Ein neues Gesicht für das evangelische Gemeindezentrum in Dierdorf
Über 100 Jahre altes Gebäude musste nach einem Wasserschaden abgerissen werden
Dierdorf. Grundlegendes hat sich verändert in diesem Jahr in der evangelischen Kirchengemeinde Dierdorf.
Nicht nur, dass die bisherige Pfarrerin Birgit Otto Dierdorf verließ und ein neues Pfarramt in Düsseldorf antrat. Ein neuer Pfarrer, Patrique Friesenkothen, wurde mit großen Erwartungen in der Stadt am Holzbach aufgenommen. Und außerdem hat das Gemeindezentrum sein Gesicht auffallend verändert: Der vor 114 Jahren am „Dämmchen“ errichtete Altbau wurde abgerissen und durch einen kleineren Anbau an das seit 1988 existierende neue Gemeindehaus ersetzt.
Marita Klose ist die Finanzkirchmeisterin der evangelischen Kirchengemeinde Dierdorf. Sie weiß noch den Grund für den Bau des alten Gemeindehauses, Bauzeit 1902 bis 1904: „Dieses Haus wurde gebaut, als die alte Kirche abgerissen wurde, damit man in dem Gemeindehaus die Gottesdienste abhalten konnte. Die neue Kirche wurde anschließend mit den Steinen des zerstörten Dierdorfer Schlosses, das auf der heutigen Schlossparkinsel stand, gebaut.
Erwin Kuhn ist der Baukirchmeister der evangelischen Kirche in Dierdorf. Er erklärt, warum sich die Gemeinde von dem historischen Gebäude verabschieden musste: „2013 existierte noch das große Gemeindehaus, in dem sich im Erdgeschoss die Jugendräume und die Bücherei befanden und im Obergeschoss eine Kleiderkammer und zwei Mietwohnungen.
In einer dieser Wohnungen hat 2014 ein massiver Wasserschaden dazu geführt, dass die abgehängten Decken durchweichten. Nur die Sanierung dieses Wasserschadens hätte 80.000 Euro gekostet.
In dem Zusammenhang hatten wir aber auch festgestellt, dass sämtliche eisernen Tragschienen im Kellergewölbe marode wie Blätterteig waren.
Deshalb hat die Bauleitung unserer Kirche in Düsseldorf gesagt, das hat keinen Zweck mehr, dieses Haus zu sanieren, es muss abgerissen werden und dann muss etwas Neues hin. „ Auch sonst war das über 100 Jahre alte Kirchenhaus stark sanierungsbedürftig. Das Treppenhaus war nicht mehr sicher, die Stromleitungen hätten erneuert werden müssen, das gesamte Gebäude war nicht mehr nach neuesten Standards wärmegedämmt, das Dach war auch nicht mehr in Ordnung. Marita Klose: „Das wäre eine Baustelle ohne Ende geworden. Da mussten wir uns wirklich fragen, ist das unsere Aufgabe als Kirchengemeinde, so eine Sanierung vorzunehmen, um dann zwei Wohnungen vorzuhalten. Das steht ja in keinem Verhältnis.“
Neubau musste noch mal überarbeitet werden
So weit, so gut. Der Plan war zunächst, das Gebäude in derselben Größenordnung neu zu errichten, um darin zum Beispiel wieder Jugendräume zu schaffen. Bloß eingeschossig sollte der Neubau sein und ohne Mietwohnungen. Erwin Kuhn: „Von dieser Idee mussten wir aber wieder abrücken, weil wir uns das gar nicht hätten leisten können. 750.000 Euro hätte das gekostet. Das war für uns vom Presbyterium eine Summe, die wir gar nicht stemmen konnten.
Da haben wir überlegt, wie wir das Ganze abspecken könnten. Die Bücherei war zu dem Zeitpunkt schon ausgelagert, weil wir niemanden mehr gefunden haben, der die Bibliothek betreuen wollte.
Und weil die Jugendarbeit in Kooperation mit der Kirchengemeinde Raubach gemeinsam angeboten wird, die auch Räume dafür zur Verfügung stellt, konnten wir auf einen Neubau mit Jugendräumen verzichten.“ Der somit abgespeckte Anbau fügt sich architektonisch gut an das bestehende Gebäude an, und bietet der evangelischen Kirchengemeinde jetzt einen zusätzlichen Raum. Die Baukosten reduzierten sich damit auf 250.000 Euro. Finanziert wurde das aus der Zahlung der Versicherung für den Wasserschaden und Rücklagen der Kirchengemeinde. Der neue Raum wird als Treffpunkt, Gruppen- oder Besprechungsraum genutzt. Der Lesekreis trifft sich dort. Die Bücher, die jetzt nicht mehr verliehen werden, sollen nach und nach an Interessierte verteilt werden. Insgesamt handelt es sich um Bücher in zwölf Umzugskartons.
Das Bauprojekt verlief zügig
2015 im August wurde das alte Haus abgerissen, in diesem Jahr der Neubau bezogen. Die beiden Familien, die in dem Altbau wohnten, haben sich anders orientiert. Eine Familie wollte sowieso nach Montabaur umziehen, weil der Mann dort arbeitet. Die andere Familie hat eine Wohnung in direkter Nachbarschaft gefunden. Die Räumlichkeiten im evangelischen Gemeindezentrum werden intensiv genutzt: Mal trifft sich die Demenzgruppe hier, regelmäßig kommt der Männertreff, der Posaunenchor und der Chor Con Alegria proben dort, der Konfirmanden- und Katechumenenunterricht findet hier statt, die Krabbelgruppen kommen und viele Feiern der Gemeinde gibt es hier. „Das ganze Gemeindeleben spielt sich hier ab“, sagt Erwin Kuhn. Auch für private Veranstaltungen kann man Räumlichkeiten im evangelischen Gemeindezentrum mieten. Und seit Neuestem hält das Deutsche Rote Kreuz hier auch seine Blutspenden-Termine ab, zum ersten Mal am 3. November.
