Allgemeine Berichte | 26.03.2019

Forstministerin Ulrike Höfken besucht Giroder Pflanzaktion zum „Tag des Waldes“

Trockenheit und Käfer haben dem Wald massiv zugesetzt

Große Betroffenheit der Forstleute anlässlich der Schäden durch Sturm, Trockenheit und Borkenkäferbefall

Die rheinland-pfälzische Forstministerin Ulrike Höfken sprach mit Grundschülern über den Schutz des Waldes. Fotos: GBA

Girod. „Uns hat eine Katastrophe heimgesucht, die ich bisher in meinem Berufsleben so nicht kannte“, begrüßte Roland Kreutz, der scheidende Leiter des Forstamts Neuhäusel, die rheinland-pfälzische Forstministerin Ulrike Höfken anlässlich des Tags des Waldes. „Wir hatten viele Schadensereignisse gehabt, vor allem Sturmwürfe. Die Sturmwürfe sind mehr oder weniger überschaubar. Man hat eine Menge. Die ist unangenehm. Aber man kann versuchen, damit vernünftig und geplant umzugehen.“ Aber die Käfersituation, das Trockenjahr des letzten Jahres, sei ihm so noch nicht untergekommen, zeigte sich der langjährige Forstdirektor sichtlich betroffen. Die Windwürfe hätten die Situation noch einmal verschärft. „Das ist keine angenehme Situation. Aber wir werden unser Bestes tun, um hier aus der Situation wieder einen vernünftigen Wald zu gestalten“, zeigte sich Kreutz gegenüber der Ministerin trotz der dramatischen Schäden zuversichtlich.

Ritter wird Leiterdes Forstamts Neuhäusel

Höfken war auch gekommen, um Kreutzs Nachfolger im Amt, den bisherigen stellvertetenden Leiter Friedbert Ritter, zu begrüßen. Dieser erläuterte die Krise folgendermaßen. „Wir haben so etwa im Bereich der Monate August/September eine Entwicklung gehabt, die konnte man sich nicht vorstellen in dieser Aggressivität. Ausgelöst durch kausale Zusammenhänge: Dort, wo das Wasser fehlt, ist die Krone oben trocken.“ Der Kupferstecher, einer der kleinsten Borkenkäfer, sei quasi als Wegbereiter für den Buchdrucker gekommen und habe eine Entwicklung angestoßen hat, die kaum noch zu bewältigen gewesen sei. „Wir konnten relativ schnell reagieren. Das vordergründige Ziel war gewesen, Waldschutz zu betreiben, die Wälder im Grunde genommen von den Käfern zu befreien. Durch Exporte des Holzes nach Übersee sei man aber in der Lage gewesen, sowohl das Holz als auch den Käfer aus dem Wald zu bekommen.

Aktiv gegen das Waldsterben

Forstministerin Ulrike Höfken erinnerte sich in ihrer Ansprache daran, dass sie sich bereits seit ihrer frühen Jugend, wissenschaftlich dann während ihres Studiums mit dem Thema Wald beschäftigt habe. So habe sie zum Beispiel ihre Diplomarbeit über die bodenökologischen Auswirkungen, den Raubbau am Wald, geschrieben. „Ich habe natürlich auch gegen das Waldsterben gekämpft, als es um den Schwefel und die negativen Folgen der Verbrennung im Schwefelbereich ging.“ Damals habe man geschafft durch gemeinsame Anstrengungen, diese Schadstoffe aus der Luft herauszukriegen. „Der Wald konnte sich wieder entwickeln und erholen. Und ich habe eigentlich auch gedacht, wir wären im wahrsten Sinne auf dem aufsteigenden Ast und müssten jetzt nicht solche Bilder sehen, wie diese hier“, zeigte sich Höfken sichtlich deprimiert. „Auch bei uns – ich wohne in der Eifel – sieht das so aus, und wir müssen uns wirklich große Sorgen machen. Und ich glaube: Dieser Begriff Waldsterben, der erfährt leider Gottes eine traurige Renaissance – etwas, was wir uns wirklich nie gewünscht haben.“

