Allgemeine Berichte | 07.04.2025, 14:37 Uhr

Wohin mit dem ungewollten Haustier?

Volle Tierheime können die Abgabeflut nicht mehr stemmen

Symbolbild. Foto: Deutscher Tierschutzbund e.V.
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Region. Während die Zahl der Menschen, die ihre Katze oder ihren Hund abgeben möchten, nicht abreißt, fehlt es in den Tierheimen derzeit oft an Kapazitäten, alle ungewollten Tiere zu übernehmen. Gründe für den Abgabewunsch der Halter sind meist Überforderung, fehlende Zeit, Beißvorfälle oder gestiegene Tierarztkosten.

„Wenn Menschen ihre Haustiere abgeben wollen oder müssen, sind Tierheime die erste Anlaufstelle. Gleichzeitig kümmern sich Tierheime um gefundene und behördlich beschlagnahmte Tiere. Sie haben damit eine systemrelevante Funktion in unserer Gesellschaft“, erklärt Lea Schmitz, Pressesprecherin des Deutschen Tierschutzbundes. In vielen Tierheimen fehlt derzeit jedoch der Platz, um Abgabetiere sofort aufzunehmen. Nur 18 Prozent der Tierheime haben noch Kapazitäten. Oft gibt es Wartezeiten, bis ein Platz frei wird. Insbesondere alte, kranke und im Verhalten auffällige Tiere belegen Tierheimplätze teils auf lange Zeit, bis sich neue Besitzer finden.

Verantwortungsvolle Vermittlung in passendes Zuhause

Findet sich auch nach intensiver Suche kein Tierheimplatz, empfiehlt der Deutsche Tierschutzbund den Haltern eine private Vermittlung innerhalb der eigenen Familie, im Freundes- oder Bekanntenkreis, ggf. auch über Aushänge in der Nachbarschaft oder Anzeigen in der örtlichen Presse. „Man sollte sicherstellen, dass das Tier in ein gutes Zuhause kommt und sich die Haltungsbedingungen anschauen. Tier und Interessent müssen sich vorab kennenlernen“, sagt Schmitz. Vor Verkäufen über Kleinanzeigenportale im Internet warnt der Deutsche Tierschutzbund hingegen: „Wer sein Tier online deutschlandweit anbietet, weiß nicht, in welche Hände es gelangt. Tiere werden schnell zu Wanderpokalen, die mehrfach weitergereicht bzw. verkauft werden. Für die Tiere eine Tragödie.“ Wer sein Tier aussetzt, handelt nicht nur verantwortungslos, sondern begeht auch eine Ordnungswidrigkeit. Es droht ein Bußgeld von bis zu 20.000 Euro. Kommt das Tier durch das Aussetzen ernsthaft zu Schaden, handelt es sich sogar um eine Straftat; das Strafmaß liegt bei bis zu drei Jahren Haft.

Wohin aber mit einem Tier, für das sich kein neuer Halter findet? „Am Ende ist und bleibt der Besitzer selbst verantwortlich für das Tier, das er sich zugelegt hat. Er muss für sein Tier sorgen - solange, bis sich eine Lösung findet.“ Am besten sei natürlich, gar nicht erst in diese schwierige Lage zu geraten. „Angesichts der vollen Tierheime ist es wichtiger denn je, die Anschaffung eines Tieres gut zu überdenken“, so Schmitz.

Politik muss Tierheime entlasten

Ursächlich für die kritische Lage der Tierheime ist die Politik, die die Heime über Jahrzehnte im Stich gelassen und zu wenig gefördert hat. Während es an finanziellen Mitteln für Neu- und Umbauten sowie Personal fehlt, reißt im Tierheim der „Nachschub“ ungewollter Tiere, die unüberlegt und oft ohne jede Sachkenntnis des Halters angeschafft wurden, nicht ab. Auch die fehlende deutschlandweite Kastrationspflicht für Freigängerkatzen trägt zu einer Überbelegung mit unerwünschtem Katzennachwuchs sowie Fundkatzen und verwaisten Kitten von Straßenkatzen bei. Um die Tierheime zu entlasten, fordert der Deutsche Tierschutzbund deshalb ein Verbot des Onlinehandels mit Tieren, eine verpflichtende Kennzeichnung und Registrierung für Hunde und Katzen, einen verpflichtenden Sachkundenachweis vor der Tieranschaffung und eine bundesweite Kastrationsplicht für Katzen mit Freigang. Die 80 Millionen Euro für Tierheime, die es laut eines AG-Papieres der Verhandler von Union und SPD in der kommenden Legislaturperiode geben soll, sind zwingend nötig, um den praktischen Tierschutz vor dem Zusammenbruch zu bewahren.

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