Allgemeine Berichte | 05.12.2016

Wertvolle Tipps, einheimischen Tieren über den Winter zu helfen

Vögel und Igel brauchen unsere Hilfe

In der Wildvogel-Pflegestation Kirchwald setzt man sich nicht nur im Winter für Vögel, Igel und Co. ein

Vögel und Igel brauchen unsere Hilfe

Kirchwald/Region. Für viele Menschen ist die kalte Jahreszeit eine Zeit des Runterkommens, des Entschleunigens und Genießens. Die Tage sind kurz und bei den frostigen Temperaturen gibt es kaum einen schöneren Ort auf der Welt als die heimische Couch. Nicht ohne Grund bieten die großen Discounter an jedem neuen Jahresbeginn eine Vielfalt an Fitness-Artikeln an, die dabei helfen sollen, den angefutterten Winterspeck rechtzeitig zur „Bikini-Saison“ wieder los zu sein. Von diesem Problem können viele einheimische Tierarten nur träumen, denn für sie wird der Winter nicht selten zum Überlebenskampf. Insbesondere Vögel sind dringend auf unsere Hilfe angewiesen, denn sie finden nicht nur in den Wintermonaten kaum noch genügend Nahrung zum Überleben. Fungizide, Herbizide, Insektizide, Mäusegift – all die Helferlein der modernen Landwirtschaft gefährden inzwischen die Lebensgrundlage vieler Tierarten. Dazu kommt die Ordnungsliebe vieler privater Gartenbesitzer: Es wird gesprüht, verjagt und aufgeräumt – das eigene Anwesen muss ebenso perfekt sein wie das des Nachbarn. Hecken werden geschnitten, das Gras kurz gehalten, Bäume werden gefällt, Gestrüpp und Laub landen in der Bio-Tonne; überall piepsen und summen Geräte, die ungebetene Gäste fernhalten sollen. Hier finden sich auch kaum mehr Insekten - die aber leider nicht nur die Nahrungsgrundlage vieler heimischer Vogelarten darstellen. Auch für die Igel ist die Situation fatal, denn sie ernähren sich ebenfalls von Insekten. „Inzwischen fehlt es den Igeln an ausreichender Nahrung um sich den notwendigen Winterspeck zuzulegen“, bedauert Tierärztin Dr. Anja Baronetzky-Mercier, die sich seit vielen Jahren in der Wildvogel-Pflegestation Kirchwald für die Tiere engagiert. „Zudem finden Igel heutzutage kaum noch geeignete Stätten zum Überwintern: Um ihre Winterresidenz einzurichten, benötigen sie Haufen aus Laub und Gestrüpp, die in vielen Gärten gar nicht mehr vorhanden sind.“ Fertige Igelhäuser, die es im Handel zu kaufen gibt, seien bei den Tieren meistens nicht so sonderlich beliebt – es geht doch nichts über das selbst errichtete Eigenheim. Die Anzahl der bei uns heimischen Igel ist in den letzten Jahren drastisch gesunken. Grund für die traurige Entwicklung ist nicht nur die immer schwierigere Nahrungsbeschaffung, weiß die Expertin: „Igel brauchen Hecken und Büsche, unter deren Schutz sie sich von A nach B bewegen können. Was wir hier inzwischen haben, sind riesige landwirtschaftliche Anbauflächen – hier und da gibt es dann wieder ein Dorf mit ein paar Büschen drumherum, die aber nicht mehr verbunden sind. Besonders Straßen stellen eine große Gefahr für Igel dar. Das hat zur Folge, dass ihre Population immer enger wird. Tatsächlich ist das heute ein großes Problem.“ Viele Insekten, die eine Lebensgrundlage für andere Tiere darstellen, finden ihren Platz unter der Rubrik „Schädling“ – damit ist ihre Vernichtung durch den Menschen legitimiert. Das schadet nicht nur den wild lebenden Tierarten, die auf einen natürlichen Lebensraum so dringend angewiesen sind.

