Allgemeine Berichte | 16.11.2016

Volkstrauertag in der Verbandsgemeinde Unkel

Volkstrauertag soll Hoffnung sein

In Unkel nahmen auch zahlreiche Vereine an der Gedenkfeier teil. BDo

Verbandsgemeinde Unkel. An der Kriegergedächtniskapelle vor der Kirche St. Pantaleon in Unkel fand am Volkstrauertag eine Gedenkstunde statt. Bürgermeister Gerhard Hausen begrüßte dazu die Pfarrer Busch und Arend sowie VG-Bürgermeister Karsten Fehr, Monsignore Franz Lutz, Prälat Hermann Weber und zahlreiche Unkeler Bürger. Er wies drauf hin, dass sich hier die Unkeler Synagoge und der Pogrom am 10. November 1938 befand. Hausen sagte: „Ich versuche, mir vorzustellen, was unsere jüdischen Mitbürger am Morgen des 10. November 1938 gedacht und empfunden haben, als sie im ganzen Deutschen Reich die rauchenden Trümmer von mehr als 1.400 Synagogen, Betstuben und sonstigen Versammlungsräumen sahen.“ Er wies auf die Ängste der Menschen hin, die merkten, dass dieser Staat keinen Schutz mehr bot.“ Bald werde es keine Zeitzeugen mehr geben und es sei Aufgabe aller, immer wieder zu mahnen, damit sich die Geschichte nicht wiederholt. Auch gegen den wieder wachsenden Antisemitismus, Fremdenhass und die Islamfeindlichkeit müsse man entschieden auftreten. Angesichts der weltweiten Konflikte gelte es, „ein Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung und Frieden zwischen den Kulturen, Regionen und Konfessionen zu setzen.“

Trotz winterlicher Temperaturen hielt Alfons Mußhoff, Vorsitzender der CDU Unkel, eine lange, ergreifende Ansprache. Er wies darauf hin, dass in Europa und darüber hinaus Millionen Menschen ihr Leben für den „unnützen Kampf“ in den Weltkriegen gegeben haben. Allein aus Unkel waren 44 Tote im Ersten und 106 Gefallene sowie 23 Ziviltote im Zweiten Weltkrieg zu beklagen. Der Volkstrauertag sei daher „mehr als eine Erinnerung an geschichtliche Ereignisse.“ Auch in Unkel hatte am 10. November 1938 die Synagoge gebrannt. Mußhoff findet es daher richtig, dass an diesem Tag auch in Unkel an das Pogrom gegen deutsch-jüdisches Leben erinnert wird. Der Volkstrauertag sei nicht nur Erinnerung und Mahnung, sondern vor allem „ein Stück Hoffnung, dass die Menschen aus der Geschichte lernen, damit sie sich nicht wiederholt“.

Mußhoff betrachtete auch die aktuelle Situation: „Nach seriösen Angaben sind 2015 durch bewaffnete Konflikte rund 167.000 Menschen weltweit ums Leben gekommen. Über 5 der 7,3 Mrd. Menschen auf der Welt leben in Staaten, in denen es bewaffnete Konflikte gibt. 46 Millionen Menschen waren 2015 auf der Flucht oder wurden vertrieben.“ Aber auch in Europa zeige sich, „dass das Gedenken an unsere Toten mit ihrer Mahnung, Frieden zu halten, noch längst nicht überholt ist.“ Er sorgt sich, dass in vielen europäischen Ländern und auch in Deutschland nationalistische Bewegungen zunehmend Unterstützung der Bevölkerung gewinnen. Auch die EU werde immer weniger das große Friedensprojekt Europas. Der Einzelne habe nur einen geringen Einfluss auf die große Politik, aber „Frieden beginnt auch bei uns. Jeder kann in seinem Umfeld einen kleinen Beitrag für Frieden und Menschenrechte leisten. Wir alle sind beschenkt mit dem gesicherten Frieden in Mitteleuropa. Doch wir müssen auch etwas tun, damit das so bleibt.“ Dazu müsse man die Geschichte mit den nachfolgenden Generationen zu diskutieren.