Grundschüler pflanzen Eichen für den Klimawald der Zukunft

Doch ihr Besuch habe auch einen schöner Anlass, nämlich die landesweite Aktion „Rheinland-Pfalz pflanzt – für unseren Klimawald der Zukunft“. „Und das ist ja etwas, was wieder nach vorne zeigt. Ich hoffe, dass die Anstrengungen, die die Förster hier erbracht haben weiter Früchte tragen und tatsächlich Klimastabilität hervorrufen.“ Der Klimawandel stellt für Höfken eine sichtbare Tatsache da. „Wir sehen es am Wald natürlich besser als in anderen Bereichen. Und hier müssen wir ja wirklich sagen: Wir sehen jetzt heute die Ergebnisse der Klimaveränderung.“ So sei die Jahresmitteltemperatur in Rheinland-Pfalz bereits um 1,6 Grad auf 9,6 Grad gestiegen. „Das ist eine Steigerung um rund 20 Prozent gegenüber dem Jahr 1881. In dem Jahr hatte man angefangen, solche Aufzeichnungen zu machen. Und wir sehen eben eine Niederschlagsmenge, die sich verringert hat um 40 Prozent. 40 Prozent – das ist wahnsinnig viel!“ Der Temperaturanstieg im Jahr von Jahr plus drei Grad führe unweigerlich zu einer solchen Situation der Bäume. „Auch hier im Westerwald dominieren die abgestorbenen Fichten viele Waldbilder. Und wir können leider nicht sagen: die Prognosen für die Zukunft sind so richtig gut. Zumindest kurzfristig können wir das leider nicht erwarten.“ Wenn nichts dagegen getan werde, dass die Durchschnittstemperatur in Rheinland-Pfalz langfristig um weitere 4,4 Grad Celsius ansteige, dann befände man sich bald in Klimabereichen wie in Madrid, warnte Höfken. „Da gibt es diese Wälder nicht. Und insofern müssen wir alles tun, um dem Klimawandel – das hört sich ja so harmlos an –, um dieser Veränderung zu begegnen.“

84 Prozent geschädigt

Nach der Waldzustandserhebung seien 84 Prozent der Bäume geschädigt. „Auch das eine erhebliche Zunahme gegenüber dem Jahr 2017, um elf Prozent. In so kurzer Zeit! Da sehen wir einfach, dass eben hier in dieser Gemeinde Girod die Auswirkungen sehr deutlich sind.“

Höfken unterstütze den vorher erläuterten fachlichen Ansatz, auf die Vielfalt zu setzen, um größtmögliche Stabilität zu erreichen. „Wir wissen alle nicht, was in hundert Jahren ist. Aber es ist natürlich immer gut, das Risiko so gut wie möglich abzusenken.“ Höfken verwies auch auf die finanzielle Dimension der Katastrophe. „Wir haben einen Wertverlust von etwa 45 Euro pro Festmeter. Das sind etwa minus 50 Prozent. Da kann man sich vorstellen, was das an Verlusten macht. Man schätzt in Deutschland insgesamt 2 Milliarden Euro.“ Deshalb setze sich die Landesregierung im Bundesrat für eine Unterstützung des Bundes ein. „Denn Klimaveränderungsfolgen können ja nicht von der Gemeinde getragen werden, vom Privatwald oder einem Land, sondern das müssen alle tragen. Das ist eine nationale Aufgabe.“

