Ausgelassen-weinselige Stimmung in Erpel
Über Erpel regiert keiner wie der Bacchus
Einheimische und Gäste genossen das Weinfest um Weinkönigin Nina I. in vollen Zügen
Erpel. Beste Stimmung herrschte im idyllischen Weindorf der Alten und Freien Herrlichkeit Erpel, als Weinkönigin Nina I. (Bornheim) mit ihren Weinprinzessinnen, Jana (Frickel) und Madeleine (Keßler), zusammen mit dem mächtigen Bacchus, Andreas Schwager, und seinen Bacchantinnen, Tochter Daniela und Laurie Stirnberg, am Freitagabend zur Eröffnung des traditionellen Festes am Rathaus im Fackelzug Einzug hielten.
„Als 1815 der Preuße uns die Strünzer brachte und kurz darauf Neuwied über uns wachte, war uns Erpelern schon immer klar, dass nur Bacchus der Regierende war“, ging die junge Weinmajestät mit ihrem Weinspruch zunächst auf das diesjährigen Motte des Festes „Pfauenglanz und Preußenadler - 200 Jahre Landkreis Neuwied“ ein, um dann die Gäste strahlend aufzufordern: „Im schönen Blumendorf am Rhein regiert seit jeher der rote und weiße Wein. Darauf möchte ich mit Euch das Glas erheben, freudig und gesellig den Tag erleben!“ Das ließen sich die Besucher nicht zwei Mal sagen, die bis tief in die Nacht bei herrlichen Spätsommertemperaturen dem heimlichen Regenten „Vino“ am Fuße der Ley ausgiebig frönten.
Auch am Samstagnachmittag hatten sich trotz dunkler Regenwolken schon längst wieder dichte Besuchertrauben um die Weinstände gebildet, als Flötentöne und Trommelwirbel des Tambourcorps die Festfahrt von Nina I. durch den Ort verkündeten. „Anders als vor zwei Jahren, als Andreas Schwager uns aus privaten Gründen nicht als Weingott zur Verfügung stand, konnte er dieses Jahr seinen Einfluss bei seinem Kollegen, Windgott Aeolus wieder spielen lassen, sodass dieser den Regen zunächst Richtung Norden vertrieben hat“, freute sich der Vorsitzende des Brauchtumsvereins „Freunde des Erpeler Weinfestes“, Werner Henneker, nachdem er das Wein-Dreigestirn auf den Festplatz geführt hatte. Eskortiert wurde dieses nicht nur vom Bacchus mit seinen Bacchantinnen. Für die Sicherheit der Weinmajestäten sorgten mit Dominik Schwager, Maximilian Schneider und Michael Lorscheid auch nicht nur die Offiziere des Junggesellenvereins. Ex-Karnevalsprinz Karel Harmsen, Chef der Stammgast-Band „De Volle Blâos“ aus Nimwegen, führte mit respekteinfordernder, ja fast schon martialischer Miene in der grüner Uniform der preußischen Armee-Gendarmerie samt gülden glitzernder Pickelhaube den Tross an. Mit diesem Outfit spielte der „Wahl-Erpeler“ aus den Niederlanden natürlich auf das Motto des Festes an. Dem bereitete selbst der am späten Abend dann doch einsetzende Regen auch angesichts der fetzigen Musik der Partyband „Let’s Dance“ um „Hörnchen“ Andreas Kuhsel kein vorzeitiges Ende.
Trotzdem erschienen die Ehrengäste dann am Sonntagvormittag im Anschluss an die von Pfarrer Günter Lülsdorf zelebrierten Messe in Sankt Severinus nicht nur ausgeruht, sondern auch so zahlreich zum Rathausempfang im Sitzungssaal, dass VG-Chef Karsten Fehr nach einer flammenden Festrede auf das „Armsünder“-Fensterbänkchen auswich, statt wie geplant zur Musik des Erpeler Duos „WiSu“ zu schunkeln. „Eure kaum zu übertreffende Liebe zur ‚Alten Herrlichkeit am Rhein‘ und deren Menschen ist unüberhörbar“, lobte Bürgermeisterin Cilly Adenauer die beiden Musiker Günter Witten und Bernd Sueßmilch. „Wir fahren gleich wieder auch im Blütenkorso mit“, erklärte das Stimmungsduo, bevor es sich, wie schon zuvor Nina I. mit ihrem Gefolge, in das Goldene Buch des Ortes eintrug. Erst nachdem sich der Blütenkorso gegen 17 Uhr aufgelöst hatte, wurden die Zuschauermassen selbst im Weindorf wieder überschaubarer, in dem wie auch auf dem Maat bis in die späten Abendstunden ausgelassen gefeiert wurde.
„Wir haben jetzt dreieinhalb Tage unseres Weinfestes in bester Stimmung hinter uns. Die letzten Stunden wollen wir mit Euch und zusammen mit den Weinköniginnen der Region hier im Weindorf feiern“, erklärte am Montagabend Hansi Freund. Zusammen mit Werner Henneker hatte der Geschäftsführer des Brauchtumsvereins am Nachmittag Weinkönigin Nina I. mit ihren Weinprinzessinnen und dem Bacchus über den Rhein nach Remagen zum Besuch ihrer dortigen Kollegin begleitet. Erwartet wurden die beiden Weinmajestäten dann am Abend auf der rechtsrheinischen Seite am Anleger der „Nixe“ nicht nur vom Tambourcorps Erpel unter Leitung von Daniel Ott. Über die Landesgrenze hinweg nach Erpel gereist war die Rhöndorfer Weinkönigin Jessica, während die Leutesdorfer Weinkönigin Marga mit Bacchus Michael den Süden des Kreises verlassen hatte, um Nina I. ihre Reverenz zu erweisen. Außerdem reihten sich mit Esther I. aus Hammerstein/Rheinbrohl, Christina I. aus Bad Hönningen, der noch zwei Wochen amtierenden Eva I. aus Dattenberg sowie Laura I. aus Linz und der Burgundia Lara I. aus Unkel alle übrigen Weinmajestäten des nördlichen Mittelrheins in das Empfangskomitee ein. Nach ihrem Einzug in das Weindorf verkündeten sie von der Bühne ihre Weinsprüche, um sich danach vom Brauchtumsverein, musikalisch unterhalten von den „Lau-Sitzern“, bewirten zu lassen.
DL
Als preußischer Armee-Gendarm führte der niederländische Wahlerpeler Karel Harmsen Nina I. mit ihrem Gefolge in das Weindorf. Fotos: -DL-
