Allgemeine Berichte | 09.12.2024

Von globalen Trends zu persönlichen Erfolgsfaktoren

Martin Seidenberg. Foto: privat

Andernach. Die „Salentiner e.V.“, die Vereinigung ehemaliger Schüler, Lehrer und Unterstützer des Kurfürst-Salentin-Gymnasiums Andernach, veranstalten seit Jahrzehnten jährlich (meist im November) als „Salentiner-Forum“ einen Vortrag, in dem Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens – meist Abiturient*innen des KSG - über ein Thema aus ihrer beruflichen Sphäre berichten. Die Spanne reicht vom Bischof zum Diplomaten, von der Ägyptologin zum Physiker, vom Personalchef eines christlich geprägten Dienstleisters bis zum Vorstand eines Bundesligavereins oder eines Unternehmens des Energiesektors. Der Themenbereich Logistik kam bislang nicht vor. Grund genug für die Salentiner, mit Herrn Martin Seidenberg (Abitur 1992, Foto) einen CEO einzuladen, der führende Positionen bei DHL, GLS Deutschland und dann der gesamten GLS-Gruppe bekleidet hat und aktuell als CEO bei IDS, einer Dachorganisation von GLS und Royal Mail, fungiert.

Herr Seidenberg verband einen Schnelldurchgang durch die immens beschleunigte Globalisierung des Welthandels mit umfänglichen autobiografischen Bezügen. Es wies darauf hin, dass sich der Wert weltweiter Exporte im Warenhandel seit 1948 bis etwa 2014 nahezu exponentiell von 59 auf 18.962 Milliarden USD erhöht habe und seither weiter – wenn auch durch schwankendes BIP-Wachstum exportstarker Länder, Covid-Pandemie und Ukraine-Krieg beeinträchtigt – auf knapp 25.000 Mrd. USD angestiegen sei. Dieser Anstieg sei maßgeblich getrieben durch den fortschreitenden Zugang zum Internet, das 2005 lediglich für 15% der Weltbevölkerung verfügbar war, 2023 aber bereits von 67% und damit von zwei Dritteln der Menschheit genutzt wurde. National betrachtet ist der Markt der Kurier-, Express- und Paketbranche seit 2013 stets stärker als die deutsche Gesamtwirtschaft gewachsen.

In diesem Markt der expandierenden logistischen Notwendigkeiten kommt Management-entscheidungen, die oft bei unvollständigem Informationsstand und unter Zeitdruck getroffen werden müssen, weitreichende Bedeutung zu. Martin Seidenberg betonte, dass es weit weniger schädlich sei, eine falsche Entscheidung zu treffen (die ggf. aufwändig korrigiert werden muss) als einen Entschluss hinauszuzögern. Er berichtete facettenreich aus seiner Berufslaufbahn, die ihn nach 15 Jahren in verschiedenen Funktionen bei DHL zunächst wagnisorientiert zum CEO-Posten des damals vergleichsweise kleinen Paketdienstleisters GLS Deutschland führte.

Später zum CEO der gesamten GLS-Gruppe (mit Sitz in den Niederlanden) aufgestiegen, wagte er 2023 den Schritt in die Dachorganisation International Distributions Services von GLS und der seinerzeit stark defizitären Royal Mail. Seidenberg betonte, Neugier und Freude auf unvertraute Problemstellungen seien maßgebliche Triebfedern seiner Laufbahn gewesen und hätten ihn zu Wechseln bewogen, von denen viele Mitmenschen ihm abgeraten hätten.

In der abschließenden Diskussion kamen auch kritische Fragen etwa zum Umgang mit Mitarbeitern (der für GLS unter anderem vom Schriftsteller Günter Wallraff beschrieben wurde) zu Wort.

Sven-Erich Czernik als Vorsitzender der Salentiner dankte Martin Seidenberg für seine aufschlussreichen Ausführungen und überreichte ihm ein (vollkommen lokales) Weinpräsent.

Martin Seidenberg. Foto: privat

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