Die Corps der Großem Linzer KG bescherten ihrer ersten Prinzessin eine toller Sitzung
Strünzer Karnevalisten gestalteten ein Programm der Superlative
Linz. Picke-packe voller bunt kostümierter Jecke, darunter auch Stadtchef Hans Georg Faust, war am frühen Samstagabend der mit dicken Luftballongirlanden dekorierte Saal von Hotel Weinstock, in den die Große Linzer KG 2017 nach 15 Jahren wieder mit ihrer Prunksitzung zurückgekehrt war, hatte sich die Stadthalle für dieses närrische Highlight der Bunten Stadt am Rhein als viel zu klein erwiesen. Keinen hielt auf den Sitzen, als Vize-Präsidentin Heike Paffhausen mit den „Cremeschnittchen“ vom Elferrat um Kommandant Martin Flöck und dem Jubiläums-Funkencorps Blau-Wiess um Kommandant Markus Zimmermann zur Musik der Saalband „Rote Hosen“ auf die Bühne zog. Den krönenden Abschluss bildete natürlich Prinzessin Yvonne I.„vom Rennenberger Tal“ mit ihren Adjutanten Oliver Brockhaus und Thilo Henze, die das Bad in der närrischen Menge sichtlich genoss.„Linz, Sitzung, Prinzessin Yvonne – Alaaf!“, dröhnte der donnernde Schlachtruf der wahren Fastelovend-Jecken durch den Saal, den die Tollität mit ihrem Sessionslied: „Woho, woho, mir Strünzer jevven Jaas, woho, mir fiere Karneval!“, ohne Umschweife rockte. „Dat he is total supergenial“, schwärmte et Yvonnche, bevor die Prinzessin ihr Motto verkündigte: „Rut, blau jeel, jrön un wiess, alle Farwe sin dabei. Mir stohn zesamm, mir sin ne bunte Verein!“
Zunächst war aber nur ihr Corps, die Blau-Wiessen auf der Bühne, auf der Heike Pfaffhausen mit dem Ehrenkommandanten Wolli Klein ein Gründungsmitglied des Corps begrüßen konnte, während sie mit Robert Brüning ein weiteres in mitten der Narrenschar im Saal ausmachte. „Außerdem sorgt Gemeindereferentin Eva Dech bei ihren Möhnen-Kolleginnen für geistlichen Beistand“, freute sich die Vize Präsidentin, bevor sie Markus Zimmermann das Mikro überließ. „Toll, he sin all Linzer in einem Sack!“, schwärmte der, um dann die Tanzgruppe um Hahn im Korb Adjutantensohn Niklas Brockhaus, als „Künnije dä Naach“ ins Renne zu schicken. Zuvor hatte das 2005 von Stephan Klein und Theo Schmahl ins Leben gerufene Trommelcorps „Bla-Wie-Tro“, mit Snare Drums und Tom-Toms, Becken und großen Trommeln für Furore gesorgt, wobei der andere Adjutantensohn, Maximilian Heinze, neben Stephan Klein Schlagzeug brillierte.
Erste Prinzessin in der Geschichte
„Nix is mer so, wie et fröher einmal wor“, klagte Attila Blum-Biermann, nachdem er seine Hunnen auf die Bühne geführt hatte. Nicht nur dass seit 2014 ne Frau die Prunksitzung leite, jetzt würde sogar die erste Prinzessin in der Geschichte der Großen Linzer KG die Strünzer Jecken regieren.
