Zweieinhalb Stunden bester Unterhaltung in der Jahnhalle
Tränen gelacht mit Konrad Beikircher
Bad Breisig. Wer es noch nicht wusste, dem wurde es jetzt, spätestens beim 25. Gastspiel des „Tiroler Rheinländers“ klar: Konrad Beikircher ist ein so unterhaltsamer Erzähler, wie es keinen zweiten gibt. Wie er die Menschen in seinen Bann zieht, wie er mit der hohen Kunst der Wortakrobatik selbst Banalitäten zu viel belachten Pointen formt – das ist unerreichte Klasse! Eine leere Bühne, ein einsames Mikrofon, ein kleiner, fast schmächtiger Fabulierer, und ein Publikum, das an seinen Lippen hängt, um auf den nächsten Gag aus seinem Mund zu warten – so verläuft ein Konrad Beikircher - Abend, mehr als zweieinhalb Stunden lang. Von Beginn an weiß Konrad sein Publikum zu ködern: „Die Jahnhalle, die berühmte ‚Breisiger Philharmonie‘, ist zwar nicht der schönste Veranstaltungsort, aber er gehört zu denen, die ich am liebsten bespiele; die Halle hat Atmosphäre – da sind die Leute mit ihrem Herzen dabei – und das is net überall so!“ Wenn er sich so richtig den Leuten ‚angebiedert‘ hat, legt Konrad los. Er kramt in dem unendlichen Fundus seiner Erlebnisse, die er in den rund 50 Jahren seines Lebens im „rheinischen Universum“ gesammelt hat. Plötzlich, ohne es bewusst angesteuert zu haben, ist er bei seinen frühen Medien-Auftritten mit der imaginären „Frau Walterscheid“, und er kramt die köstlichsten Anekdoten aus dieser Zeit hervor. Lachorkane heben die Decke der Jahnhalle fast an. Erste schelmische Kontraste zwischen dem „wahren“ (linksrheinischen) Glauben und dem Protestantismus werden liebevoll thematisiert, und die „armen Falschgläubigen“ können selbst mitlachen, wenn er die scheinbaren Segnungen der katholischen Beichte ins Visier nimmt. Immer wieder nimmt er die tatsächlich existierende „Reliquien-Dichte“ des Rheinlands auf’s Korn. Das Einsammeln von Reliquien durch Karl dem Großen und dessen 84 illegale Kinder. Mit dabei der legendäre „Fingernagel der Hl. Helena“, nach neuen wissenschaftlichen Expertisen „mit em Fingerknipser erzeugt“ – eines der vielen Wunder des Mittelalters. Die feierliche Übergabe der Reliquie durch den ebenso verehrten wie „nixnutzigen“ Kardinal Frings an eine Bonner Gemeinschaft - ein Ereignis. Das veritable Bettnässer-Problem des jungen Ludwig van Beethoven wird thematisiert. Sein Defekt sollte in Würzburg behandelt werden und er wohnte dazu im „Hotel Inkontinentel“. Der ominöse „Hl. Vogt von Sinzig“ wird ebenso hinterleuchtet wie der von den Templern mitgebrachte Kreuzpartikel der Bad Breisiger Marienkirche. Dann die „Schluffen“, mit denen Jesus die Wüste durchquert haben soll. Deren Reste werden heute in Prüm angebetet. Aufforderung: „Dreh dich net üm, jeh nach Prüm!“ Oder das „Tuch von Johannes dem Täufer“ in Aachen. Und schließlich die große Story der Hl. Drei Könige (wer sind sie, wieso hat Kaiser Barbarossa sie aus Mailand entführt?) mit ihrem heutigen Wohnsitz im Kölner Dom – übrigens (damit se net eso einsam sin) mit drei der 11.000 Jungfrauen der Hl. Ursula. Bewunderung und Verneigung vor einem der größten Kunstschätze des Mittelalters: Dem Dreikünnije-Schrein im Dom. Und Beikirchers Kunst ist es, über die Dinge Späße zu machen, und trotzdem den Spagat zwischen Glaubwürdigkeit der Sache und dem Respekt vor dem Glauben der Katholiken wahren. „Reliquien sind die Stütze der katholischen Religion – man muss einfach daran glauben sonst nix!“ Er kommt „Vom Hundertsten ins Tausendste“ – immer neue „Klopse“ fallen ihm ein. Unter anderem Bewunderung für die besondere Art des rheinischen Humors. Beispiel: Welcher Volksstamm kann schon singen: „Im Winter, da schneit et, im Winter is es kalt.“ Mit der Konsequenz: „Dröm john me em Winter och janet en de Wald!“ Konrad empfindet solche rheinischen Schlussfolgerungen als ebenso spannend, wie die Entschluss der Bläckföss: „Me lossen de Dom en Kölle.“ Die Fröhlichkeit reißt mit. Die Beikircher-Fangemeinde im Saal hätte den Protagonisten am liebsten allesamt in den Arm genommen – aber das blieb nur den städtischen Honoratioren vorbehalten: dem MdL Guido Ernst, dem Verbandsbürgermeister Bernd Weidenbach und Gabriele Hermann-Lersch, der Stadtbürgermeisterin. Die sagten dem Künstler Danke für das erlebenswerte Gastspiel. Dazu Initiator Waldi Fabritius, der dem Künstler eine veritable Flasche des „Elzenberger Spätburgunders“ überreichte, ein Geschenk der Oberbreisiger „Weinbruderschaft.“ FA
Der Wortakrobat Konrad Beikircher.
