Sonderausstellung im Heimatmuseum Niederbachem noch bis 21. April
Urgeschichte trifft auf jüngere Vergangenheit
Wachtberg-Niederbachem. Dass eine als Ausflug gedachte Mitgliederfahrt des Heimatvereins Niederbachem eine Ausstellung prähistorischer Fossilien im heimischen Heimatmuseum nach sich ziehen würde, damit hatte wohl niemand gerechnet. Am wenigsten Angela und Hans Thelen, die die Exkursion seinerzeit organisiert hatten. Ziel war die Grube Messel in der Nähe von Darmstadt. Mit ihren im Ölschiefer erhalten gebliebenen Fossilien stellt sie eine Besonderheit dar. Die Vielfalt und Qualität der dort entdeckten Funde ist weltweit einmalig, sodass die Grube Messel 1995 zum ersten UNESCO-Weltnaturerbe Deutschlands ernannt wurde. Betreiber ist die Senckenberg-Forschung mit gleichnamigem Museum in Frankfurt. Seit beinahe 50 Jahren erforschen die Senckenberg-Wissenschaftler die in der Grube entdeckten erdgeschichtlichen Zeugnisse und bieten mit den ausgestellten Exponaten den Betrachtern einen spannenden Einblick in die Evolutionsgeschichte.
Bis zu 48 Millionen Jahre alt
Die Originale sind in einer speziellen Epoxidharzschicht konserviert, sodass die 47 bis 48 Millionen Jahre alten, komplett erhaltenen Fossilien optimal geschützt sind. Ein Umstand, der den Besuchern des Niederbachemer Heimatmuseums jetzt zu Gute kommt, freut sich Hans Thelen, langjähriger Vorsitzender des Heimatvereins, der das Museum betreibt. Wenn er und seine Frau Angela von der unerwarteten Entwicklung und Zusammenarbeit mit dem Senckenberg-Museum erzählen, spricht die Verwunderung immer noch aus ihren Augen. 15 ausgesuchte Fossilien hat das Senckenberg-Museum als Leihgabe für eine Sonderausstellung im Kleinen Museum „Alte Schule“ in Wachtberg zur Verfügung gestellt. Seit Dezember 2017 sind die „urgeschichtlichen Stars“ in Wachtberg zu sehen. Von Senckenberg-Mitarbeitern hier vor Ort in drei Vitrinen schön in Szene gesetzt läuft diese Sonderausstellung noch bis zum 21. April. „Ein unglaublicher Blick in die Urzeit“, so hat der Heimatverein die Schau betitelt. Unglaublich auch die Exponate, darunter Fossilien von Sumpfschildkröte, Fledermaus, Igel, Eidechse, Schlange und Fischen. Spektakulär ist das Fossil eines Nagetiers, dessen komplett erhaltenes Skelett einen auffällig langen Schwanz aufweist. Und Hans Thelen kann zu jedem Exponat Interessantes erzählen.
Klein, mit Herz und lokalem Kolorit
Aber auch abgesehen von der Sonderausstellung lohnt ein Besuch des Kleinen Museums, widmet sich der Heimatverein - im Vergleich zu den aktuell präsentierten Millionen Jahre alten Fossilien - umfassend der eher „jüngeren“ Geschichte Niederbachems. Unterteilt in Historie, Geologie, Zeitgeschichte und Hochwasserdokumentation finden sich interessante Fundstücke aus der Römer- und der Frankenzeit sowie verschiedenartige Mineralien, aber auch Steinstücke aus der Tiefenbohrung im Rodderberg-Krater. Themen der jüngeren Vergangenheit werden unter anderem mit einem Ausschnitt der kürzlich stattgefunden Ausstellung „Als Oma noch ein Mädchen war“ wie auch mit Erinnerungen an die Niederbachem lange Zeit prägende Rübenkrautfabrik aufgegriffen. Dass der Ort schon früher von schlimmem Hochwasser betroffen war, belegt die aufschlussreiche Dokumentation über die verschiedenen Hochwasserereignisse, angefangen mit dem Jahrhunderthochwasser 1693 über weitere - zum Teil anhand alter Fotografien bebildert - in den Jahren 1931, 1966 bis zu denen in 2010 und 2013. Bei einem mit Bürgermeisterin Renate Offergeld gemeinsamen Besuch der Sonderausstellung im Niederbachemer Museum war Wachtbergs neuer Beigeordneter Swen Christian auch begeistert angesichts dieser aufwendigen Dokumentation, ist doch der Hochwasserschutz und die Überflutungsvorsorge aktuell ein Thema von großer Bedeutung. Kleines Museum „Alte Schule“ (2. OG, nicht barrierefrei), Mehlemer Straße 3, Wachtberg-Niederbachem. Öffnungszeiten: Donnerstag und Samstag, jeweils von 15 bis 18 Uhr (Eintritt frei).
Pressemitteilung
der Gemeinde Wachtberg
Ein Fossil aus der Grube Messel.
