Tradition trifft Moderne: Vallendarer Schützenfest bietet buntes Programm
Vallendar. Am Wochenende feierte die Vallendarer St. Sebastianus-Schützengesellschaft ihr diesjähriges Schützenfest. Man blickt auf eine lange Tradition bis in das Jahr 1790 zurück. Gefeiert wurde auf dem schön angelegten Rathausplatz im Herzen der Stadt.
Die Gesellschaft hat, was im Rheinland absolut ungewöhnlich ist, einen eigenen Hochvogelstand, der auf dem Rathausplatz neben der Verbandsgemeindeverwaltung aufgestellt wurde. Dort wurden sämtliche Wettkämpfe für alle gut einsehbar ausgetragen. Ein buntes Rahmenprogramm bot den Besuchern schöne und abwechslungsreiche Stunden. Für die musikalische Untermalung sorgte Samstags der Musikverein Heimbach-Weis e.V. , sonntags die Freiw. Feuerwehr Spay e.V. Und für das leibliche Wohl war natürlich auch in ausreichender Weise gesorgt. Die Kleinen begeisterten sich für die Hüpfburg.
Schon am Freitag begann man ab 18 Uhr mit der Stadtmeisterschaft auf dem Schützenplatz in der Au. Am Samstag ging es um 17.30 Uhr mit einem Böllerschießen los.
Nach dem Platzkonzert des Musikvereins Heimbach-Weis e. V. begann um 18 Uhr das Bürgerkönigsschießen auf den Hochvogelstand, gefolgt von der Siegerehrung der Stadtmeisterschaft. Nach der Abholung der amtierenden Majestäten bot man zum abendlichen Abschluss auf dem festlich illunimierten Rathausplatz den Großen Zapfenstreich dar.
Am Sonntag gab es nach dem gemeinsamen Kirchgang mit den Gastvereinen einen Frühschoppen mit musikalischer Unterhaltung auf dem Rathausplatz. Danach folgte die Abholung der Majestäten mit anschließendem Festumzug durch Vallendar. Um 14 begann das Preisvogelschießen auf dem Hochvogelstand, musikalisch begleitet von dem Platzkonzert der Freiw. Feuerwehr Spay e.V. Ab 18 Uhr dann das mit Begeisterung erwartete Königsschießen und die anschließende Krönung der neuen Majestäten. Neu war, ein Schießwettbewerb für Jedermann und ein Kinderschießen mit dem Lasergewehr.
Die Ergebnisse: Bürgerkönigin: Laura Wieden und Schützenkönig: Roger Corzilius.
Ab 21.30 Uhr begann ein gemütlicher Ausklang. Auch der Wettergott hatte am gesamten Wochenende ein Einsehen. Es blieb trocken und die Temperaturen bewegten sich im angenehmen Bereich.
Blick in die Geschichte
Erste Aufzeichnungen gehen auf die Zeit der französischen Revolution zurück. Unter der Führung von Theodor D´Ester schlossen sich zum Schutze der Bürger und ihres Eigentums einige Männer zusammen und gründeten mit „Churfürstlich Trierischer Genehmigung“ am 6.Juni 1790 die heutige Schützengesellschaft. Sie wählten den heiligen Sebastian zu ihrem Schutzpatron und gaben sich strenge Statuten, in denen unter anderem zu lesen ist: „Wer von den Brüdern aber mit der Companie nicht öffentlich aufziehen sollte, ist gar und überhaupt nicht zum Schießen zugelassen. Und bei sonstigen Feierlichkeiten muss der Ausbleibende 1 Gulden in die Lade (Kasse) zahlen.“ Aus diesem Satz geht hervor, dass die Gesellschaft bereits im Gründungsjahr großen Wert darauf legte, möglichst nur aktive Mitglieder aufzunehmen. In den ersten 10 Jahren hatte die Gesellschaft bereits 133 Mitglieder.
Die strengen Statuten wurden nach 59-jähriger Gültigkeit als nicht mehr zeitgemäß angesehen und deshalb am 12. Mai 1849 einer Revision unterzogen. Trotz weiterer zahlreicher Änderungen sind die Grundregeln bis in die heutige Gegenwart erhalten geblieben. Besondere Bedeutung hat die „geistige Wehrhaftigkeit“, ein Ideal, das an die Stelle der früheren vorherrschenden Waffentüchtigkeit der Schützen getreten ist. Die anfänglich straff militärische Ausrichtung der Gesellschaft, ist ursprünglich bedingt durch die Gepflogenheiten der französischen Armee und musste verständlicherweise humanistischen Idealen weichen.
Die Schützenfeste waren schon immer die höchsten Feste des Bruderschaftslebens und wurden wie heute auch, als wahre Volksfeste gefeiert. Auch höchste Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens ließen es sich nicht nehmen daran teil zu nehmen. Die Chronik überliefert zum Beispiel, dass im Jahre 1803 Friedrich Wilhelm, Fürst von Nassau Weylburg, die Königswürde errang.
Das schwere Königssilber ein reicher Schatz traditioneller Stiftungen mit einer Vielzahl silberner Erinnerungsplaketten aller amtierenden Schützenmajestäten, ein wertvoller Silberadler, der heute die Schärpe der Gegenwartskönige ziert, und sieben Miniaturkanonen zum festlichen Böllerschießen sind im wahrsten Sinne des Wortes historische Erinnerungsstücke, auf die man stolz ist.
1795-1800 wurden die Schützenfeste von der französischen Besatzung verboten. Wirtschaftliche Nöte zwangen die Gesellschaft wertvolle Silberschilde ihrer Schützenkönige einzuschmelzen um bestehende Schulden zu decken.
Besonders nach dem Zweiten Weltkrieg ruhte das Vereinsleben jahrelang, bis 1950 die Besatzungsmächte ihre Verbote lockerten, so dass eine kleine Gruppe mit großem Idealismus, Fleiß und Ausdauer beginnen konnte, an die große Tradition ihrer Gesellschaft anzuknüpfen.
Jährlich findet am 3. Wochenende im Juli das Schützenfest der Gesellschaft auf dem Vallendarer Rathausplatz unter reger Teilnahme der Bevölkerung statt.
Der Musikverein Heimbach-Weis e.V. spielte auf.
