Allgemeine Berichte | 19.04.2016

Zweieinhalb Stunden bester Unterhaltung in der Jahnhalle

Tränen gelacht mit Konrad Beikircher

Dankeschön an Konrad Beikircher (2. v. re.): Bernd Weidenbach, Guido Ernst, Gabriele Hermann-Lersch und Waldi Fabritius. FA

Bad Breisig. Wer es noch nicht wusste, dem wurde es jetzt, spätestens beim 25. Gastspiel des „Tiroler Rheinländers“ klar: Konrad Beikircher ist ein so unterhaltsamer Erzähler, wie es keinen zweiten gibt. Wie er die Menschen in seinen Bann zieht, wie er mit der hohen Kunst der Wortakrobatik selbst Banalitäten zu viel belachten Pointen formt – das ist unerreichte Klasse! Eine leere Bühne, ein einsames Mikrofon, ein kleiner, fast schmächtiger Fabulierer, und ein Publikum, das an seinen Lippen hängt, um auf den nächsten Gag aus seinem Mund zu warten – so verläuft ein Konrad Beikircher - Abend, mehr als zweieinhalb Stunden lang. Von Beginn an weiß Konrad sein Publikum zu ködern: „Die Jahnhalle, die berühmte ‚Breisiger Philharmonie‘, ist zwar nicht der schönste Veranstaltungsort, aber er gehört zu denen, die ich am liebsten bespiele; die Halle hat Atmosphäre – da sind die Leute mit ihrem Herzen dabei – und das is net überall so!“ Wenn er sich so richtig den Leuten ‚angebiedert‘ hat, legt Konrad los. Er kramt in dem unendlichen Fundus seiner Erlebnisse, die er in den rund 50 Jahren seines Lebens im „rheinischen Universum“ gesammelt hat. Plötzlich, ohne es bewusst angesteuert zu haben, ist er bei seinen frühen Medien-Auftritten mit der imaginären „Frau Walterscheid“, und er kramt die köstlichsten Anekdoten aus dieser Zeit hervor. Lachorkane heben die Decke der Jahnhalle fast an. Erste schelmische Kontraste zwischen dem „wahren“ (linksrheinischen) Glauben und dem Protestantismus werden liebevoll thematisiert, und die „armen Falschgläubigen“ können selbst mitlachen, wenn er die scheinbaren Segnungen der katholischen Beichte ins Visier nimmt. Immer wieder nimmt er die tatsächlich existierende „Reliquien-Dichte“ des Rheinlands auf’s Korn. Das Einsammeln von Reliquien durch Karl dem Großen und dessen 84 illegale Kinder. Mit dabei der legendäre „Fingernagel der Hl. Helena“, nach neuen wissenschaftlichen Expertisen „mit em Fingerknipser erzeugt“ – eines der vielen Wunder des Mittelalters. Die feierliche Übergabe der Reliquie durch den ebenso verehrten wie „nixnutzigen“ Kardinal Frings an eine Bonner Gemeinschaft - ein Ereignis. Das veritable Bettnässer-Problem des jungen Ludwig van Beethoven wird thematisiert. Sein Defekt sollte in Würzburg behandelt werden und er wohnte dazu im „Hotel Inkontinentel“. Der ominöse „Hl. Vogt von Sinzig“ wird ebenso hinterleuchtet wie der von den Templern mitgebrachte Kreuzpartikel der Bad Breisiger Marienkirche. Dann die „Schluffen“, mit denen Jesus die Wüste durchquert haben soll. Deren Reste werden heute in Prüm angebetet. Aufforderung: „Dreh dich net üm, jeh nach Prüm!“ Oder das „Tuch von Johannes dem Täufer“ in Aachen. Und schließlich die große Story der Hl. Drei Könige (wer sind sie, wieso hat Kaiser Barbarossa sie aus Mailand entführt?) mit ihrem heutigen Wohnsitz im Kölner Dom – übrigens (damit se net eso einsam sin) mit drei der 11.000 Jungfrauen der Hl. Ursula. Bewunderung und Verneigung vor einem der größten Kunstschätze des Mittelalters: Dem Dreikünnije-Schrein im Dom. Und Beikirchers Kunst ist es, über die Dinge Späße zu machen, und trotzdem den Spagat zwischen Glaubwürdigkeit der Sache und dem Respekt vor dem Glauben der Katholiken wahren. „Reliquien sind die Stütze der katholischen Religion – man muss einfach daran glauben sonst nix!“ Er kommt „Vom Hundertsten ins Tausendste“ – immer neue „Klopse“ fallen ihm ein. Unter anderem Bewunderung für die besondere Art des rheinischen Humors. Beispiel: Welcher Volksstamm kann schon singen: „Im Winter, da schneit et, im Winter is es kalt.“ Mit der Konsequenz: „Dröm john me em Winter och janet en de Wald!“ Konrad empfindet solche rheinischen Schlussfolgerungen als ebenso spannend, wie die Entschluss der Bläckföss: „Me lossen de Dom en Kölle.“ Die Fröhlichkeit reißt mit. Die Beikircher-Fangemeinde im Saal hätte den Protagonisten am liebsten allesamt in den Arm genommen – aber das blieb nur den städtischen Honoratioren vorbehalten: dem MdL Guido Ernst, dem Verbandsbürgermeister Bernd Weidenbach und Gabriele Hermann-Lersch, der Stadtbürgermeisterin. Die sagten dem Künstler Danke für das erlebenswerte Gastspiel. Dazu Initiator Waldi Fabritius, der dem Künstler eine veritable Flasche des „Elzenberger Spätburgunders“ überreichte, ein Geschenk der Oberbreisiger „Weinbruderschaft.“ FA

Der Wortakrobat Konrad Beikircher.