Er sieht auch mit Sorge, „dass die Gewalt auch in unserer Gesellschaft zunimmt, gerade unter jungen Menschen. Fremdenfeindlichkeit und Rassismus scheinen langsam salonfähig zu werden. Das muss uns beschämen und wütend machen. Wir müssen lernen, Feindbilder abzubauen.“ Es sei für alle eine Pflicht, Toleranz gegenüber anderen zu üben, auch wenn sie verschieden von uns sind.

Er lobte daher, „wie im vergangenen Jahr Flüchtlinge in Unkel willkommen geheißen wurden und ihnen ein Stück Geborgenheit gegeben wurde: „Frieden beginnt im Kleinen. Um den Frieden muss sich jeder bei sich selbst bemühen, am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft oder in der Familie. Je früher soziale und kulturelle Werte vermittelt werden, desto erfolgreicher kann friedliches Zusammenleben gelingen.“ Mußhoff schloss mit einem Satz von Martin Luther King: „Wir haben die einfache Kunst verlernt, wie Brüder zu leben,“ und schloss: „King hätte sicherlich auch die Schwestern mit einbezogen.

Volkstrauertag als Mahnung zur Versöhnung in Rheinbreitbach

Pünktlich trafen sich am Volkstrauertag an der katholischen Kirche St. Maria Magdalena in Rheinbreitbach die Teilnehmer der Gedenkstunde zum Volkstrauertag 2016. Ortsbürgermeister Wolfgang Gisevius sowie die Feuerwehr, der Männergesangverein, die Burgbläser und zahlreichen Bürger und Bürgerinnen machten sich von der Kirche durch die Hauptstraße zum Denkmal unweit vom Kreisverkehr Hauptstraße/Bürresheimer Straße/Hauptstraße. Nach der Kranzniederlegungen durch den Ortsbürgermeister Gisevius und die örtliche Feuerwehr zeigten auch der Männergesangverein und die Burgbläser ihr Können auch bei getragenen Liedern und Musikstücken.

Im Anschluss daran fand der Ortsbürgermeister dem Tag angepasste Worte. Er erklärte: „Wir wollen heute hier am Denkmal die Erinnerung bewahren und gedenken der Millionen Toten, die Kriege und Gewaltherrschaft gefordert haben. Der Volkstrauertag, der der Trauer um die Opfer von Krieg und Gewalt gewidmet ist, wird im Bewusstsein unseres Volkes immer schwächer, aber er erhält mehr Bedeutung als Mahnung zu Versöhnung, Verständigung und Frieden.“ Er blickte zurück auf die Geschichte des Volkstrauertags als Gedenktag an die Toten des Ersten Weltkriegs. Wie er ausführte, sollte dieser Tag auf Vorschlag des 1922 bereits bestehenden Volksbund „Deutsche Kriegsgräberfürsorge“ ein Zeichen der Solidarität von Hinterbliebenen der Gefallenen und den derjenigen sein, die keine Verluste zu beklagen hatten.

Dass dieser Tag auch heute noch eine hohe Bedeutung hat, zeigte Gisevius ebenfalls auf: „Heute gedenken wir angesichts der vielen Flüchtlinge in allen Erdteilen der Mordopfer der Extremisten und derjenigen, die Bruderkriege anzetteln – wo immer sie auch wüten. Wir trauern um die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage, um die Opfer von Terrorismus und politischer Verfolgung, um die Bundeswehrsoldaten und andere Einsatzkräfte, die im Auslandseinsatz ihr Leben verloren und auch derer, die bei uns durch Hass und Gewalt gegen Fremde und Schwache Opfer geworden sind. Unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen – hier und überall in der Welt.“ Er schloss seinen Vortrag mit einem Gedanken des ehemaligen Kanzlers Willy Brandt: „Frieden ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts!"

Volkstrauertag soll Hoffnung sein

Volkstrauertag soll Hoffnung sein

Volkstrauertag soll Hoffnung sein

In Unkel nahmen auch zahlreiche Vereine an der Gedenkfeier teil. Fotos: BDo

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  • Rita Butz: Sehr schön verfasster Bericht , sehr zutreffend und diese beiden " Helden " üben eine Vorbildfunktion für unsere Gemeinde aus !! L. G. verbunden mit meiner höchsten Wertschätzung!!

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