„Man muss der Natur nur ausreichend Raum lassen“

Inzwischen sind die Auswirkungen, die diese Entwicklung auch auf uns Menschen selbst hat, hinlänglich bekannt. Immerhin: Das bewegt wiederum viele Menschen, umzudenken und der Natur wieder mehr Raum zuzugestehen. Die ist nämlich auf alle Eventualitäten bestens vorbereitet und in der Lage sich immer wieder selbst zu regulieren, weiß Dr. Anja Baronetzky-Mercier: „Man muss ihr nur ausreichend Raum dafür lassen.“ 2016 war kein gutes Jahr für Insektenfresser, berichtet die Tierärztin: „Viele haben nur einmal gebrütet und trotzdem sind noch viele der Bruten verhungert. Dazu ist die Mäusepopulation total zusammengebrochen. Die letzten zwei Jahre hatten wir sehr viele Mäuse. Dass es dann wieder ein schwächeres Jahr gibt, vervollständigt den natürlichen Zyklus. Dazu braucht es kein Gift.“ In einem schlechten Mäusejahr brüten Greifvögel nur einmal. Gibt es allerdings viele Mäuse, steigt auch die Population ihrer natürlichen Feinde. Greift der Mensch jedoch ein, indem er flächendeckend Gift ausbringt, wird es für die Greifvögel trotz der ursprünglich guten Voraussetzungen schwierig bis unmöglich, ihre Jungen durchzubringen, denn diese Option können sie nicht abschätzen.

Trotz der nach wie vor traurigen Situation ihrer Schützlinge in freier Wildbahn blickt Dr. Baronetzky-Mercier positiv in die Zukunft: „Ich denke schon, dass die meisten Menschen tierlieb sind. Oft fehlt einfach das Wissen und ich glaube, wenn man aufklärt und sensibilisiert, wird sich vieles zum Besseren wenden. Im Grunde hängt ja auch alles mit allem zusammen: Geht es der Natur und den Tieren gut, dann geht es auch uns Menschen gut.“ Bis jedoch ein breites Umdenken stattgefunden hat, sind Vögel wie Igel auf unsere Hilfe angewiesen. Anja Baronetzky-Mercier füttert ihre gefiederten Gäste das ganze Jahr über und lässt den Igeln in ihrem Garten ausreichend Material, sich eine gemütliche Behausung für den Winter zu schaffen.

So hilft man ... ... Vögeln durch den Winter:

Egal, was gefüttert wird – Hygiene spielt eine wichtige Rolle! Ideal sind Futterspender, die es den Tieren nicht ermöglichen, durch das angebotene Futter zu laufen und es mit ihrem Kot zu verschmutzen. So kann vermieden werden, dass sich die Tiere mit Krankheitserregern infizieren. Zur Fütterung sollten die üblichen Vogelhäuser verwendet werden und diese sollten regelmäßig ausgekehrt und mit heißem Wasser gereinigt werden.

Eine gute Futter-Basis bilden Sonnenblumenkerne. Im Handel erhältliche Futtermischungen enthalten zudem unterschiedliche Samen und Kerne – da ist für jede Vogelart etwas dabei. Meisen lieben das Gemisch aus Fett und Samen. Die ist selbst einfach herzustellen, aber auch als „Meisenknödel“ zu beziehen. Salzige Nahrung und Brot schaden den Tieren und sollten nicht auf der Speisekarte stehen.

Nistkästen bieten nicht nur die Möglichkeit, geschützt zu brüten – auch im Winter freuen sich Insekten und Vögel über eine gemütliche Bleibe.

So hilft man ... ... Igeln durch den Winter:

Die kleinen Stacheltiere halten jetzt eigentlich Winterschlaf. Findet man trotzdem einen Igel, ist es möglich, dass er in keinem guten gesundheitlichen Zustand ist. Mit Hunde- oder Katzenfutter und frischem Wasser kann man ihm seine Situation erleichtern. Keineswegs sollte dem Igel Milch anboten werden: Der darin vorhandene Milchzucker kann zu gefährlichen Durchfällen führen und die kleinen Tiere austrocknen. In einem Igelhaus, aber auch in einem Haufen aus Laub und Gestrüpp findet der Igel Schutz und einen geeigneten Platz für seinen Winterschlaf. „Im Zweifelsfall bringen Sie den Igel zu uns in die Wildvogel-Pflegestation nach Kirchwald“, rät Dr. Baronetzky-Mercier, „hier kann er in sicherer Obhut überwintern und im Frühjahr wieder in die Freiheit entlassen werden.“

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