Begeisternde Comedypremiere im ausverkauften Bürgerhaus Mayen-Hausen
Stehende Ovationen für Willibert Pauels
Mayen-Hausen. Was für ein Abend im Bürgerhaus des Mayener Stadtteils Hausen. Der bekannte Büttenredner Willibert Pauels war mit seinem Soloprogramm „Kirche-Klapse-Karneval“ im Rahmen einer Benefizveranstaltung zu Gast. Rund zwei Stunden lang nutze Pauels mit nahezu spielerischer Eleganz die gesamte Klaviatur vom erfrischenden Witz, über Kalauer bis hin zu Erfahrungsberichten zu seiner eigenen durchlebten Depression, um den Blick auf die heilende Kraft der anderen Perspektive (so der Untertitel des Programms) zu richten.
Und das Publikum klebte an seinen Lippen. Bei Pointen wurden herzhaft gelacht und zahlreiche seiner Anekdoten mit spontanem Applaus bedacht, während man in den nachdenklicheren Sequenzen hätte hören können, wenn die berühmte Stecknadel gefallen wäre. „Ein wirklich großartiges Publikum“ sparte auch Pauels nach dem gut zweistündigen Auftritt nicht mit Lob für die anwesenden Besucher im proppevollen Bürgerhaus.
Dieses Publikum hatte er gleich von der ersten Minute an in seinem Bann, als er mit ausgesprochen witzigen Beispielen die Unterschiede zwischen den Rheinländern und dem Rest der Republik skizzierte. Ganz Karnevalist besorgte er sich zunächst noch einen bühnengerechten Einmarsch. Das Einmarschlied wolle er zunächst erklären so Pauels. Dazu beschrieb er, ganz Diakon, humorig die Bedeutung des Wortes „Heiden“, um dann zu berichten, dass die Kölner, in ihrer alles umarmenden Art, irgendwann ein Lied extra für die Heiden geschrieben hätten. Und zwar für einen ganz bestimmten Heiden gewesen, für den Heiden Witzka. Und seither gebe es das Lied „Heidewitzka Herr Kapitän“ und genau das intonierte das Publikum für den Gastredner, der dazu einfach nochmal hinter der Bühnenverkleidung verschwand.
Gegen die Empörungsrhetorik
„Haben wir eigentlich noch alle Latten am Zaun?“ fragte Pauels später angesichts überbordender Empörungsrhetorik und Genderwahnsinn, ohne dabei ewig Gestrigen das Wort zu reden. „Es hilft oft, über den Dingen zu stehen und das kann man am besten mit Humor.“ so sein Credo. Pauels ging sogar noch weiter und meinte, dass man verbohrte Ideologen und Diktatoren am Humor bzw. am fehlenden Humor erkennen könne. Und natürlich untermauerte er seine Aussagen mit Beispielen, die einem zeitweise die Lachtränen aus den Augen trieben und dann wieder das Lachen im Halse gefrieren ließen, wenn er Witze erzählte, für die man während der Nazidiktatur oder in der ehemaligen DDR inhaftiert wurde.
Und dann natürlich sein verschmitzter Blick auf die Religion und seine Erfahrungsberichte als Büttenredner, dessen Reden sich aus Sicht zahlreicher Menschen nicht mit seinem Status als Diakon vereinbaren ließen.
Auch hier zeige sich, wer offen im Dialog sei, könne auch über sich selbst lachen. Bestes Beispiel sei sein ehemaliger Chef der erzkonservative Kardinal Meissner gewesen, der über Witze über seine Person selbst am meisten gelacht und Pauels auch nie wegen seiner karnevalistischen Auftritte kritisiert habe.
Nachdenklicher wurde es im zweiten Teil des Programms, als Pauels über die Zeit ab 2013 berichtete, als er mit einer schweren Depression in Behandlung war und hier setzte die heilende Kraft der anderen Perspektive ein und das kann auch der Humor sein. Er berichtete, dass er selbst im therapeutischen Erstgespräch plötzlich einen Witz zum medizinischen Thema im Kopf hatte und der erfahrende Therapeut ihn geradezu herausforderte, diesen im Arztgespräch zu erzählen. Und natürlich erzählte er diesen Witz dann auch in Hausen und sofort reagierte das gerade nachdenkliche Publikum mit befreitem Lachen.
So gesehen war der Abend mit Willibert Pauels deutlich mehr als ein Comedy- oder Kabarettabend. Es war gleichzeitig Therapiesitzung, Seelenmassage, Mutmacher, Motivation und Depressionsprophylaxe und gefühlt viel zu kurz. Kurzum ein Künstler, der während seines rund zweistündigen Bühnenprogramms nicht nur viel spricht, sondern vor allem viel zu sagen hat.
Zweifach stehende Ovationen
Kein Wunder, dass es das begeisterte Publikum am Ende nicht auf den Sitzen hielt. Stehende Ovationen sorgten dafür, dass Pauels nicht ohne Zugabe von der Bühne kam. „Jetzt muss ich aber zurück nach Wipperfürth“, sagte Pauels und spießte dann direkt eine regionaltypische Entfernungsdefinition auf. „Das is nich weit, aber es zieht sich.“ Und noch einmal erhob sich das Publikum zum lang anhaltenden Schlussapplaus.
Der ausrichtende Förderverein zum Erhalt der St.-Martin-Kapelle in Mayen-Hausen e. V. war mit der Comedypremiere in Hausen mehr als zufrieden und zahlreiche Rückmeldungen nach der Veranstaltung zeigten, dass es hierfür in Mayen ein dankbares Publikum gibt und das Bürgerhaus wie geschaffen für solche Kleinkunst scheint.
Vor ausverkauftem Haus gab Willibert Pauels (Ne Bergische Jung) sein Soloprogramm „Kirche-Klapse-Karneval“ zum Besten.
In der Pause konnten die Besucher eines der beiden Bücher von Willibert Pauls erstehen und signieren lassen.
Mit Witz und Humor über den Dingen zu stehen, hat für Willibert Pauels eine zentrale Bedeutung.
