Interview mit Jürgen Knieps, Hauptmann der Sankt Sebastianus Bürgerschützen-Gesellschaft Ahrweiler
Trinkzug könnte auf 2022 verlegt werden
Ahrweiler. In der Phase des Shutdowns durch die Corona-Pandemie sind vielen Vereinen große Teile ihrer Einnahmen weggebrochen. Veranstaltungen mussten abgesagt werden, Dorf- oder Stadtfeste fielen aus und der Sportbetrieb kam komplett zum erliegen. BLICK aktuell unterhielt sich mit Jürgen Knieps, Hauptmann der Sankt Sebastianus Bürgerschützen-Gesellschaft Ahrweiler über die derzeitige Lage.
BLICK aktuell: Wie hat sich der Lockdown und die Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie konkret auf die Finanzen der Gesellschaft ausgewirkt?
Jürgen Knieps: Wir sind eine Schützengesellschaft, die ja keinen sportlichen Regelbetrieb hat. Die Gesellschaft finanziert sich zum großen Teil über die Mitgliedsbeiträge und in einem geringen Teil durch Verkauf der eigenen Schützenweine an die Mitglieder.
Aus der Ausgabenseite sind es in der Regel die großen Festtage, Patronatsfest im Januar und die Schützenfesttage um Fronleichnam. Die letztgenannte Ausgabenseite ist durch den kompletten Ausfall des Festes natürlich auch vollkommen ausgefallen.
Um dies natürlich auch an unsere Mitglieder weiterzugeben, haben wir den Mitgliedsbeitrag 2020 um 30 Prozent gesenkt. Ferner haben wir auch den Einzug des Mitgliedsbeitrags von 2. Mai (also in der sehr unsicheren Phase der Corona-Pandemie, wo viele auch nicht wussten wie es finanziell weitergeht) auf Anfang August verschoben. Die Rücklagen der Gesellschaft lassen dies zu.
BLICK aktuell: Das Land hat den Vereinen in Not finanzielle Hilfe angeboten. Können und wollen Sie auch von dieser Hilfe Gebrauch machen? Ist dieses Hilfsangebot ausreichend und gibt es Hürden oder Probleme bei der Antragsstellung?
Knieps: Dies sind natürlich auch die Gründe, dass wir nicht auf irgendeine Hilfe von außen angewiesen sind. Da gibt es sicherlich Vereine, mit hohen Ausgabenbelastungen (Mieten, Trainergehälter u.a.), die diese sehr an den Rand der Existenz bringen und daher diese Hilfe brauchen. Wir sind natürlich glücklich, dass wir so aufgestellt sind.
BLICK aktuell: Welche Maßnahmen haben Sie getroffen, um den Fortbestand der Gesellschaft zu sichern? Gibt es als Reaktion auf die Corona-Krise besondere Ideen und Pläne, auf die man sich freuen kann?
Knieps: Der Fortbestand unserer Gesellschaft war – auch unter den geschilderten Voraussetzungen – nie in Frage gestellt. Bei einer Gesellschaft, die nun schon auf ihr 625-jähriges Bestehen zugesteht, war dies für viele Generationen vor uns ganz anders. Hier denke ich besonders an das Aussetzen zum Beginn des 2. Weltkrieges und dem Neustart vor genau 70 Jahren. (Dies hätten wir gerne in kleiner Erinnerungsform gefeiert).
Herausfordernd ist für uns, ob es unter den aktuellen Voraussetzungen im kommenden Jahr den historischen Trinkzug geben kann, der sicherlich einmalig in seinem Ursprung aber auch seinem Ablauf ist. Aktuell beraten wir darüber, ob wir das große Schützenfest mit Trinkzug auf das Jahr 2022 verschieben, in der Hoffnung, dass dann die Ansteckungsgefahr durch entsprechenden medizinischen Schutz gebannt ist. Der Verwaltungsrat unserer Gesellschaft wird Ende Juli 2020 darüber entscheiden.
-DS-
