Vorlesewettbewerb NRW-Entscheid
Vorlesewettbewerb Rheinbach 2024: Sieger aus Aachen und Troisdorf für NRW-Entscheid qualifiziert
aus Rheinbach
Rheinbach. Großes Kino für die Ohren: Weißer Fuchs, Wölfe und ein bester Sommer
Beim Bezirksentscheid Köln-Süd des Bundesweiten Vorlesewettbewerbs in Rheinbach zeigten zwölf Kinder der Klassenstufe 6 Vorlesen auf höchstem Niveau, darunter Jonathan Fronhoffs vom Städtischen Gymnasium Rheinbach. Als Sieger dürfen Clemens Herold aus Aachen und Iannis Mensching aus Troisdorf am 13. Mai zum NRW-Entscheid in Mühlheim an der Ruhr.
Der Bundesweite Vorlesewettbewerb hat eine lange Tradition. 1959 von und mit Erich Kästner ins Leben gerufen, ist die Teilnahme mittlerweile für viele weiterführende Schulen in Deutschland ein fester Bestandteil der Jahresplanung und der schulinternen Leseförderung. Bundesweit rund 600.000 Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 6 versuchen, sich über verschiedene Wettbewerbsrunden für das Bundesfinale im Juni in Berlin zu qualifizieren. In Rheinbach hat die Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels besonders engagierte lokale Ausrichter gefunden. Nicht nur, dass alle drei weiterführende Schulen regelmäßig teilnehmen. Durch das Zusammenwirken von örtlichem Buchhandel, der Öffentlichen Bücherei Sankt-Martin und dem Verein „Rheinbach liest“ wurden in der Glasstadt in den letzten Jahren zehn Kreisentscheide, sechs Bezirksentscheide und 2022 sogar der NRW-Entscheid ausgetragen. Und dies in vorbildlicher Weise, wie das Publikum des jüngsten Bezirksentscheids am 22. März dem Moderator Andreas „Billy“ Moh in spontanen Saalinterviews erneut bestätigte.
Seit drei Jahren ist Melanie Korber von der Rheinbacher Buchhandlung kunterbunt in der Weiherstraße die Ansprechpartnerin des Börsenvereins. Sie begrüßte die rund 80 Besucherinnen und Besucher im Pfarrzentrum St. Martin und wünschte vor allem den Kindern viel Spaß. Den hatte es schon zuvor beim gemeinsamen Warm-Up mit Musicalsängerin Ricarda Kowalewski gegeben. Auch das von ihr gesungene Eingangslied „Ich bin bereit“ (Piano: Dirk Plücker) aus dem Disney-Film „Vaiana“ stand programmatisch für die nachfolgenden tollen Leistungen beim Lesen des etwa drei Minuten langen Wahltextes. Die Stadtsieger aus Bonn Mala Pues (Rick Riordan: „Tochter der Tiefe“) und Jette Voigt (Poetter: „Jukli“) machten ihre Sache ebenso gut wie der Euskirchener Kreissieger Aaron Seibt (Simak Büchel: Projekt Mimesis). Aufmerken ließ auch der Aachener Clemens Herold mit einer sehr souveränen Lesung aus Sarah Welks „Frei – Bester Sommer“.