Der Wortakrobat Konrad Beikircher.

Dankeschön an Konrad Beikircher (2. v. re.): Bernd Weidenbach, Guido Ernst, Gabriele Hermann-Lersch und Waldi Fabritius. Foto: FA

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Neueste Artikel-Kommentare
  • Daniela Jacobs: Auch Fußgänger ????? sollten beachtet werden!Wenn jeder nur ein bisschen, wäre vieles einfacher!
  • K. Schmidt: Die nächste Demo, gerade wenn sie sich an Familien richtet, sollte dann mal unter dem Motto stehen: "Fahrradhelme für alle!"

Kruft: Zwischen Dauerkritik und Tatendrang

  • Rolf Stern : Der Text wirkt weniger wie eine Einordnung, sondern eher wie der Versuch, berechtigte Kritik abzuwürgen. Gerade bei öffentlichen Geldern ist Nachfragen keine Dauerschleife, sondern demokratische Pflicht.
  • Andreas Lung: Liebe Frau Schumacher, Sie haben offensichtlich überhaupt nicht verstanden, worum es geht.
  • Thomas Sebastian Napp: Ich kann der Gemeinde zu dieser Aktion nur gratulieren. Vor allem den Bauhofmitarbeitern muss ich hier ein Lob aussprecheb. Gleichzeitig kann ich es nicht verstehen, dass eine große Naturfläche auf dem...
Rund ums Haus
Innovatives rund um Andernach
Titel
Rund ums Hause Mayen/Mendig
Anlagenmechaniker
Dauerauftrag 2026
Mitarbeiter IT-Administrator
Stellenanzeige Personalreferent/in
Empfohlene Artikel
Auf der Bühne herrschte bei den Spielen eine lockere Atmosphäre.  Foto:WAMFO.de
15

Nürburgring. Ally-Pally-Atmosphäre am Nürburgring: Tausende Fans der fliegenden Pfeile haben die Ringarena am vergangenen Samstag erneut in einen Darts-Tempel verwandelt. In den Trikots ihrer Lieblingsspieler oder kreativ verkleidet als Zwerg oder Zielscheibe, erlebten rund 4.000 Besucher bereits im fünften Jahr spannende Partien zwischen den bekannten Größen des (Dart)Sports. Auf der Bühne der „Darts-Arena“ lieferten sich die Darts-Stars spannende Duelle.

Weiterlesen

Die Erwachsenengruppe ist weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt.  Foto: privat
24

Remagen. Die Magic Dancers Remagen sind ein traditionsreicher Verein mit Herz, Leidenschaft und einer besonderen Geschichte. Gegründet im Jahr 1993, gingen sie ursprünglich aus einer Aerobic-Gruppe hervor. Über die Jahre entwickelten sie sich stetig weiter und sind seit 2025 als eigenständiger Verein organisiert. Heute stehen die Magic Dancers für Gemeinschaft, Kreativität und tänzerische Vielfalt – und das generationenübergreifend.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbild.
120

Aufgrund von Wartungsarbeiten muss´die Stromversorgung zeitweise eingestellt werden

Kein Strom in Sinzig-Westum und Löhndorf

Sinzig. Am Dienstag, 14. April, führt die Rhein-Ahr-AöR Arbeiten an der Wasserversorgung in Sinzig-Westum durch. Zur Sicherheit der Arbeiter muss dazu ein Mittelspannungskabel der Energienetze Mittelrhein (enm) zeitweise abgeschaltet werden.

Weiterlesen

Pfarrer Dr. Arno-Lutz Henkel.  Foto:privat
15

Allgemeine Berichte

EIN-Spruch: Fest(e) der Befreiung

Vom 01.-09. April wird die jüdische Pessach Woche begangen, die nahezu zeitgleich zusammenfällt mit der von den Christen begangene Kar- und Osterwoche. Durch Jesus bedingt hängen beide Festtraditionen, auch inhaltlich, miteinander zusammen.

Weiterlesen

Symbolbild. Foto: pixabay.com
395

Leserbrief zu „HeimatCheck: Bad Neuenahr: Zu viele unangeleinte Hunde im Stadtgebiet?“

Leserbrief: „Das ist keine Tierliebe, das ist Egoismus!“

Ich bin fast 75 Jahre alt. Seit meinem 17. Lebensjahr habe ich Hunde. Zwei dieser Hunde wurden von unangeleinten Hunden angefallen, und so schwer verletzt, dass sie nur durch hohe tierärztliche Kunst gerettet werden konnten. Beide hatten ihr Leben lang mit den Folgen zu kämpfen.

Weiterlesen

Dauerauftrag 2026
Anzeige Haushaltsauflösungen und Ankauf
Kreishandwerkerschaft
Kreishandwerkerschaft
Holz Loth-Entsorgung
Kreishandwerkerschaft
Alles rund ums Haus
Kleinanzeigen
Innovatives rund um Andernach
Innovatives rund um Andernach
Auftrag, Nr. AF2025.000354.0, April 2026
Maschinenbediener, Staplerfahrer
Ostergruß
Tag der offenen Tür
fit für`s Alter?
Container Anzeige
Innovatives rund um Andernach
Koblenz blüht // Frohe Ostern 2026
Osteraktion
Stellenanzeige Personalsachbearbeiter/in