Allgemeine Berichte | 05.09.2018

Der BUND fragt nach: Argumente in der Waagschale

„Was wird Brüssel zu den aktuellen A 1-Planungen sagen?“

Luftbild eines ehemals im Bau befindlichen anderen Abschnittes der A 1.Dr. Zschocke (BUND)

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Die Argumente für den sogenannten „Lückenschluss“ der Autobahn 1 (A 1) im Bereich der Eifel werden von den Befürwortern gerne bei den Vorteilen im lokalen Bereich und dann noch möglichst vor der eigenen Haustür gesehen.

Grundsätzlich muss allerdings der Bau einer Autobahn, zudem hier verbunden mit einer kostenintensiven Trassenführung durch ein Mittelgebirge, vor dem Hintergrund des seit Jahrzehnten erkennbaren Klimawandels betrachtet werden.

lm Zusammenhang mit einer umweltpolitischen Güterabwägung werden bei einer grundsätzlichen Hinterfragung der jetzigen A1-Trasse seitens der zu beteiligenden Behörden in Brüssel die Anstrengungen für umweltverträgliche Alternativen (auch und gerade im Fernverkehr) geprüft und bewertet werden.

Wer sich den aktuellen Bundesverkehrswegeplan ansieht, kann die ablehnende Haltung des Bundes mit Blick auf die Elektrifizierung der Eifelstrecke Köln – Trier klar erkennen. „Deshalb wird Brüssel die vorgesehene Trassenplanung der A 1 sicherlich nicht unkommentiert lassen“, ist die Hoffnung von Reinhard van Ooyen von der BUND-Kreisgruppe Ahrweiler.

Ungereimtheiten in den Baukosten?

Der Vergleich der Baukosten in Höhe von 500 bis 600 Mio. Euro für die A 1 (die neue Variante mit Tunnel in Nord-Rhein-Westfalen noch gar nicht eingerechnet) zwischen Blankenheim und Kelberg mit etwa 30 Kilometer Länge zeigt noch mehr Ungereimtheiten: Die umwelt- und strukturrelevante Elektrifizierung der Eifelstrecke Köln - Trier und einem damit verbundenen infrastrukturellen Ausbau, der auch abschnittsweise die Wiedererrichtung des zweiten Gleises umfassen würde, ließe Kosten in Höhe von „nur“ etwa 330 bis 400 Mio. Euro für 152 Kilometer anfallen.

Der Hintergrund: lm Jahr 2028 läuft der Verkehrsvertrag zwischen den beteiligten Aufgabenträgern im Bereich des sogenannten ,,Kölner-Dieselnetz“ aus. Die hierin enthaltenen Strecken Köln - Trier, Bonn-Euskirchen, Bonn-Remagen-Ahrbrück und Euskirchen-Bad Münstereifel werden auf nordrhein-westfälischer Seite zu weitaus überwiegenden Teilen unter völlig anderen Rahmenbedingungen neu auszuschreiben sein.

Denn: Die seit dem Jahr 2013 in diesem Netz eingesetzten Dieseltriebwagen des Typs ,,Coradia-Lint“ lassen sich aus Umweltsicht mangels Rußpartikelfilter als ,,Dreckschleudern“ bezeichnen.

Ausbau auch für den Schienenverkehr interessant

Neben dem Ausbau der Strecke Köln-Trier für den Bereich des Schienennah- und Fernverkehrs würde die Achse Köln-Trier natürlich auch für den Schienengüterverkehr interessant werden.

Denn laut Eisenbahnbundesamt kann die linke Rheinstrecke sicherlich nicht noch weitere Verkehre im Bereich des Schienengüterverkehrs aufnehmen. Sämtliche Transporte von Massenschüttgütern wie Kohle und Erz könnten von den Nordseehäfen statt entlang des Rheins durch die dünn besiedelte Eifel elektrisch und damit umweltfreundlich transportiert werden.

Dies gilt insbesondere für Transporte in und aus der Region Saar-Lothringen-Luxemburg, wo die Eisenverhüttung und die stahlverarbeitende lndustrie immer noch eine große Rolle spielen.

BUND kommentiert

Der BUND: „Eine volkswirtschaftliche und damit auch Umweltaspekte berücksichtigende Gesamtbetrachtung der zukunftsweisenden Entwicklungen im angesprochenen Verkehrsraum existiert leider bis heute nicht. Die lnaktivität der Bundes- und Landesbehörden wird hoffentlich die richtige Würdigung und Aktivierung durch die zuständigen Behörden in Brüssel erfahren!“Pressemitteilung

der BUND-Kreisgruppe Ahrweiler

Luftbild eines ehemals im Bau befindlichen anderen Abschnittes der A 1.Foto: Dr. Zschocke (BUND)

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