Bezirkskönigsschießen bei der St. Sebastianus Schützengesellschaft Höhr
Tausendstel Millimeter entschieden über die Königswürde
Volker Ritschdorff aus Koblenz landete den Siegtreffer
Höhr-Grenzhausen. Genau genommen könnte man es auch als Haarspalterei bezeichnen: Wenn die Sportschützen ihre Meisterschaften austragen, wie am vergangenen Wochenende in Höhr-Grenzhausen, dann spielen tausendstel Millimeter eine Rolle. So gering sind die Abstände zwischen den Platzierungen. Auf der Anlage der St. Sebastianus Schützengesellschaft Höhr 1859 e.V. ging es um den Titel des Bezirksschützenkönigs im Bezirk Koblenz, dem die Schützenkreise Koblenz, Neuwied, Unterwesterwald, Loreley, Unterlahn und Rhein-Ahr angehören.
Großer Andrang an den Schießständen
Dementsprechend groß war der Andrang der Kandidaten auf den Schießständen und der anschließenden Siegerehrung im Vereinslokal der Höhrer Schützengesellschaft. Teilnehmen an dem Wettbewerb durften nur diejenigen Schützen, die zuvor in ihren Kreisen den Titel des Kreiskönig, der Kreiskönigin oder des Kreisjugendkönigs oder Kreisjugendkönigin errungen hatten. Aber natürlich hatte jeder Kandidat ausreichend Unterstützung aus dem heimischen Verein mitgebracht, so dass der Saal abends bei der Proklamation der neuen Majestäten proppenvoll war.
Wolfgang Hartwig ist der Vorsitzende des Schützenbezirks 11 Koblenz und gleichzeitig Vorsitzender der St. Sebastianus Schützen Höhr. In den zum Schützenbezirk 11 gehörenden sechs Schützenkreisen gibt es 90 Vereine mit zusammen 7.600 Mitgliedern. Hartwig erklärt: „Dem Rheinischen Schützenbund gehören überwiegend Sportschützen an. Viele haben noch eine traditionelle Ausrichtung dabei, mit den entsprechenden Uniformen. Das Bezirkskönigsschießen beginnt um 18 Uhr mit einer Einweisung. Um 18.30 Uhr schießen die Bezirksjugendkönige und -königinnen, anschließend die Erwachsenen. Von allen sechs Schützenkreisen nahm jeweils ein Jugendkönig teil. Das ist schon das zweite Jahr in Folge, dass jeder Kreis einen Jugendkönig stellte. Jeder Teilnehmer gibt 20 Schuss ab. Dafür haben sie 30 Minuten Zeit. Der beste Teiler entscheidet über die Platzierung. Der Teiler ist der Abstand vom Mittelpunkt der Scheibe zum Treffer der Kugel auf der Scheibe. Geschossen wird mit dem Luftggewehr auf zehn Meter Entfernung. Die Jugendlichen schießen stehend freihändig, die Erwachsenen stehend mit aufgelegtem Gewehr. Der beste der 20 abgegebenen Schüsse wird gewertet. Ein Schuss entscheidet über Sieg oder Niederlage. Gemessen wird in tausendstel Einheiten. Ein Teiler von 9,8, wie ihn heute der Sieger des Wettbewerbs erreichte, bedeutet, dass das Einschussloch 9,8 Tausendstel Millimeter von der Mitte entfernt ist.“ Um es anschaulich zu machen, nennt Wolfgang Hartwig das Beispiel von dem mehrfach in der Mitte gespaltenen Haar. Gemessen werden können diese minimalen Differenzen nur mit einer elektronischen Auswertung. Hartwig: „Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir eine elektronische Schießanlage haben.“
Beim Wettbewerb der Erwachsenen gab es eine Besonderheit: Aus den sechs Schützenkreisen nahmen acht Majestäten teil. Denn, so erklärt es Wolfgang Hartwig: „Jeder Kreis hat die Möglichkeit, einen Kreiskönig und eine Kreisdamenkönigin zu bestimmen und am Bezirkskönigsschießen teilnehmen zu lassen. Hier nehmen aber dann alle in derselben Klasse teil, also nicht mehr unterteilt nach Männern und Frauen. In diesem Jahr haben Urbar und Sayn von den Schützenkreisen Koblenz und Unterwesterwald jeweils auch eine Kreisschützenkönigin zum Bezirkskönigsschießen geschickt.“