Nicht nur die Insekten sterben

Ferner wies sie auf die Schäden an der Biodiversität hin. „Überall versuchen wir, Strategien gegen das Insektensterben und die aussterbenden Tier- und Pflanzenarten zu entwickeln. Aber was wir hier sehen, ist natürlich ein enormer Verlust an Lebensgrundlage für alle Tiere, auch Pflanzen, Pilze und Flechten, die an den Wald gebunden sind. Das heißt das, was sozusagen unser Schatz der Natur ist in vielen Landschaftsbildern, das ist hier ernsthaft in Bedrohung, auch die touristische Nutzung.“ Wanderer und Touristen verstünden nicht immer, warum die Schäden und freien Flächen entstanden seien. Die Situation bringe viele Opfer mit sich, die man im ersten Moment gar nicht sehe. „Die Vögel, die Fledermäuse, die Käfer und die Wildtiere werden entsprechend leiden unter einem solchen Verlust ihres Lebensraums Wald.“

Der natürlicheKlimaschützer Wald

Der Wald trage auch wesentlich zum Klimaschutz bei, erläuterte Höfken. So nehme der Wald in Rheinland-Pfalz jährlich 9,8 Millionen Tonnen CO2 durch Photosythese auf. „Das ist unheimlich viel. Das ist nämlich etwa ein Viertel dessen, was an Emissionen in Rheinland-Pfalz ausgestoßen wird. Wäre der Wald nicht da, würde das den Klimawandel noch massiv vorantreiben.“

Höfken äußerte sich gegenüber der Forderung nach Einsatz von Pestiziden sehr zurückhaltend. „Da muss man sehr, sehr vorsichtig sein. Ich denke, das praktizieren wir ja auch hier in Rheinland-Pfalz. Wir haben hier die FSC-Zertifizierung. Die ist da sehr restriktiv, was den Umgang mit entsprechenden Pestiziden angeht. Auch völlig zurecht, weil es sich um komplexe Ökosysteme handelt. Und die hat man schnell zerstört, aber sehr schwer wieder aufgebaut. Und insofern müssen wir einfach darauf zählen, dass das Netz der Natur hier die Wirkung entfaltet und tatsächlich die Schutzfunktionen auch wahrnimmt. Wir wissen nämlich, dass Waldökosysteme zur Selbstregulierung fähig sind.“ Aber Rahmenbedingungen müssten gegeben werden. „Darum sind die Pflanzenschutzmaßnahmen, die Sie ja betreiben mit dem Käferholzentfernen, absolut notwendig“, lobte die Ministerin den Einsatz der Forstleute.

Finanzielle Hilfe wird gefordert

Höfken kritisierte die bisher aus ihrer Sicht sehr geringen Hilfen durch Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner. „Die bisherigen Zuwendungen des Bundes sind so gering, dass nicht ein einziges Pflänzchen gepflanzt werden konnte. Das sind nur 72 Cent pro Hektar. Das reicht definitiv nicht...“ Auch bei einem Solidaritätsfond der EU wolle man möglicherweise einen Antrag stellen.

Pro Windkraft

Abschließend forderte Höfken schnelle Maßnahmen. „Wir haben keine Zeit mehr, groß zu warten. Wir müssen unbedingt das Abkommen von Paris erfüllen, und das möglichst rasch.“ Die Energiewende sei absolut notwendig. „Die Kohle, das Erdöl, auch verringert das Erdgas, sind nun einmal Emittenten von solchen Treibhausgasen.“ In Bezug auf engagierte Diskussionen im Westerwald um die Notwendigkeit der Windkraft sagte die Ministerin: „jede Windkraftanlage im Wald schützt den Wald. Da muss man wirklich Abwägung betreiben. Wer sich einer Abkehr von fossilen Energien verweigert, der schützt auch den Wald nicht. Und das muss man sich einfach noch einmal deutlich machen, muss es vielleicht vor Ort noch einmal neu diskutieren.“

