Weltlicher Orden besichtigt den Campus Klein-Altendorf der Universität Bonn
Verbesserung der Biodiversität in der Feldflur
Meckenheim. Im Rahmen eines Regionaltreffens des übernationalen Ordens „Der Silberne Bruch“ - Orden zum Schutz von Wald, Wild und Flur und zur Förderung von weidgerechtem Jagen - erfolgte eine Führung auf dem Campus Klein-Altendorf der Universität Bonn zum Thema Nachwachsende Rohstoffe und Agrarstrukturmaßnahmen. In diesem Rahmen wurde eine Zuwendung der Stiftung „Wald, Wild und Flur in Europa“ zur weiteren Förderung eines Schau- und Lehrgartens übergeben.
Zunächst erfolgte eine Vorstellung des Campus Klein-Altendorf der landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Bonn durch die Doktoranden Jan Niklas Frase und Michael Stotter. Sie stellten zunächst einige der Forschungsprojekte des Instituts für Nachwachsende Rohstoffe vor, dessen Kompetenzschwerpunkt biobasierte Produkte sind: Nachwachsende Rohstoffe, zu denen man dort forscht, sind organische Stoffe, die energetisch und insbesondere stofflich genutzt werden, beispielsweise Miscanthus („China-Schilf“), Topinambur, Sonnenblumen, Leindotter, Hanf, Durchwachsene Silphie und andere. Die Produktvielfalt aus Nachwachsenden Produkten ist enorm, sie erstreckt sich auf die Kategorien Baustoffe (biobasierte Dämmstoffe), Verpackungsmaterial (Graspapier, Karton, Papier) und Substrate (Torfersatz, Tiereinstreu).
Von besonderer Bedeutung in der Forschung ist, so wurde überzeugend dargestellt, dass man um eine sogenannte „Kaskadennutzung“ bemüht ist, unter der eine Mehrfachnutzung über mehrere Stufen zu verstehen ist. Dies kann eine stoffliche Nutzung mit nachfolgender energetischer Nutzung sein.
global vernetzt – lokal verankert
Deutlich wurde im Vortrag auch das Bestreben, im Verbund mit anderen Hochschulen den Praxisbezug zu erhalten und zu fördern nach dem Motto „global vernetzt – lokal verankert“.
Nach diesem Einführungsvortrag führte der Weg über einige Labore in der alten Gutsanlage Klein-Altendorf über die modernen Maschinenhallen zu einer Besichtigung der Flächen für Nachwachsende Rohstoffe und dabei speziell zu den Miscanthus („China-Schilf“)- und Durchwachsene Silphie-Flächen.
Anschließend wurde von der Biologin und Agrarwissenschaftlerin Anna Kinnen der „Schau- und Lehrgarten für Agrarstrukturmaßnahmen zur Förderung der Biodiversität in Agrarökosystemen“ vorgestellt. In diesem Schau- und Lehrgarten, unmittelbar an einem Radwanderweg gelegen, wurden verschiedene Agrarstrukturmaßnahmen integriert, um die Artenvielfalt der Insekten in Agrarökosystemen zu erhöhen.
Ein 1000 Quadratmeter großes Areal wird als Schaugarten mit ein- und mehrjährigen Blühstreifen, Totholzhaufen, eine Art Feuchtbiotop, Trockenmauern, Nisthilfen („Insektenhotel“) et cetera bestückt. Dieser Garten zeigt auf, wie die Artenvielfalt in der Region gefördert werden kann. Dies bereichert die hiesige Agrarregion und stellt die Vielfalt, die in agrarwirtschaftlichen Flächen erreicht werden kann, heraus.
Neben den Forschergruppen und Studenten soll der Garten nun auch Landwirten und Privatpersonen als Inspiration dienen, den eigenen Betrieb oder Garten tier-freundlicher zu gestalten. Die im öffentlichkeitswirksamen Bereich an einem Radwanderweg angelegten Maßnahmen werden dabei mit entsprechender Beschilderung versehen, um dem Publikum die dort entstandenen Maßnahmen zur Biodiversitätserhaltung und –förderung zu erklären und deren Nutzen aufzuzeigen. Zudem werden die biologischen Zusammenhänge der einzelnen Maßnahmen erklärt und die Ökologie ausgewählter Bestäuberarten erläutert. Der Schaugarten mit dem benachbarten Lehrgarten stellt gleichzeitig auch eine Fläche dar, die von der Universität Bonn untersucht wird. Die Daten werden dabei wissenschaftlich dokumentiert und ausgewertet.
1500 Euro zur Ausgestaltung des Schau- und Lehrgartens
Ordensbrüder aus der Region hatten der Stiftung „Wald, Wild und Flur in Europa“ vorgeschlagen, den Schau- und Lehrgarten als ein Projekt zu fördern, das einen wichtigen regionalen Anstoß zur Verbesserung der Biodiversität in der Feldflur gibt. Der Stiftungsvorsitzende OB Ulrich Prill, Hilden, und der Organisator des Treffens OB K.
Gunter v. Kajdacsy, Rheinbach, übergaben daher 1500 Euro zur weiteren Ausgestaltung des Schau- und Lehrgartens. Bei den abschließenden Gesprächen freuten sich die Ordensbrüder über eine fachlich hochwertige Veranstaltung und intensive Diskussionen sowie über die rege Beteiligung auch von Gästen, wie beispielsweise der Vorsitzende der Kreisjägerschaft Bonn, Lutz Schorn.
Es bleibt zu hoffen, so die Ordensbrüder, dass sich viele Radwanderer in diesem Schaugarten darüber informieren, welche Möglichkeiten jeder Einzelne hat, einen kleinen Beitrag zur Biodiversität zu leisten.
Miscanthus (China-Schilf) – ein nachwachsender Rohstoff mit Zukunft.
Förderung der Artenvielfalt im Schau- und Lehrgarten.
