Vom Tierschutz zum Wohlfühlort: die Esel Ratz und Rübe in Kettig
Tierliebe geht nicht durch den Magen!
Kettig. Im Frühjahr des vergangenen Jahres zogen die lang ersehnten Esel in die Tierwelt der Förder- und Wohnstätten in Kettig ein. Die Ankunft der Tiere erfreute nicht nur die Mitarbeiter und Klienten, sondern auch viele Bürger des Dorfes.
Neben den Eseln bewohnen Enten, Hühner, ein Hahn und Ziegen das Gelände.
Mit den Eseln kamen neue Aufgaben und Herausforderungen, und täglich wird mehr über ihre Haltung und ihren Umgang gelernt. Diese Tiere sind sozial und oft auch "humorvoll", weshalb sie den Kontakt zu Menschen schätzen.
Häufig unterschätzt wird jedoch, dass die Haltung von Eseln anspruchsvoller ist, als man vermuten könnte, insbesondere wenn es darum geht, sie gesund zu halten. Dies ist besonders wichtig, da die Tierarztkosten stark gestiegen sind. Ursprünglich stammen Esel von Wildeseln aus trockenen, gebirgigen Regionen, weshalb sie echte Wüstentiere sind. Ihre Ernährung sollte daher hauptsächlich aus faserreichem, energie- und eiweißarmem Heu und Stroh bestehen, um Verdauung und Stoffwechsel im Gleichgewicht zu halten. Zu viele Leckereien, saftiges Gras, Obst oder Gemüse können die Gesundheit der Esel gefährden, da sie nicht nur stark zunehmen, sondern auch ernsthafte gesundheitliche Probleme entwickeln können.
Fehler in der Fütterung, ein zu nasser Untergrund oder ungeeigneter Boden machen sich besonders an den Hufen bemerkbar, die weich und brüchig werden und zu starken Schmerzen führen können. Im schlimmsten Fall können die Tiere nicht mehr richtig stehen oder gehen. Zudem sind Esel anfällig für Koliken, die unbehandelt lebensbedrohlich sein können.
Die Esel Ratz und Rübe stammen aus dem Tierschutz und haben in ihrem früheren Leben keine optimale Haltung erfahren. Dies spiegelt sich auch in ihren Hufen wider. Dank der engen Zusammenarbeit mit dem Tierarzt, der Hufschmiedin, einer genau abgestimmten Fütterung und begrenztem Weidegang wird die Gesundheit der Esel inzwischen gut überwacht. Die Mitarbeiter und Klienten haben erkannt, dass sich Tierliebe nicht durch Futter zeigt. Streicheleinheiten, Zuwendung und freundliche Ansprache sind den Eseln mindestens genauso wichtig. Dies gilt auch für die Ziegen, die ebenfalls alles fressen würden, was ihnen angeboten wird. Die Esel sind zudem neugierig und durchsuchen oft Taschen nach interessanten Gegenständen, was jedoch problematisch werden kann.
Deshalb ist es wichtig zu betonen, dass das Füttern von Tieren, die einem nicht gehören, keine Tierliebe ist, auch wenn es gut gemeint ist. Erwachsene sollten hier Vorbilder sein, damit Kinder den richtigen Umgang mit Tieren lernen.
Für Besucher der Tierwelt der Förder- und Wohnstätten in Kettig gibt es eine ernste Bitte: Das Gelände ist frei zugänglich, und es wird kein Eintritt erhoben. Besucher sind eingeladen, die Natur und die Nähe zu den Tieren zu genießen, jedoch sollten die Tiere auf keinen Fall gefüttert werden – auch nicht mit Heu, Bio-Möhren oder anderen gut gemeinten Leckereien, da diese die Tiere krank machen können.
Die Tierwelt finanziert sich über Spenden, und Geldspenden tragen zur Sicherstellung von Futter, Einstreu, tierärztlicher Versorgung und der Arbeit der Hufschmiedin bei. Für Fragen steht Christine Vogt gerne zur Verfügung (christine.vogt@fws-kettig.de, 02637 9435-126). BA
Die richtige Ernährung: der Schlüssel zur Gesundheit der Esel.