Sensationelle Leistungen
Als fast schon sensationell bezeichnete Wolfgang Hartwig am Ende der Wettbewerbe die Dichte der Leistungen der einzelnen Schützen. Mit dem 9,8-Teiler lag Volker Ritschdorff aus Koblenz, von der St. Sebastian Schützengesellschaft Urbar, klar vorne und ist damit neuer Bezirksschützenkönig. Vor Freude machte er Luftsprünge bei der Bekanntgabe seines Ergebnisses. Er sagte: „Ich war sehr nervös. Gott sei dank habe ich es heute Abend sehr gut gemeistert und bin Bezirkskönig geworden. Das ist bisher mein größter Erfolg. Heute habe ich alles erreicht, was ich erreichen konnte. Normalerweise schieße ich nur Großkaliber. Für das Bezirkskönigsschießen habe ich intensiv mit dem Luftgewehr trainiert. Und Gott sei dank habe ich heute hier den goldenen Schuss abgeben können.“
Zweiter wurde Thomas Weise von der Schützengilde Giershofen mit einem Teiler von 14,2, vor Martina Stutzke aus Großmaischeid (Schützengesellschaft Sayn) mit einem Teiler von 15,5. Die weiteren Platzierten: 4. Claudia Metz-Schmitt (Kempenich, BSC Adenau, 17,4); 5. Jürgen Fritsch (Balduinstein, KKSV Ergeshausen, 21,6); 6. Uwe Schmidt (Hilgert, St. Seb. Schützengesellschaft Höhr, 36,4); 7. Annelies Hartwig (Hillscheid, St. Seb. Schützengesellschaft Höhr,41,3); 8. Horst Koch (Welterod, SG Strüth, 90,9).
Bei den Jugendlichen gewann Eric Mersinger aus Hochstetten-Dhaun (SG Strüth) mit dem Teiler 75,6. Er sagte nach der Siegerehrung: „Ich bin ungefähr seit einem Jahr im Schützenverein und habe dieses Jahr zum ersten Mal beim Vereinsjugendkönig mitgemacht. Es hat sehr gut geklappt, und es macht mir auch sehr viel Spaß. Heute war ich ein bisschen nervös, aber es ging. Jetzt bereite ich mich auf das Landeskönigsschießen vor.“ Zweiter bei den Jugendlichen wurde Marvin Weise, der Sohn von Thomas Weise, aus Dierdorf-Giershofen (Schützengilde Giershofen) mit 121,5. Dritter wurde Sebastian Keller aus Koblenz (SB Ehrenbreitstein) mit dem Teiler 132,3. Nachfolgend platziert: 4. Jakob Rinker (Dörnberg, 137,2), 5. Domenik Nöthen (Mayen-Hausen, SSG Mayen, 210,0), 6. Vanessa Platz (Dierdorf, SG Selters, 264,8).
Sehr freute sich Wolfgang Hartwig auch in diesem Jahr wieder über die Unterstützung des Nachbarn der Höhrer Schießsportanlage, dem Hotel Heinz: „Ich habe zwei Tage vor dem Bezirkskönigsschießen die Christina Heinz angerufen und ihr gesagt, dass wir mehr Stühle für die zu erwartende große Besucherzahl benötigen. Ihre Antwort war: Wann, wo? Und im selben Gespräch haben wir innerhalb von Sekunden das Tombola-Thema angesprochen und geklärt. Das Hotel ist uns immer eine große Hilfe bei solchen Veranstaltungen. Genauso bieten wir aber auch den Hotelgästen die Möglichkeit, Schießkurse bei uns zu besuchen. Der Peter Heinz vom Hotel ist auch Mitglied in unserem Verein.“
Im Rahmen des Bezirkskönigsschießens wurden Mitglieder von Schützenvereinen für besonderes Engagement geehrt. Das waren Hans-Peter Sievert von der SG Oberlahnstein, der sich Verdienste erworben hat durch langjährige Tätigkeit als Schiedsrichter und Aufsichtsperson bei Bezirksmeisterschaften. Und der Kreisvorsitzende vom Schützenkreis 113 Unterwesterwald, Uwe Schmidt, für langjährige Tätigkeit als Kreisvorsitzender und Unterstützung des Bezirkes in sportlichen und ehrenamtlichen Angelegenheiten. Und Hanni Klein, Geschäftsführerin vom Schützenkreis 113, die für die Schützen-Bundesligamannschaft TuS Hilgert das Organisationszentrum darstellt.
