Meckenheimer Motive auf Merler Turm
Stillgelegte Trafostation verwandelt sich in Artenschutzturm
Merl. Es ist geschafft. Als ehemals in die Jahre gekommener Sanierungsfall erstrahlt die stillgelegte Trafostation am Merler Winkel jetzt in neuem Glanz. Der Turm besticht durch seine künstlerisch gestaltete Außenfassade und dient nach Abschluss der Umbauarbeiten als Refugium für unterschiedliche Vogelarten und Fledermäuse. Eine rundum gelungene Umwandlung, wie Bürgermeister Bert Spilles findet: „Es ist einfach großartig, welche Verwandlung die Trafostation durchlaufen hat. Der Artenschutzturm wertet dass Wohngebiet auf und bietet seltenen Tieren eine neue Heimat.“
Dabei schwelgte der Stadtchef tief in seinen Erinnerungen und erzählte von seiner Schulzeit, als auf dem jetzigen Areal noch keine Bebauung war und er mit dem Fahrrad unterwegs zu Freunden war. Das Trafohaus war das Zeichen, dass der schwierigste Teil der Strecke geschafft war, ab da ging es nur noch bergab. Bert Spilles lobte ausdrücklich die gute Zusammenarbeit zwischen den Projektbeteiligten, der Verwaltung, dem städtischen Baubetriebshof und dem Naturschutzbund (NABU) und hier vor allem der Kreisgruppe Bonn. In seinen Dank schloß der Stadtchef den Fassadenkünstler Matthias Furch ein, der die Trafostation mit einem sehenswerten Anstrich versehen hat. Dabei kann man es nicht allen Recht machen, was die Wahl der Motive betrifft, betonte der Stadtchef, aber so ein Häuschen habe halt nur vier Seiten. Damit bezog er sich auf die eine oder andere im Vorfeld geäußerte Bemerkung aus Merler Kreisen, die darauf abzielte, dass man sich hier Motive aus Merl statt aus dem Stadtgebiet gewünscht hätte.
Ebenfalls eingebunden in den Dank war das Unternehmen Innogy, welches die Maßnahme in Form von Sponsoring untersützt hatte. Schon im Bebauungsplan „Merler Keil“ war der stillgelegte Turm, der 1933 in Betrieb genommen und im Jahr 2000 außer Betrieb gesetzt wurde, als Artenhilfsmaßnahme in die Gestaltung der öffentlichen Grünanlage einbezogen. Jedoch befand er sich damals in einem äußerst sanierungsbedürftigen Zustand. Große Löcher in den Wänden und breite Risse im bereits bröckelnden grauen Beton gaben kein schönes Bild ab. Gleiches galt für die Sprühereien an der Fassade. Die Eingangstür war stark durchgerostet, sodass diese sich nur noch schwierig öffnen ließ. Durch die Dachkonstruktion bahnte sich das Wasser seinen Weg, während der Beton abplatzte. Das sollte sich ändern: Nachdem im Frühjahr 2018 Statiker die Standsicherheit der Trafostation überprüft hatten, musste das Fundament freigelegt und verstärkt werden. Es folgten die Arbeiten an den Außen- und Innenwänden. Im Eingangsbereich wurde die Tür ausgetauscht. Auch führen mittlerweile Stufen ins Turminnere. Das Betondach trägt jetzt einen neuen Holzdachstuhl, das Walmdach ist mit Pfannen eingedeckt. Anfallendes Regenwasser wird über ein Fallrohr abgeleitet. Der Naturschutzbund wurde während der Arbeiten ebenfalls aktiv.
NABU-Mitarbeiter brachten unter dem Turmdach diverse Nisthilfen für Vögel und einige Fledermauskästen an, sodass Schleiereulen, Turmfalken, Mehlschwalben, Mauersegler und andere Vögel ideale Brutmöglichkeiten vorfinden. Fledermäuse können darüber hinaus durch einige Löcher in der Fassade auch ins Turminnere gelangen und in speziellen Lochziegeln sicher überwintern. „Gebäudebrüter und Fledermäuse sind dringend auf geschützte Brut- und Überwinterquartiere angewiesen, die sie heute in unseren oft perfekt isolierten und gedämmten Gebäuden immer seltener finden“, so Alexander Heyd vom NABU-Bonn.
Viel Lob gab es für Matthias Furch, der die Außenwände künstlerisch gestaltete und hier insgesamt 80 Quadratmeter Fläche mit rund 40 Dosen Farbspray in eine Meckenheimer Ansichtskarte verwandelte. „Einfach klasse“, so Bert Spilles, „der neue Artenschutzturm ist ein toller Hingucker und eine markante Landmarke am Merler Winkel. STF
