Allgemeine Berichte | 21.01.2026, 07:32 Uhr

Kein Lebewesen polarisiert so stark wie die Taube

Tierschutzgerechtes Stadttaubenmanagement in Andernach?

Im Rahmen des Hausabrisses wurden geschätzt 200 Stadttauben obdachlos. Foto:Stadttaubenhilfe Koblenz/Neuwied e.V.
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Andernach. In den letzten Monaten erhielt die Stadttaubenhilfe Koblenz/Neuwied e.V. einen Hinweis auf den geplanten Abriss des sogenannten „Nikoläuschen“ in Andernach, in dem nachweislich der Großteil der in Andernach-Stadt lebenden Stadttauben über die Jahre angesiedelt hatte.

Im Rahmen des Hausabrisses wurden geschätzt 200 Stadttauben obdachlos. Nicht nur das. Wenige Tage vor Silvester wurde das „Rheinschiff“ abgerissen, in dem auch viele Stadttauben Unterschlupf gefunden hatten. 200 und mehr Stadttauben hatten zu Silvester somit keine Rückzugsmöglichkeit mehr. Und das, wo den meisten Menschen klar sein dürfte, was die Silvesternach für draußen lebende Tiere bedeutet. Doch warum kommt es zu solch einem „Stadttaubenproblem“ überhaupt? Dazu ein paar Hintergrund-Informationen: Stadttauben sind keine Wildtiere, sondern verwahrloste Haustiere (ehem. Haus- und Brieftauben bzw. deren Nachkommen) – vergleichbar mit Streunerkatzen. Als Haustiere sind sie auf den Menschen angewiesen. Sie stammen ursprünglich von der Felsentaube ab, die sich der Mensch im Laufe der Zeit zunutze machte (z.B. Fleisch, Eier, etc.). Es war auch der Mensch, der ihnen das ganzjährige Brutverhalten anzüchtete. Und es ist auch der Mensch, der bis heute die Standorttreue (Bindung an ihr Zuhause) der Tiere für den Brieftaubensport nutzt. Sie sind Nischenbrüter und suchen sich „felsenartige“ Plätze zum Brüten. Als Körnerfresser ernähren sie sich nur aus der Not heraus von Pommes, Erbrochenem, etc. Ihr Kot schädigt keine Bausubstanzen, was durch ein Gutachten der TU Darmstadt nachgewiesen wurde. Stadttauben sind, wenn die Lebensbedingungen stimmen, reinliche Tiere, die nicht mehr Krankheiten übertragen als Hund, Amsel & Co. Der Verein bemüht sich um eine Lösung für die Andernacher Stadttauben, hat aber nicht die Kapazitäten und Helfer, um dort einen Taubenschlag zu betreuen. Hier sind die Anwohner gefragt.

Wer könnte sich ernsthaft vorstellen. einen Verein zu gründen bzw. die Verantwortung zu übernehmen und die Verpflichtung für einen solchen Schlag langfristig (!) einzugehen? Zur Betreuung eines Schlages bedarf es anfangs nicht vieler Helfer, aber langfristig sollten sich mindestens sieben Helfer finden, um jeden Tag der Woche abzudecken. Vorkenntnisse müssen nicht vorhanden sein. Der Verein berät, leitet an und steht auch zukünftig bei Fragen zur Seite. Damit so ein Projekt funktioniert, müssen nach Errichtung des Taubenschlages aber u.a. sogenannte wilde Brutplätze (also Brutplätze in Nischen, auf Dachböden, Balkonen, etc.) geschlossen werden oder dort zumindest im Rahmen der Möglichkeiten Eier getauscht werden.

Auch hierfür bedarf es ehrenamtlicher Hilfe. Es wäre großartig, wenn sich viele verantwortungsbewusste Andernacher zusammenfänden, um den Stadttauben in Andernach zu helfen und die Population gleichzeitig langfristig tierschutzkonform einzudämmen. Denn das hilft Mensch und Taube.

TierschutzgerechtesStadttaubenmanagement

Die Stadttaubenhilfe Koblenz/Neuwied e.V. setzt sich für betreute Schläge nach dem „Augsburger Modell“ ein. Dies ist eine tierschutzkonforme Bestandskontrolle mit dem Ziel, die Population langfristig zu verringern. In Taubenschlägen/-behausungen, die immer dort errichtet werden sollten, wo viele Tiere ansässig sind, leben die Tiere frei, erhalten Futter, Wasser und ihre Eier werden gegen Plastikeier ausgetauscht. So müssen die Tiere nicht mehr auf der Straße nach Futter suchen und Menschen sich nicht mehr belästigt fühlen. Und da sich die Tiere den größten Teil des Tages dort aufhalten, fällt somit auch der Großteil ihres Kotes dort an. Das Konzept ist also auch ein Gewinn für Menschen, die sich an Tauben stören. Die Resonanz in der Bevölkerung ist in Koblenz und Neuwied sehr groß. Der Verein betreut mittlerweile drei solcher Taubenschläge in Koblenz sowie zwei in Neuwied. Der 2015 gegründete gemeinnützige Verein kümmert sich ehrenamtlich um hilfsbedürftige Stadttauben. Die Stadt Koblenz trägt lediglich die Futterkosten für die Taubenschläge. Alle übrigen Kosten für die Pflege, Unterhaltung der Handicap-Voliere, Tierarztkosten, das Futter für die Neuwieder Schläge, usw. finanziert der Verein über Mitgliedsbeiträge und Spenden. Kontakt: www.stadttauben-koblenz-neuwied.de, info@stadttauben-koblenz-neuwied.de.

Pressemitteilung

Stadttaubenhilfe

Koblenz/Neuwied e.V.

Im Rahmen des Hausabrisses wurden geschätzt 200 Stadttauben obdachlos. Foto:Stadttaubenhilfe Koblenz/Neuwied e.V.

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