mit Bölkstoff und Shopper war ebenso eine Augenweide wie der der Baachwätz. Die Weiser zog es zu den Flintstones in die Steinzeit. Nicht immer waren es die großen Narrenschiffe, die für Begeisterungstürme sorgten. Auch die Weiser Fassparade war ein origineller Einfall. Die Kawänzmänna huldigte ihrem Prinz Klaus II. (Kahn). Zu Ehren des als „Kutter“ im Dörfje allseits bekannten Prinzen schaukelten sich die Männer mit kleinen Kuttern durch die Straßen. Das Prinz Klaus II. und Prinzessin Susanne selbst auf einem, im wahrsten Sinne des Wortes „Narrenschiff“ thronten, versteht sich von selbst. Der Prinzenwagen war einer von fünf farbenfroh staniolten Prunkwagen. Obermöhn Johanna (Johann) feierte mit ihrem Gefolge auf dem Oktoberfest. Das Kinderprinzenpaar Luca und Hannah schmiss Kamelle, Popcorn und Chips aus einem Narrenschloss. Ein Augenschmaus waren die Wagen der beiden Komitees. Die Ruuten schmetterten ihr „Oos kann käner“ gemeinsam mit Mickey-Mouse aus. „Ömmer parat“, schallte es getreu dem diesjährigen Umzugsmotto „Su en Zirkus“ aus der Manege der KG Heimbach.
Dackelclub neu gegründet
Unter den Fußgruppen stach unter anderem der Dackelclub hervor. In grün-strenger Uniform führten die Mitglieder der AfD (Aufmerksamkeit für Dackelzüchter) ihre bissigen Dackel aus. Das hatte es bis dato auch noch nicht gegeben. Genauso wenig wie die Damen, die in ihren prall-bunt gefüllten Müslischalen durch die Straßen zogen. Richtig witzig waren die Mexikaner, die aus unzähligen Kartons Donald Trumps geliebte Mauer immer von Neuem aufbauten und abrissen. Prächtig anzuschauen auch die Hexe Malefix oder die Flamingos. Hier führten die rosa bekleideten Frauen mit aufwendigen Hutschmuck, riesige Flamingos mit sich. Die originelle Umsetzung von Mary Poppins zog ebenso faszinierte Blicke nach sich, wie die Lampenschirme als Röcke und Kleider. Französische Napoleons im klassischen Zweispitz standen als Hingucker den Engändern im Union-Jack von Kopf bis Fuß und Telefonzelle auf dem Kopf, in nichts nach.
Die beiden Karnevalsgesellschaften hatten wieder für viel Musik gesorgt, in dessen Rhythmus die Teilnehmer und Zuschauer wippten und tanzten. Witzig, welche Choreografie sich manche Musikkapelle ausgedacht hatte. Die weiteste war übrigens aus Kiel zu Gast.
Im großen Finale bildeten die Aktiven am Kercheck ein Spalier für den Prinzenwagen.
Mit ordentlich Musik und einem Feuerwerk feierten die Fastnachtsgecken Prinz Klaus II. und Prinzessin Susanne. In den Gaststätten und Festzelten ging das närrische Treiben im Anschluss bis tief in die Nacht weiter.
FF
Viel Applaus gab es für die erste Weiser Fassparade
Paradiesvögel bevölkerten die Straßen im Dörfje.