Lokale Schadenserhebung

Revierförster Bernhard Kloft hätte nach rund 20 Jahren unter anderem in Girod „gerne vorratsreiche Wälder mit Naturverjüngung aus Baumsamen, mit gepflanztem Buchenvoranbau, unter Fichte, mit Ergänzungspflanzungen in Form von Douglasien und vieles mehr“ präsentiert. „Leider hat es beginnend mit dem trockenen Frühjahr 2017, aber insbesondere durch die lang anhaltende Trockenheit und Hitze des vergangenen Jahres, Borkenkäferschäden gegeben, die man nie für möglich gehalten hätte.“ Besonders hier in dem 140 Hektar umfassenden Nadelwaldkomplex der Ortsgemeinden Girod und Großholbach mit überwiegend älteren, im Mittel etwa hundertjährigen Fichten, hätten die Käfer leichtes Spiel gehabt, so Kloft. „Im Ergebnis sind nur in diesem Waldareal bis heute rund 7.000 Kubikmeter Käferholz angefallen, im ganzen Revier 13.000 plus denen, die noch stehen. Das entspricht bei einem geschätzten vorherigen Vorrat von etwa 500 bis 600 Festmeter pro Hektar einer Abholzung von etwa 14 Hektar beziehungsweise 20 Fußballfeldern.“ Dass am Tag des Waldes über 30 Schülerinnen und Schüler der Eisenbach-Grundschule Girod an einer Pflanz-Aktion teilnehmen, sei ein Hoffnungszeichen. „Dafür von uns an dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön!“

Für die Wiederanpflanzung habe man die heimische Traubeneiche gewählt. „Zum einen kommt sie mit weniger Sommerniederschlag klar, und hat mit ihrer Pfahlwurzel auch die Möglichkeit, in diesem Tonschieferverwitterungsboden tiefere Schichten zu erreichen. Darüber hinaus verbessert sie mit ihrer Laubstreu den Boden und bietet später als alter Laubbaum nicht nur hervorragendes Holz, sondern auch vielen Tieren Nahrung und Unterschlupf. Alte Aufzeichnungen belegen, dass vor diesen Fichtenwäldern hier auch schon eichengeprägte Laubwälder gestanden haben sollen. Man könnte also sagen: Back to the roots.“

Naturschule Eisenbachtal

Schulleiterin Kerstin Eichmann betonte im Gespräch mit BLICK aktuell den alltäglichen pädagogischen Einsatz für die Natur. „Wir sind ja Naturschule, haben eigentlich immer naturnahe Themen, die aktuell sind. Wir haben eine Natur-AG, sprechen viel über Natur, haben einen Schulgarten, machen Aktionen rund um die Schule – also die Kinder sind da schon sehr gebrieft.“ Aber in den nachfolgenden Schulstunden werde auf jeden Fall nach dem praktischen Pflanzeinsatz darüber gesprochen: Was ist euch aufgefallen? Was tragen wir dazu bei, wenn wir Bäume pflanzen, wenn wir dabei helfen? „Das Praktische ist nachhaltig, und die Kinder werden sich viel an den Tag erinnern können, werden vielleicht auch häufig darüber sprechen.“

Ministerin Höfken mit Förster Bernhard Kloft

Ministerin Höfken mit Förster Bernhard Kloft

Die Grundschüler pflanzten Traubeneichen.

Die Grundschüler pflanzten Traubeneichen.

Grundschulleiterin Eichmann setzt sich dafür ein, dass die Kinder sich mit den wichtigen Themen der Natur und des Naturschutzes beschäftigen.

Grundschulleiterin Eichmann setzt sich dafür ein, dass die Kinder sich mit den wichtigen Themen der Natur und des Naturschutzes beschäftigen.

Die rheinland-pfälzische Forstministerin Ulrike Höfken sprach mit Grundschülern über den Schutz des Waldes. Fotos: GBA

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  • Rita Butz: Sehr schön verfasster Bericht , sehr zutreffend und diese beiden " Helden " üben eine Vorbildfunktion für unsere Gemeinde aus !! L. G. verbunden mit meiner höchsten Wertschätzung!!

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