Allgemeine Berichte | 11.11.2016, 16:59 Uhr

Heimatjahrbuch 2017 des Kreises Ahrweiler offiziell vorgestellt

Von Zitterbahnhof, Feuersbrunst und dem Weinbau im Jahre 2050

Eine Fundgrube über das Leben an Rhein, Ahr und Eifel - 74. Ausgabe seit 1926

Der Kreis Ahrweiler auf 276 Seiten: Landrat Dr. Jürgen Pföhler (r.) und Kreisarchivar Leonhard Janta stellten die jüngste Ausgabe des Heimatjahrbuchs vor, das wieder mit einer breite Themenpalette von der Geschichte bis zum Blick in die Zukunft des Landkreises aufwartet. FIX
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Bad Neuenahr-Ahrweiler. Kennen sie den „Zitterbahnhof“ von Remagen? Was sich heute eher humoristisch anhört, war in den harten Nachkriegsjahren für viele Menschen der Region alles andere als lustig, denn der Bahnhof der Römerstadt erhielt diesen Namen vom Volksmund aus gutem Grund. Unweit von Remagen, genauer gesagt in Rolandswerth, verlief auf der heutigen Bundesstraße 9 die Grenze zwischen englischer und französischer Besatzungszone. Übrigens genau dort, wo heute die Landesgrenze zwischen Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen liegt. Um das überaus karge Nahrungsmittelangebot ein wenig aufzustocken, versuchte man verbotenerweise, Lebensmittel aus der englischen in die französische Zone zu schmuggeln. Am Bahnhof Remagen wurden die „Hamsterer“ in den völlig überfüllten Zügen dann häufig von französischen Militärs oder deutschen Hilfspolizisten „gefilzt“, was oftmals eine Beschlagnahmung der in allen möglichen Verstecken eingeschmuggelten Naturalien zur Folge hatte. Mit schlimmen Folgen für die „Erwischten“, die dadurch mit noch weniger Essbarem zurechtkommen mussten. Aus Angst durchsucht zu werden ging mit der Einfahrt des Zuges in Remagen das große Zittern um – daher „Zitterbahnhof“. Diese bewegende Geschichte aus den 1940er-Jahren ist einer von insgesamt 66 Beiträgen 70 unterschiedlicher Autoren im soeben druckfrisch erschienenen „Heimatjahrbuch Kreis Ahrweiler 2017“. In dem mit Anzeigenteil 276 Seiten starken Werk bildet auch das 200-jährige Kreisjubiläum einen Schwerpunkt, wenn auch nicht mehr so ausführlich wie in der Ausgabe von 2016.

Reihe erscheint seit 1926

Wie schon seine Vorgänger, ist auch der 74. Jahrgangsband der seit 1926 mit Unterbrechungen erscheinenden Reihe wieder eine wahre Fundgrube über das Leben an Rhein, Ahr und Eifel in Vergangenheit und Gegenwart. So findet der Leser unter anderem einen umfangreichen Rückblick auf das vergangene Jahr mit den beiden Jahrhundertereignissen Kreisjubiläum und Jahrhunderthochwasser. Auch andere aktuelle Themen wie die ersten Ahrweiler Freiheitswochen, die Sonderausstellung „Deutsche Einheit“ in der Dokumentationsstätte Regierungsbunker oder die Bilanz des ersten G8-Abiturjahrgangs am Are-Gymnasium werden beleuchtet. Ein besonderes Highlight der Heimatjahrbücher sind traditionell die Aufsätze zu historischen Themen aller Art. Da bildet auch die aktuelle Ausgabe keine Ausnahme – im Gegenteil. So berichtet Hans Axler von der entsetzlichen Not der Menschen in Oberwinter während des Dreißigjährigen Kriegs (1618-1648), die Gewalt, Plünderungen und Brandschatzungen schwedischer Truppen über sich ergehen lassen mussten. Ein Raub der Flammen wurde vor 230 Jahren auch das Grafschafter Örtchen Bengen. Ursache dafür waren laut den von Ottmar Prothmann gesichteten Quellen allerdings nicht feindliche Soldaten, sondern eine erboste Ehefrau, die ihrem Mann ein glühendes Holzscheit hinterherwarf. Dieses landete jedoch nicht wie vorgesehen am Kopf des Gatten, sondern im Stroh der Scheune. Die verheerende Feuersbrunst nahm ihren Lauf. Der Ahrweiler Calvarienberg, aktuell durch den Weggang der Ursulinen vor großen Veränderungen stehend, beherbergte während des Ersten Weltkriegs (1914-1918) ein Reservelazarett; der Fund eines vorgeschichtlichen Randleistenbeils bei Altenahr kündet von der Archäologie der Bronzezeit im Kreis Ahrweiler.

„Ein wichtiges Kleinod“

Natürlich dürfen auch Beiträge über Kultur, Sport, Architektur, Technik, Religion, Mundart und Natur nicht fehlen, ebenso wenig wie die seit vielen Jahren im Heimatjahrbuch enthaltenen Gedichte des deutschlandweit bekannten Lyrikers Jochen Arlt. Und mit „Weinbau im Jahr 2050“ wagt Paul Gieler sogar schon einen Blick in die Winzerarbeit der Zukunft. Neben den immer interessanten, kurzweiligen und zum Teil sogar spannenden Texten besticht das Werk auch durch die Vielzahl der bis dato teilweise unveröffentlichten Fotos und Dokumente. „Ein wichtiges Kleinod, das den Sinn für das kostbare Gut namens ‚Heimat‘ schärft“, sagte Landrat Dr. Jürgen Pföhler im Rahmen der offiziellen Buchvorstellung in der Kreisverwaltung. Das mit Hardcover und in einer Auflage von knapp 5.000 Exemplaren erschienene Buch ist im örtlichen Buchhandel sowie bei weiteren Verkaufsstellen im Kreisgebiet zum Preis von 6,80 Euro erhältlich.

Der Kreis Ahrweiler auf 276 Seiten: Landrat Dr. Jürgen Pföhler (r.) und Kreisarchivar Leonhard Janta stellten die jüngste Ausgabe des Heimatjahrbuchs vor, das wieder mit einer breite Themenpalette von der Geschichte bis zum Blick in die Zukunft des Landkreises aufwartet. Foto: FIX

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