Tafel Rheinbach-Meckenheim wird 20 Jahre alt
Veranstaltung mit kritischen Tönen
Meckenheim. Die Tafel Rheinbach-Meckenheim wird in diesen Tagen 20 Jahre alt. Aus diesem Grunde hatte der Vorstand rund um den Vorsitzenden Dr. Uwe Petersen am vergangenen Samstag zu einer Festveranstaltung in das Zeughaus der Meckenheimer Stadtsoldaten eingeladen. Ein ganz besonders herzlicher Willkommensgruß galt dabei den beiden Bürgermeistern Bert Spilles und Stefan Raetz sowie dem Vorsitzenden des Landesverbandes der Tafel, Wolfgang Weilerswist. Ebenfalls herzlich willkommen wurde Ilka von Boeselager geheißen, die ehemalige Landtagsabgeordnete der CDU unterstützt die Tafel seit Beginn ihrer Tätigkeit. Den Auftakt machte jedoch der Posaunenchor der evangelischen Kirchengemeinde Meckenheim unter der Leitung von Margret Toyka mit dem Stück „Einzug“ von Traugott Fünfgeld.
Nur wenige Tafelkunden fanden den Weg ins Zeughaus
In seiner Begrüßungsansprache freute sich Dr. Uwe Petersen über den großen Zuspruch zu dieser Veranstaltung, denn die Zahl der Stühle reichte für die vielen Besucher nicht aus. Zugleich bedauerte er es, dass so wenige Kunden der Tafel den Weg ins Zeughaus gefunden hatten.
Als gelebte Nächstenliebe bezeichnete Bürgermeister Bert Spilles das Engagement der Tafel und lobte das hohe ehrenamtliche Engagement, was alles andere als einfach ist. So gilt es im Vorfeld auf Geschäfte und Partner zuzugehen, damit diese als Spender akquiriert werden können. Dies geht nur mit hohem persönlichen Einsatz, wie Bert Spilles betonte.
Er erläuterte, dass man leider in einer Wegwerfgesellschaft mit spitzen Ellenbogen lebe und dass wichtig sei, Menschen zu unterstützen, die diese spitzen Ellenbogen nicht hätten. Dabei betonte er, dass es ebenfalls notwendig sei, auch für Menschen mit niedrigem Einkommen Wohnraum zur Verfügung zu stellen.
Den Gedanken der christlichen Nächstenliebe stellte auch Stefan Raetz in den Mittelpunkt seiner Ausführungen, und er betonte, dass die Helfer „aus manch leererem Tisch eine Tafel“ gemacht hätten.
Bezahlbarer Wohnraum war Thema
Als Unterstützerin der ersten Stunde war Ilka von Boeselager ebenfalls um ein Grußwort gebeten worden. Sie betonte, dass die Bürgermeister und die Kommunen mehr als dankbar sein dürften, dass es die Tafeln in ihrer jetzigen Form gebe. Sie hinterfragte mehr als kritisch, ob es in einem Land wie Deutschland, wo es so viel Wohlstand gebe; sein müsse, dass Bürger zur Tafel gehen müssten. Von Boeselager bemängelte, dass sich die Gesellschaft weiter zerteile, und griff die Bemerkung von Bert Spilles hinsichtlich des Wohnraumes auf. Sie kenne Beispiele aus Berlin und München, wo selbst Doppelverdiener keine Möglichkeit hätten, eine bezahlbare Wohnung zu finden.
Dass dies nicht aus der Luft gegriffen ist, machten die im folgenden von Wolfgang Weilerswist und Dr. Uwe Petersen ausgeführten Zahlen deutlich. Insgesamt gibt es in Deutschland 940 Tafeln mit 60.000 Menschen, die sich dort ehrenamtlich engagieren und rund zwei Millionen Menschen versorgen. Gleichzeitig werden in Deutschland jedes Jahr 18 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen, davon gehen 264.000 Tonnen an die jeweiligen Tafeln.
Aus allen Teilen der Bevölkerung
Die Tafel in Rheinbach-Meckenheim mit ihren 31 Mitgliedern und 45 ehrenamtlichen Helfern versorgt derzeit 890 Kunden, im Jahre 2000 waren es nur 500. Diese kommen aus allen Teilen der Bevölkerung, 40 Prozent sind ALG II-Bezieher, auch umgangssprachlich als Hartz IV bezeichnet. 30 Prozent erhalten Grundsicherung und weitere 30 Prozent Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz.
Auch über die Herkunft der Kunden gibt es eine klare Statistik. 30 Prozent der Kunden sind Deutsche mit Migrationshintergrund und weitere 30 Prozent Deutsche ohne Migrationshintergrund. Weitere 30 Prozent sind Asylbewerber, und die restlichen zehn Prozent sind meist sonstige Migranten. Leistungen der Tafel erhalten dabei nur Menschen, bei denen die Behörden eine entsprechende Bedürftigkeit festgestellt haben.
Mit einem kleinen Sektempfang und der Möglichkeit zum persönlichen Gespräch klang die Veranstaltung aus. STF
Der Posaunenchor der evangelischen Kirchengemeinde begleitete die Veranstaltung musikalisch. Foto: Stefan Fassbender Pressebuero
