Remagener Maler setzte sich für die Wüstenlöwen Namibias ein
Wenn Kunst und Tierschutz sich treffen
Das von Eberhard Marx gemalte Preis-Bild gewann Marc Bors
Remagen/Swakopmund. Ein Löwe steht auf einem Podest, den Kopf erhoben, das Maul zum Brüllen geöffnet, die rechte Pranke vorgestreckt. Auf dem Ölgemälde, das Eberhard Marx „Dem letzten seiner Art und seinen tapferen Bezwingern“ genannt hat, gerinnt der Protagonist zur steinernen Erinnerung einer ausgestorbenen Spezies.
Noch ist es nicht so weit. In Namibia, wo der Remagener Maler vor Jahresfrist eine Einzelausstellung hatte, gibt es noch Wüstenlöwen. Es handelt sich um Tiere, die sich auf eine einzigartige Weise ihrer Umgebung angepasst haben. An der Skelettküste, einem Teil der Namib-Wüste, sollen Löwen sogar schon auf Robbenfang gegangen sein. Derzeit sind sie in einer Population von 100 bis 120 vertreten. Eine geringe Anzahl, zumal nur jeder zehnte männliche Löwe das Erwachsenenalter erreicht. Marx, den großen Naturfreund, ließ das nicht kalt, als er 2018 anlässlich der Vernissage seiner Einzelausstellung in der Fine Art Gallery von Martina von Wenzel nach Swakopmund reiste und gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Brigitte Miltenburger das Land erkundete.
Die ohnehin harte Existenz der prachtvollen Kreaturen wird dort, wo die Lebensräume von Mensch und Raubtier aufeinanderstoßen, verstärkt. Am Rande der Namib-Wüste, die vom Norden Namibias über die Skelettküste, Swakopmund und Walvis Bay bis hin zum Diamantensperrgebiet um Lüderitz reicht, erschließen Rinderhirten ständig neue Weidegebiete für ihre Herden. Konflikte sind programmiert. Wenn die Löwen Jagd auf Nutz- und Weidetiere machen, dürfen die Rinderbesitzer sie abschießen. „Namibia hat kein rigoroses Tierschutzgesetz“, erklärt Marx. Und so kommt es, dass auch Großwildjäger ein Anrecht auf eine gewisse Abschussquote haben und den Bestand weiter dezimieren. Indes gibt es einen positiven Nebeneffekt: Die Einnahmen aus den Jagden, die die Dorfgemeinschaften erhalten, haben bei diesen dazu geführt, den Tierschutz attraktiv zu machen. Es ist ein zwiespältiger Anreiz.
Verlosung für Löwen
Eberhard Marx, der für seine Ausstellung eigens neue Bilder malte, die durch das Land mit seiner faszinierenden Natur inspiriert waren, wollte einen eigenen Beitrag zum Schutz der Wüstenlöwen leisten. Das brachte ihn auf die Idee, eines der Gemälde für diesen Zweck zu spenden. Eine Lotterie sollte einen Gewinner als zukünftigen Besitzer ermitteln. „Jüngere Studien gehen davon aus, dass die Löwenpopulation in Afrika im letzten Jahrzehnt um 90 Prozent zurückgegangen ist“, stand unter anderem auf den Losen, die auch das zu verlosende Bild des „German Surrealists“ abbildeten. Pro Los betrug der Preis 100 Namibia-Dollar, was etwa 6,45 Euro entspricht. Der Erlös ging an die Organisation DeLHRA (Desert Lions Human Relation Aid), die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Konflikte zwischen Menschen und Wildtieren in der Kunene-Region Namibias abzumildern. DeLHRA liefert den Landwirten die Werkzeuge und das Know-how, um ihr Vieh und letztlich ihren Lebensunterhalt zu schützen. Sie klärt die lokalen Gemeinschaften über den Wert des Naturschutzes auf und sucht gemeinsam mit ihnen langfristige Lösungen für den Erhalt gefährdeter Wildtiere.
In Namibia brachte Marx‘ Galeristin Martina von Wenzel die Lose unter die Menschen. In Remagen konnte man sie in der Galerie Rosemarie Bassi erwerben und beim Maler selbst. Unter denen, die bei den vielen Hundert Losen zugriffen, war auch Marc Bors, Wirtschaftsförderer der Stadt. Doch nicht in dieser Eigenschaft wurde er tätig, sondern als Privatmann. Groß waren die Überraschung und die Freude, dass er nun das Löwenbild, das bereits nach Namibia gereist ist, sein eigen nennen darf. Dazu gratulierten ihm auch Martina von Wenzel und der Schöpfer des Bildes, Eberhard Marx, die sich am Rheinufer zum Gruppenbild mit Gemälde einfanden. HG
