Allgemeine Berichte | 10.05.2022

Koordinationsstelle für Trauer- und Traumabegleitung

Trauer und Trauma gehören zum Leben und können verarbeitet werden

Kreis Ahrweiler. Wer traumatische Reaktionen nach einem hochbelastenden Ereignis erlebt hat oder tiefe Trauer nach schlimmem Verlust (oder beides) – wie viele Menschen nach der Flutkatastrophe im Ahrtal – kann lange belastet sein. Das Gute ist, Menschen sind in der Lage solche Ereignisse zu verarbeiten – wobei Leid und Schmerz dazu gehören. Lässt man den Schmerz zu und trauert ausreichend (oder bearbeitet das Trauma mit professioneller Hilfe), passiert ein Genesungsprozess und der Leidensdruck nimmt ab. Verdrängt man oder ignoriert man das Erlebte und verarbeitet es nicht, hört das Leid nicht auf und der Mensch wird krank.

Die Flutkatastrophe jährt sich im Juli. Wer so viele Monate nach der Flut noch traumatypische Symptome hat, bewegt sich im Bereich der postraumatischen Belastungsstörung und gilt damit (ICD 10/11) als erkrankt. Sieben Prozent der Menschen entwickeln einmal im Leben eine Postraumtische Belastungsstörung (PTBS). Fakt ist, durch ein (schweres) Trauma finden Veränderungen im Gehirn statt (Abspaltungen, Fragmentierungen von Erinnerung in unzusammenhängende Teile, Bilder). Das sind normale Schutzreaktion des Körpers auf ein extrem unnormales, existentiell bedrohliches Ereignis, bei dem völlige Ohnmacht und Hilflosigkeit vorherrschen und die Erlebnisse fragmentiert (zerstückelt) werden müssen, damit der Mensch sie überlebt. Das Ereignis ist damit nicht verarbeitet, sondern brodelt vor sich hin – mit belastenden Symptomen.

Bei der Trauer dagegen sieht das anders aus. Sie ist ein „normales“ Geschehen in jedem Leben. Es gibt bei Trauer eine zusammenhängende Verlustgeschichte, die erzählt werden kann, also im Bewusstsein ist. Ein Mensch kann (auch schwere) Trauer bewältigen – ob in Tagen, Wochen, Monaten oder Jahren (was nicht unnormal ist!). Trauer bewirkt auch keine akuten Veränderungen im Gehirn, wie ein Trauma. Jedoch sind Trauernde oft allein mit ihrer Trauer, wo Trauer und Tod ein Tabu sind, wo familiäre (oder früher auch dörfliche) Trauergemeinschaften fehlen. Dabei wissen die meisten Menschen längst, dass gerade Gefühle der Trauer Platz brauchen, damit sie weniger werden. Werden sie unterdrückt, verdrängt oder weggearbeitet, verschwinden sie auch nicht, kommen immer wieder. Dabei hilft das Sprechen über die eigene Trauer ebenso, wie das Ansprechen von Trauer bei anderen.

Wie sieht es nun mit den Symptomen von Trauer und Trauma aus? Auch wenn die Symptome von Trauer und Trauma in der akuten Belastungssituation (die ersten drei bis zehn Tage) oft ähnlich sein können (Schock, Erstarrung, Verwirrtheit, Herzklopfen, Schweißausbrüche, Zittern, Desorientiertheit etc.), verändern sie sich jeweils. Beim Trauma werden im akuten Geschehen Gefühle abgespalten, das Erleben zerstückelt. Daraus folgt, die Bilder und Gefühle tauchen unkontrollierbar wieder auf als Albträume, Flashbacks, Gefühlsüberflutungen, Angst- und Panikanfälle. Auch ist ein Zustand ständiger Wachsamkeit, Übererregtheit, Anspannung spürbar.

Bei der Trauer sind Gefühle wie tiefer Schmerz zuzuordnen. Obwohl der Schmerz vielleicht unerträglich zu sein scheint, liegt ein klares Erlebnis zugrunde, dass erzählt werden kann. Die Trauergefühle kommen in Wellen oder Phasen als Verzweiflung, Traurigkeit, Liebe, Wut, Hass oder Erleichterung. Trauer kann sich als Schlafstörung, Konzentrationsstörungen, Deprimiertheit, Antriebslosigkeit, Stumpfheit oder in Körperschmerzen auswirken. Doch nach einer Zeit, auch wenn es eine lange (sehr individuelle) Zeit ist, lassen die Dinge nach, gute Gefühle nehmen wieder zu und die Lust auf Aktivitäten und Neubeginn kommt hinzu. Wichtig ist, darüber zu sprechen.

Wer mehr zum Thema erfahren will – und zu den Angeboten des Hospiz-Verein Rhein-Ahr , ist herzlich eingeladen zum gleichnamigen Vortrag „Trauer und Trauma …“ im Bethel-Hotel am 8. Juni um 19 Uhr. Christa Kosmala

Koordinationsstelle für

Trauer- und Traumabegleitung

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