Allgemeine Berichte | 07.01.2019

Interessengemeinschaft Obermendig kämpft um die Erhaltung ihres zum Kauf stehenden Vereinslokals

„Vergesst den oberen Stadtteil nicht!“

„Vergesst den oberen Stadtteil nicht!“

Mendig. Wie schon seit Längerem bekannt, sieht der Eigentümer der Obermendiger Gaststätte Bolz sich aus gesundheitlichen Gründen gezwungen, die Gaststätte samt Saal und den dazugehörigen Gebäuden zu verkaufen.

Da von dem potenziellen Käufer eine neue Konzession verlangt wird, müsste das gesamte Anwesen saniert werden. Mit der Gewissheit, dass dies mit einigen Problemen verbunden ist, gründeten einige Obermendiger Bürger eine „Interessengemeinschaft Obermendig“. Zu den Gründern zählt auch Dirk Mohr, der unter anderem als Organisator und „Macher“ nicht nur in Obermendig bekannt ist.

Blick aktuell sprach mit ihm über die Problematik, die der Verkauf des Vereinslokals mit sich bringt.

Blick aktuell: „Welche Ziele verfolgt die Interessengemeinschaft Obermendig?“

Dirk Mohr: „Für einen Privatmann ist dies sicher unerschwinglich. Daher finde ich, dass nun die Stadt aktiv werden und endlich auch mal etwas für den oberen Stadtteil tun muss. Während im unteren Stadtteil doch so einiges getan und realisiert wird, stehen wir hier oben kurz vor dem Nichts! Obwohl einige Leute Jahr für Jahr dagegen ankämpfen, dass Obermendig zum toten Ort wird, würde uns die Hauptanlaufstelle fehlen und diese war und ist die Gaststätte Bolz. Sie ist das Vereinslokal vom TUS Grün Weiß Mendig und der Kirmesgesellschaft und war bisher der Mittelpunkt dieser Vereine sowie der Jugend, vieler Stammgäste und nicht zuletzt die einzige Location, in der wir bereits viele erfolgreiche Feste feiern konnten. Nicht zuletzt hat die letzte Pächterin die Gaststätte hervorragend geführt und zu einer beliebten Eventgastronomie gemacht. Leider muss auch sie sich den maroden Zuständen der Immobilie beugen.“

Blick aktuell: „Gibt es in Obermendig denn keinen adäquaten Ersatz für die Gaststätte?“

Dirk Mohr: „Nachdem in unserem Stadtteil schon vor Jahren die Gaststätte“ Zum Hochstein“ (Krebsbach) verkauft wurde und mittlerweile zum größten Schandfleck vor sich hin zerfällt; das Restaurant „Alte Schule“ und die Gaststätte Ricken aus persönlichen Gründen veräußert wurden, wobei in letzterer ein Fahrradladen eröffnet wurde, bietet aus meiner Sicht die Gaststätte Bolz als einzige die Möglichkeit, aus der man einen dringend benötigten Treffpunkt machen könnte.

Hier könnten zum Beispiel auch die Senioren von Pro Mendig ihre Treffen abhalten und die Stadt könnte sich die enormen Kosten für den Umbau des Hauses am Lindenbaum (Aufzug, etc.) sparen. Ich wage gar nicht daran zu denken, was zum Beispiel aus unserer weit über die Stadtgrenzen hinaus beliebten Laurentius-Kirmes wird, wenn Bolz für immer seine Pforten schließen würde, zumal dieses Fest für die Gaststätte und die Kirmesgesellschaft immer eine Win-Win-Situation war.

Ebenso stelle ich mir die Frage, wo unsere Sportler sich treffen sollen. TuS Grün-Weiß Mendig (circa 700 Mitglieder, 200 aktive Jugendliche) würden ihr Vereinslokal verlieren.

Während fast jeder Nachbarort (Thür, Bell, Rieden und so weiter) eine Gemeinde/Kultur Halle hat, stehen nur wir im oberen Stadtteil vor dem Nichts! Frühere Anfragen zu ähnlichen Projekten wurden von der Stadt stets abgelehnt.

Wir sind ja schon froh, dass wir bei den Treffen von einigen Vereinsvorständen mit dem Stadtbürgermeister Hans Peter Ammel bei diesem nicht auf taube Ohren gestoßen sind, zumal der Eigentümer des Gasthauses Bolz der Stadt Mendig ein mündliches Vorkaufsrecht erteilt hat. Dies gilt aber nicht für unbestimmte Zeit, da er zum schnellstmöglichen Termin verkaufen möchte.

Wir hoffen jedoch, dass aufgrund der bevorstehenden Wahlen im Mai dieses Jahres aus dem Projekt Bolz kein Politikum entsteht, sondern alles ein gutes Ende für unseren schönen Stadtteil Obermendig nimmt.“

Stadtbürgermeister Hans Peter Ammel nimmt Stellung

Blick aktuell sprach auch mit Stadtbürgermeister Hans Peter Ammel und bat diesen um ein Statement zu dem Anliegen der Interessengemeinschaft Obermendig. Wörtlich sagte er: „Grundsätzlich bringt die Stadt dem Anliegen großes Verständnis entgegen, zumal wir die vielen positiven Aspekte der Vereinstätigkeit sehr zu schätzen wissen. Eine Kommune ist jedoch kein Einzelunternehmen und muss sich an die vorgegebenen Spielregeln halten. Deshalb bedarf es eines wesentlich längeren Weges, als bei einem privaten Investor. Die Stadt hat Mitte Dezember vergangenen Jahres ein Gutachten für die Gaststätte mit ihren Nebengebäuden plus Grundstück in Auftrag gegeben, um unter anderem den aktuellen Verkehrswert feststellen zu lassen.

Sobald dieses Gutachten vorliegt, müssen wir schauen, ob das Ergebnis den Preisvorstellungen des Eigentümers entspricht. Sollte dieser Punkt geklärt werden können, müssen wir prüfen lassen, wie hoch die Investitionskosten für die Instandsetzung der desolaten Immobilie sind. Nicht zuletzt gilt es zu überlegen, ob für den Fall, dass die Stadt die Wiederherstellung des Gasthauses übernimmt, nicht auch die Vereine aktiv werden müssen und zum Beispiel die Bewirtschaftung nicht einem Pächter überlassen, sondern selber übernehmen. Eine andere Möglichkeit wäre, dass die Stadt den Vereinen die Verantwortung für die Immobilie überträgt und den Vereinen anheimstellt, einen Pächter einzusetzen.

Im Übrigen möchte ich darauf hinweisen, dass wir in Obermendig ebenso wie im unteren Stadtteil in der jüngsten Vergangenheit verschiedene Straßen von Grund auf erneuert haben. So zum Beispiel den unteren Ernteweg, die Hauptstraße, die Fallerstraße mit der Neugestaltung rund um die Kirche und die Laacher Straße. Außerdem ist für 2019 der Ausbau der Teichwiese geplant und - in Kooperation mit dem Eigenbetrieb Wasser - die Erneuerung, beziehungsweise Vergrößerung der Kanalisation. Nicht zuletzt wird das Hochwasserschutzkonzept in Obermendig in Angriff genommen.

Für das Projekt Gasthaus Bolz haben wir vorsorglich eine Summe, die den eventuellen Kaufpreis abdecken würde, in den Haushalt 2019 eingestellt. Dieser muss jedoch zunächst einmal im Hauptausschuss und dann im Stadtrat verhandelt und vom Rat positiv beschieden werden.“

FRE

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