Premiere im Schlosstheater Neuwied
Um in der Hölle zu bestehen, braucht man keine Engel, sondern einen Pakt mit dem Teufel
„Oskar Schindler´s Liste steht auf dem Programm im März - äußerst sehenswert!
Neuwied.Die neue Premiere im Neuwieder Schlosstheater fand unter der Regie des designierten Intendanten Lajos Wenzel statt. Er zeigte hier bei einem speziellen Thema größtmögliches Einfühlungsvermögen, ließ den Theaterbesucher die ganze Tragik der Machenschaften des NS-Regimes erahnen und sorgte mit dem Ensemble zusammen für einige Gänsehautmomente.
Eine wahre Geschichte
Oskar Schindler´s Liste, eine wahre Geschichte über einen Menschen, der im Zweiten Weltkrieg vielen Juden das Leben dadurch rettete, dass er sie in seinem Unternehmen beschäftigte und von den Nazis buchstäblich freikaufte. Das klingt zunächst wie eine romantische Geschichte. Bei näherem Hinsehen entpuppt sich das Geschehen etwas komplizierter. War Schindler ein Held? Am Anfang sicher nicht, denn er tritt als neuer Direktor einer Firma an, die zuvor ihrem jüdischen Besitzer weggenommen wurde. Erst nach und nach entdeckt er seine Verantwortung seinen Mitarbeitern gegenüber und bewahrt sie vor dem sicheren Tod, indem er mit den aktuellen Machthabern scheinbar paktiert. Dem Zuschauer eröffnet sich ein System von Korruption und Willkür, Menschenleben - vor allem die polnischer Juden gelten nichts.
Waren die KZ Anfang des Krieges noch Gefängnisse unter anderem für politische Gegner gewesen, wurden sie gegen Ende immer mehr zu Lagern für Arbeiter, die in der Rüstungsindustrie schuften mussten. Auch Schindlers Arbeiter fertigten zunächst Essgeschirr für die Soldaten an, bevor sie dann Munition produzierten.
Wer will beurteilen und entscheiden, wie der Widerstand gegen die Nazis hätte aussehen sollen? Oskar Schindler entschloss sich jedenfalls, unter dem Radar zu bleiben und so vielen Juden wie möglich das Leben zu retten, wobei er sein gesamtes Vermögen einsetzte und mehr als einmal selbst in die Fänge der Schlächter geriet.
Sehenswerte Aufführung im Schlosstheater
Florian Battermann ist der Autor der Geschichte, so wie sie Regisseur Lajos Wenzel auf die Bühne bringt. Dynamisch, temperamentvoll und hochprofessionell geht er dabei mit dem Bühnenstoff um, der in seiner Filmfassung von Steven Spielberg bereits die Kinozuschauer fasziniert hatte. Dabei ist es durchaus eine Herausforderung, mit einer beweglichen Reisebühnenausstattung das schwere Thema verständlich und emotional wirkungsvoll an den Zuschauer heranzutragen. Hilfreich sind dabei natürlich auch die Schauspieler des Ensembles, allesamt höchst überzeugend in ihrer Darstellung. Stefan Bockelmann ist sensationell in der Rolle des Oskar Schindler, brillant auch Dimitri Tellis als Abraham Bankier.
Großartig das Bühnenbild, dessen Elemente immer wieder neue Szenenbilder generieren und auch einmal zum Gestaltungselement von Szenen werden, die man kaum aushalten kann, weil sie in der eigenen Fantasie entstehen. Es ist ein Theaterabend, der unter die Haut geht, den man nicht so schnell vergessen wird, der mahnt, dem Radikalismus auch aktuell keinen Raum zu geben, sich zu entwickeln. Standing ovations waren zu Recht der verdiente Lohn für alle Mitwirkende. Darsteller sind Christiane Hecker, Astrid Straßburger, Jennifer Tilesi Silke, Claudia van Veen, Stefan Bockelmann, Hannes Ducke, Thomas Kahle, Marcus Mies, Armin Riahi, Werner Schuster, Dimitri Tellis und Andreas Werth.
Weitere Aufführungen
Das Stück ist noch zu sehen bis zum 19. März, jeweils um 20 Uhr auf der Landesbühne, am Sonntag, 17. März auch um 16 Uhr. Karten gibt es unter www.schlosstheater-neuwied.de und unter Tel. 02631-22288 sowie an der Theaterkasse.
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Oskar Schindler nimmt auf Anraten von Abraham Bankier jüdische Arbeiter auf.
Oskar Schindler besticht den Lagerkommandanten, um Juden vor der Vernichtung zu retten. Foto: imagemoove
