Allgemeine Berichte | 28.06.2016

Künstler Gunter Demnig verlegte 27 Stolpersteine im Kreis für die Opfer des Holocaust

„Verzeihen ja – Vergessen nie“

Der Gedankenaustausch und die Gespräche zwischen Bürgern und jüdischen Gästen standen im Vordergrund des Empfangs im Cochemer Kapuzinerkloster. TT

Cochem. Stadtbürgermeister Wolfgang Lambertz nannte es „einen bedeutungsvollen Tag“ und Landrat Manfred Schnur sprach von „einer Aktion für den Frieden“. Die Stadt hatte im Kapuzinerkloster zu einem Empfang der besonderen Art eingeladen, denn der Kölner Künstler Gunter Demnig verlegte wieder Stolpersteine für die Opfer der Nazi-Gewaltherrschaft im Landkreis. Freunde, Verwandte, Nachfahren und Vertreter der Kirchen sowie Bürgerschaft waren geladen, um am Vorabend der Aktion miteinander zu sprechen und sich in lockerer Atmosphäre bei einem Glas Wein auszutauschen. Gäste aus den USA, aus Israel, sogar aus dem fernen Bali waren gekommen, um ihre Verbundenheit mit ihren Verwandten zu zeigen und an sie zu erinnern. Mit einfühlsamer Klaviermusik stimmte Christian Salzmann die rund 60 Teilnehmer im Refektorium des Klosters ein, ehe die beiden Initiatoren der Aktion Stolpersteine Manfred Schnur und Mario Zender einen kurzen Rückblick auf die bereits 24 verlegten Steine gaben. Der Landrat forderte alle auf, die Erinnerung an die Geschehnisse der Nazi-Herrschaft wachzuhalten und das Gedenken an die Mitbürger zu pflegen. „260 Opfer sind im Landkreis im Holocaust ermordet oder vertrieben worden, dafür bitte ich die Angehörigen um Verzeihung“, sagte Manfred Schnur sichtlich bewegt. „Die Stolpersteine sollen daran erinnern, dass wir vorsichtig sein müssen, dass sich so etwas nicht noch einmal wiederholt“, mahnte der Kreischef. „Wir wollen mit den Inschriften auf den Stolpersteinen den Opfern ihre Namen wiedergeben, die der braune Terror ihnen genommen hat.“ Auch in Zukunft wird es weitere Stolpersteine im Kreis Cochem-Zell geben, so der Landrat. Franz Piacenza vom Freundeskreis der Synagoge Zell berichtete anschließend von der Arbeit seiner Initiative. Die Recherche und Suche in Archiven nach Namen und Familien im In- und Ausland sei schwierig und mitunter aufwendig, so Piacenza. Erfreut zeigte sich der Bullayer, dass mittlerweile auch junge Menschen bei der Arbeit mitmachen würden. „Aber es gibt in Zukunft noch einiges zu tun“, stellte Franz Piacenza fest. Mit dem Bekenntnis „Verzeihen ja – vergessen nie“, brachte es der Vorsitzende des Freundeskreises am Schluss seiner Ausführungen auf den Punkt. Beeindruckend dann die kurze und ergreifende Dankesrede von Varda Götzoff, die ein Dankeschön an die Initiatoren der Aktion Stolpersteine, den Künstler, die Stadt und die Bürger des Landkreises aussprach. „Mein Vater ging an diesem Ort in die Schule, ich stelle mir gerade vor, wie er wohl diese schöne Landschaft empfunden hat“, sagte die Jüdin ergriffen, die donnerstags auch noch aus Briefen ihres Vaters vorlas. Gunter Demnig nannte am Schluss des Empfangs seine Beweggründe, weshalb er 1993/94 die Idee hatte, Stolpersteine gegen das Vergessen zu verlegen. „Der Anfang war nicht einfach“, erklärte der 1947 geborene Berliner, „immer wieder gab und gibt es Widerstand.“ Sogar ein Gerichtsurteil ist mittlerweile gefällt: „In München dürfen zum Beispiel keine Stolpersteine im Stadtgebiet verlegt werden“, erzählte der Künstler.

27 neue Stolpersteine

Im Landkreis verlegte der Künstler am Donnerstag, unterstützt teilweise von Cochemer Grundschülern, insgesamt 27 neue Steine, die alle bekannten Daten der Ermordeten auf kleinen Messing-Täfelchen tragen. In Bad Bertrich sind es Erinnerungen an Erna Dorn, Paula, Ernst und Alfred Kaufmann. In Bullay stehen Lina, Gustav, Julius, Ida, Inge, Walter und Artur Harf mit ihren Namen auf den Steinen. In Cochem erinnern sie an: Adelheid Hein, Rosa, Senta Pinkas, Arko Götzoff, Leopold und Johanna Hein sowie Josefine de Leeuw. In Pünderich gedenkt man Helene und Fritz Geisel, die Zeller erinnern an die jüdischen Mitbürger Max und Hedwig Wolf, Bertha Salomon, Samuel Kornfeld, Amalie Sondheimer und Theresia Moos. TT

Franz Piacenza sprach von der Arbeit des Freundeskreises der jüdischen Synagoge Zell.

Franz Piacenza sprach von der Arbeit des Freundeskreises der jüdischen Synagoge Zell.

Der Künstler Gunter Demnig nannte die Beweggründe für seine Aktion gegen das Vergessen.

Der Künstler Gunter Demnig nannte die Beweggründe für seine Aktion gegen das Vergessen.

Der Gedankenaustausch und die Gespräche zwischen Bürgern und jüdischen Gästen standen im Vordergrund des Empfangs im Cochemer Kapuzinerkloster. Fotos: TT

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