Rheinbach liest
„Wenn es mich nicht mehr loslässt …“
Erfolgreiche zweite Auflage der Bücher-Stimmen vor 120 Gästen im ausverkauften Glasmuseum
Rheinbach. Einen Tag nach dem Welttag des Buches - „Vorausschauend! Denn wir wollten dem Festtag der BVB-Fans nicht in die Quere kommen“, - (augenzwinkernder O-Ton Moderator Gerd Engel) - präsentierten vier Literaturfreunde ihr Lieblingsbuch des Lesefrühjahrs. Kostproben davon wurden jeweils von den beiden Rheinbacher WDR-Sprechern vorgelesen. „Das war brillant!“, so eine Besucherin aus Swisttal, die ihren Mann im Schlepptau hatte („Der liest eigentlich nicht viel. Aber zuhören kann er ja.“). Anja Delschen, die seit knapp zehn Jahren im Weilerfeld wohnt und sich mit ihrer fünfköpfigen Familie „in Rheinbach richtig wohl fühlt“, stellte die andere Seite des Himmels vor. Ein stark autobiographisch geprägter Roman von Jeanette Walls („Schloss aus Glas“) über zwei Mädchen im Amerika der 70er Jahre, die sich wegen ihrer überdrehten Mutter auf sich selbst und auf ihre Großfamilie im ländlichen Virginia verlassen müssen. „Ein gutes Buch habe ich dann gefunden, wenn es mich nicht mehr loslässt“, so die gebürtige Krefelderin. Ihr Plädoyer machte so viel Eindruck, dass dieses Buch der Bestseller auf dem Büchertisch der Buchhandlung Kayser wurde. Christoph Steeger, Inhaber der „Alten Krähe“ in Krälingen, berichtete, wie er sich mit seiner Frau Gabi Langen den Traum vom Wohnen auf dem Lande mit dem anderen Traum eines Kulturcafés erfüllt hatte. Sein Buchtipp: Auf das uns vergeben werde der New Yorkerin Amy Michael Homes. Ihm gefiel die unverstellte Sprache, der groteske Humor und die bewegende Story vom Durchschnittstypen, dem vom Schicksal übel mitgespielt wird und am Ende verändert und gestärkt wieder aufsteht.
Nach der Pause galt der Dank von Gerd Engel auch im Namen der Veranstalter „Rheinbach liest“ und Kulturamt Rheinbach den Unterstützern: Optik Schulz, Hörakustik Tegtmeier, 4events und Buchhandlung Kayser. Klaus Stasch, Geschäftsführer von Hörakustik Tegtmeier: „Ich glaube, was hier in Rheinbach in Sachen Kultur auf die Beine gestellt wird, diese Qualität, das gibt es in kaum einer anderen vergleichbaren Stadt dieser Größenordnung. So ein Engagement unterstützen wir gerne.“
Anschließend stellte Petra Hesse-Dubyk, Rheinbacher Rechtsanwältin, das neue Buch des Bestsellerautors Ferdinand von Schirach vor. „Ich wollte immer mal was lesen von ihm. Tabu ist ganz anders, als mein sonstiger Lesestoff, aber es hat mich einfach immer weiter beschäftigt und mich auch auf den Menschen von Schirach und seine Familiengeschichte neugierig gemacht. Ich glaube, es ist sein bisher persönlichstes Buch.“
Nr. 4 im Buchpatenquartett war der Pallottiner-Seelsorger Pater Horst Liedtke. Er war im Vorjahr schon dabei gewesen und hatte da Andreas Izquierdos Das Glücksbüro vorgestellt. Nun hieß sein Buch Glückskind (Steven Uhly), weswegen er von Moderator Engel nach seiner persönlichen Vorstellung von Glück gefragt wurde. „Wenn man jemandem findet, mit dem man durchs Leben gehen kann. Das ist schon toll, auch wenn man dann nicht jeden Tag sein Glück in die Welt hinaus schreit.“ Der Protagonist in Uhlys Buch, sei ein verlotterter Mann, der beim Müll wegbringen ein Findelkind findet, das zu seinem Glückkind wird. Die Geschichte werde vom in Köln aufgewachsenen Autor so leise und genau beobachtend erzählt, dass es eine Freude ist.
Die Gesprächs- und Lesungsblöcke wurden jeweils mit Musik von jäzz sofort eröffnet, abgeschlossen und übergeleitet. Die vorwiegend selbst komponierte Mischung aus Jazz, Blues und Pop, die Jörg Hermes (St. Augustin) und Michael Schneider (Bonn), beide Dozenten der Musikschule Meckenheim - Rheinbach - Swisttal, ihren Jazz-Gitarren entlockten, riss das Publikum zu Beifallsstürmen hin. Die beiden Musiker genossen wiederum die Lesung, lobten das aufmerksame Publikum und das Ambiente im Glasmuseum, das von Harvey Scherer (4events) eindrucksvoll in Ton und Licht getaucht war.
Nach drei Stunden, inklusiver gemütlicher Pause, entließ Gerd Engel ein zufriedenes Publikum. Während die fleißigen Helfer von Rheinbach liest und des Kooperationspartners, der öffentlichen Bücherei St. Martin, bereits aufräumten, blieb mancher Gast noch bei einem Kölsch stehen. Marita Fischer (47) war extra aus Hennef gekommen und urteilte präzise: „BücherStimmen: Gutes Format. Abwechslungsreich und rundum stimmig. Vorleser hervorragend. Musik grandios. Moderation locker und charmant. Das erste Buch würde ich am liebsten sofort zu lesen beginnen.“