„Mer losse nit vom Fastelaer“, versicherte dann das Fanfarencorps der Prinzessin, bevor sie unter anderem „Ach wär ich nur ein einzig Mal“, anstimmten. Dabei bewies et Yvonnche, dat et nit nur et Prinzessinenlied schmettern kann. Zeuge von ihrem Temperamentsausbruch wurde mit dem Comedian Thorsten Bär der einzige „gekaufte“ Vortragskünstler. Der holte dafür aber auch Inge Meysel, Udo Lindenberg, Dieter Bohlen, Rainer Calmund und Jogi Löw auf die Bühne. Anschließend berichtete der Hamburger von seinen Auftritten in „Double U-Uper-Valley“ und in „Rectal-City“, Wuppertal und Darmstadt, sowie von seiner Wodka-Diät: „Verliere zwei Tage in einer Woche.“
Nach diesem Angriff auf die Zwerchfelle und Tränendrüsen führte Kommandant Markus Paffhausen seine staatsen Kääls um „et Leckerche“ Svenja Müller und Tanzoffizier Sebastian „Mesi“ Mesenholl zusammen mit dem Musikzug unter Markus Mollberg auf die Bühne. Längst hatte die Stimmung den Siedepunkt erreicht, als das Männerballett „nicht mehr aufzuhalten“ war und die Stadtsoldaten zum Stippefötche-Danz antraten. Als der Musikzug dann aber noch neben Jan-Eric Burkard, der kurz zuvor Schwägerin Ellen Demuth in den Saal geführt hatte, auch noch Jupp Reuter als „Einpeitscher“ präsentierte, von den die Jecken zunächst „Ab in de Karibik“ geschickt wurden, gab es kein Halten mehr im Saal beim Querbeat-Hit „Wenn am Himmel de Stääne danze“, so dass schließlich einen Polonaise spontan über die Bühne tanzte und klar stellte: De Strünzer bruche keene, der ihne sät, wie mer Fastelovend fiere dät.
Das unterstrich auch das Quintett Susanne Degen, Eva Desch, Alice Klein, Obermöhn Martina Kremer und Trude Schmahl. „Wieder einmal sind wir zu haben, sind wir plötzlich ganz allein!“, schienen sie zu klagen, um dann klar zu stellen: „Doch wer unsere ollen Männer kannte, weiß, das ist kein Grund traurig zu sein“. Da ließen ihnen die Grün-Weißen gerne die Zeit, ihr „Verzällche“ noch mal vorzutragen, bevor Kommandant Nihat Kökce seine Husaren um das Tanzpaar Nadja Klein und Genadi „Günni“ Winnekes und den Musikzug um Stefan Rings mit Landsknechtstrommeln und Fanfaren auf die Bühne führte. „Dat all maache mer nur für de Applaus“, so Nihat Kökce, bevor seine Husaren nem Linzer Mädche Platz machten. Die Kommandeuse der Roten Husaren, Verena Kremer, tat es ihrer Tante, der Sopranistin Christa Steege, gleich, die ihren Bruder, Paul III., bei der Proklamation von Yvonne I. daran erinnert hatte, dass für ihn die „Time to say good bye“ gekommen sei. Dagegen riss ihre Nichte bei ihrer Solo-Premiere mit dem „Bett im Kornfeld“ nicht nur den Elferrat von seinen Hockern, sondern lockte sogar die Tollität mit roten Husarinnen zu einer Polonaise auf die Bühne.
Artilleristen entführten nach Sibieren
Hatten sich die Schweren Artilleristen um Commodore Christian Siebertz im Vorjahr noch von Zwergen huckepack auf die Bühne tragen lassen, so mussten sie dieses Jahr selbst stramm marschieren als blau-wiesse Badekappen tragende Soldaten der Herz-Dame-Armee von Georgi Rasputin, der auf einem rassigen Braunen in den Saal ritt. Nach dem dem „Alice“-Tanz der Artilleristen konnte Yvonne I. nicht nur die Darbietungen der Roten Husaren um Rittmeister Philipp Wilson mit seinem Musikzug „Blechjedöns“ genießen, sondern nach Mitternacht auch die der blau-wiessen Jubiläumstanzgruppe, die bei ihrer Hitparade 50 Jahre Schlager von Boney M. bis zu Helene Fischer Revue passieren ließ. Und dann war da ja auch noch ihr Fahrer Martin Hoppen, der wie schon bei der Proklamation ihr zu Ehren Lieder geschrieben hatte wie zur Melodie vom „Negeraufstand im Kongo“ das Stück „Wir singen alle Linz Alaaf“ und „Mer fiere Fastelovend“ zur Melodie der „Monsterparty“. Seine Frage „Wo ist dr Pitter hin?“ nach der Kokosnuss von „Die Affen rasen durch den Wald“, konnte Yvonne I. zwar nicht beantworten, dafür aber stimmte sie textsicher ein: „Klopp an de Kneipendür!“, auch wenn das lange nach Mitternacht nicht von Erfolg gekrönt gewesen wäre. DL
Hoch hinaus ging es für das Mariechen der Grün-weißen Husaren, Nadja Klein
Auch wenn ihre Blau-wiessen hinter Yvonne I. ihr auf der Bühne standen, beim Linzer Karneval sind alle Farben mit dabei
