Spiritual Standards zum 21. Mal in der Ehrenwall’schen Klinik
Von Alaska bis Ahrweiler
Ahrweiler. Das Weihnachtskonzert am dritten Mittwoch im Dezember hat schon Tradition in der Dr. von Ehrenwall’schen Klinik. Längst hat sich die Klasse der renommierten Jazzmusiker Markus Burger (Piano) und Jan von Klewitz (Saxofon) als Geheimtipp über die Klinikwände hinaus herumgesprochen. Und so war der Lesesaal mit seinem erhabenen Ambiente auch in diesem Jahr bis zum letzten Platz gefüllt.
Dass die Musiker dem Haus so verbunden sind, stimmte auch Klinikleiter Dr. Christoph Smolenski munter, der von einem schweren Jahr für die Psychiatrie berichtete. Aufgrund von Reformen habe sich viel vom Therapeutischen ins Bürokratische verlagert, mitunter auch zulasten des kulturellen Angebotes, erläuterte er seine Bilanz. Umso schwerer wog die Freude, Spiritual Standards begrüßen zu dürfen.
Die Tradition begann vor 21 Jahren Weihnachtliches Liedgut, Volksweisen und nordische Klänge
1998 hatte Spiritual Standards, damals noch weniger bekannt, mit seinem gleichnamigen Debütalbum einen seiner ersten Auftritte in der Ahrweiler Klinik. Das Album gelangte auf Anhieb in die Top 20 der deutschen Klassik-Charts und Burger und von Klewitz sind seither auf nationalen und internationalen Konzertbühnen zu Hause. Auch für das diesjährige Weihnachtskonzert waren sie knapp 900 Kilometer aus Wien angereist.
Im Gepäck hatten sie Interpretationen von Bach und Luther, den Vätern des weihnachtlichen Liedgutes, Volksweisen, denen sie sich in diesem Jahr erstmals gewidmet haben und nordische Klänge aus Island und Alaska.
Beide Künstler sind Teil der von Burger gegründeten North Atlantic Jazz Alliance (Nord Atlantische Jazz Alliance), kurz NAJA, einem deutsch-amerikanischen Komponisten-Ensemble. Mit diesem Ensemble war das Duo dieses Jahr nach Alaska gereist und ließ sich für die neue Platte inspirieren. Von den Eindrücken der Reise und dem Fisch im hohen Norden zeigte sich Burger, der passionierter Hobby-Angler ist, beeindruckt. Bei „Remembering the Good Old Days“, einem Stück von der aktuellen CD „The Alaska Session“, konnten die Zuhörer in Erinnerungen schwelgen und sich dabei dem intensiven Dialog von Saxofon und Flügel hingeben, der gleich unter die Haut ging.
Ein weiteres Kennzeichen der Spielweise des Duos ist das kunstvolle Verweben der Stücke. Da gab es nahtlose Übergänge vom sakralen Bach (Jesus bleibet meine Freude) zum Volkslied „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“. Nicht minder „berauschend“ war die Interpretation von „Maria durch ein‘ Dornwald ging“ - einem Highlight der zweiten Hälfte. In der gefühlvollen Interpretation kamen Burgers außergewöhnliche Fähigkeiten am Flügel besonders zur Geltung. Von Klewitz beeindruckte in „Kommet ihr Hirten“ und einem Choral, den er für das Debütalbum geschrieben hatte.
„Heimspiel“ mit Anekdoten
Für Burger, der seit vielen Jahren in Amerika lebt und gebürtig von der Mosel stammt, sind die Konzerte in Ahrweiler mittlerweile schon fast ein Heimspiel. Denn seine Mutter lebt seit vielen Jahren im Ahrtal.
Er unterhielt das Publikum nicht nur als begnadeter Pianist, sondern auch mit Anekdoten zu und zwischen den Stücken. So erfuhren die aufmerksamen Zuhörer, warum das einzige Weihnachtslied in Island ausgerechnet ein Zahnarzt schrieb und wie es dazu kam, dass er in diesem Jahr sein erstes Konzert im Schlafanzugoberteil spielte. Zurückhaltend hingegen gab sich sein Duo-Partner Jan von Klewitz, der Burger gerne das Wort überließ. Und so bleibt es das Geheimnis der beiden, warum Burger den Saxofonisten den ganzen Abend „Herr Baron“ nannte…
Kurzum: ein kurzweiliger, unterhaltsamer Abend mit brillanter Musik. Das sahen auch die Zuhörer so und ließen das Duo nicht von der Bühne, ehe es zwei Zugaben gespielt hatte.