Besonders zahlreich war der Rhein-Sieg-Kreis vertreten:
Emilia Schiffter-Weinle vom Antoniuskolleg in Neukirchen-Seelscheid (Kira Gembri: „Nelly Emberwing“), Iannis Mensching vom Troisdorfer Gymnasium „Zum Altenforst“ (Chen Jiatong: „White Fox“) und Jonathan Fronhoffs vom Rheinbacher Städtischen Gymnasium (Katrina Nannestadt: „Wir sind Wölfe“) hinterließen allesamt einen starken Eindruck. Emilia schilderte einen Flug des Fabelwesens Nelly so gut, dass Jurorin Corinna Lawlor rückmeldete, sie habe gleichsam den Wind in ihren Haaren spüren können. Iannis erschuf mit ganz viel Ruhe eine atmosphärisch dichte Szene beim Aufeinandertreffen des Polarfuchses „Dealer“ mit einem Fuchsrudel, das an seinem geheimnisvollen Mondstein interessiert ist. Jonathan las ebenso vortrefflich eine gleichermaßen emotionale wie dramatische Anfangsszene des Romans über die Flucht der fiktiven Familie Wolf aus Ostpreußen. Wie geht man damit um, wenn der kleine Bruder nach dem Eintreffen der Vermisstenmeldung seines Vaters „Hitler ist eine Ratte“ aus dem Fenster brüllt? Großes Kino für die Ohren.
Während sich die Jury, bestehend aus dem Romanisten Prof. Dr. Roland Ißler (Uni Frankfurt), Radio-Moderatorin Corinna Lawlor (Euskirchen), Rezitatorin Susanne Hartmanns (Ahrweiler), Rednerin und Märchenerzählerin Ingrid Czechanowski (Swisttal), Thomas Außem (Literatur im Siebengebirge) sowie die Bonner Autorin Chiara Jung, zu einer ersten Beratung zurückzog, plünderten die Kinder das Buffet.
Nach der Pause lasen Kinder des „Jungen Vorleseteams Rheinbach“ (Kilian Hällmayer, Maja Niebes, Henriette Schlenkhoff und Charlotte Hartmann) den sogenannten „Fremdtext“ an: „Calypsos Irrfahrt“ von Cornelia Franz. Zusammen mit den zwölf etwa zwei Minuten langen Textpassagen der Teilnehmer entstand ein beeindruckendes Hörerlebnis. Das Niveau war so hoch, dass das Fremdtextlesen nur wenig Bewegung in die Entscheidungsfindung bringen konnte, aber manchmal entscheiden Kleinigkeiten. Am Ende wurden der Aachener Stadtsieger Clemens Herold und Iannis Mensching aus Troisdorf zu Siegern gekürt. Die beiden Jungen ernteten den verdienten Applaus aller. Ricarda Kowalewskis zweites Lied „Ein Hoch auf uns“ fasste das positive Jury-Feedback musikalisch zusammen.
Neben neun anderen Kindern hatte Lokalmatador Jonathan sein großes Ziel, auf das er sich in vielen Coachings sehr engagiert vorbereitet hatte, nur knapp verpasst: Die Teilnahme am NRW-Entscheid. Der Moment der Enttäuschung währte jedoch nur kurz: „Ich bin dankbar für die Unterstützung meines Teams. Jetzt setze ich mir neue Ziele, z.B. meine Erfahrungen an die nächsten Jahrgänge weiterzugeben.“ Außerdem interessieren den 12-jährigen Wormersdorfer auch Hörspielproduktionen: „Bei so etwas würde ich gerne einmal mitmachen.“ Angesichts von Jonathans Talent könnte aus diesem Traum durchaus etwas werden.
Monika Flieger, 1. Vorsitzende von Rheinbach liest e.V., dankte den vielen helfenden Händen und zog ebenfalls ein positives Fazit. Dann lud sie noch alle Gäste kurzerhand zum Lesefest „Seitenknistern“ vom 24.-26. April in Deutschlands heimliche kleine Vorlesehauptstadt ein.
Der Stadtsieger aus Aachen, Clemens Herold, überzeugte die Jury und erreichte gemeinsam mit Iannis den NRW-Entscheid. Foto: Rheinbach liest e.V.
Der Rheinbacher Jonathan Fronhoffs las eindrucksvoll aus „Wir sind Wölfe“. Foto: Rheinbach liest e.V.
Emilia vom Antoniuskolleg in Neukirchen-Seelscheid stellt Moderator Andreas Moh ihr Buch „Nelly Emberwing“ vor. Foto: Rheinbach liest e.V.
