Der Heimatverein Rheinbreitbach feierte sein beliebtes Museumsfest
Wenn „et Frollein“ zur Sonntagsschule ruft
Zahlreiche Aktionen luden zum Mitmachen ein und unterhielten Groß und Klein
Rheinbreitbach. Alle zwei Jahre lädt der Heimatverein Rheinbreitbach um seine Vorsitzenden, Dankward Heinrich und Heike Riznar zum Museumsfest ein. So öffnete der 1650 gebaute Winzerhof, ein Kleinod im Herzen des Ortes, auch am vergangenen Sonntag nicht die zehn Räume voller Alltagsgeschichte. Gefeiert wurde angesichts der warmen Temperaturen im großen Hof zwischen dem alten Brunnen und dem großen Geräteschuppen. Stehtische und Pavillons hatte der Verein tags zuvor bereits am Bauerngarten und am Weinberg aufgebaut.
Dankward Heinrich hatte die ersten Besucher in das „Klassenzimmer anno dazumal“ beordert, wo „et Frollein“ schon auf die „Sonntagsschüler“ wartete. Stehend und im Chor begrüßten diese Martina Rohfleisch, die wie schon so oft die Rolle der Lehrerin übernommen hatte. „Stehst du gefälligst auf, wenn du was zu sagen hast. Und vorher wird sich doch wohl manierlich gemeldet, ohne Schnipsen mit dem Zeigefinger der rechten Hand, während die linke den Ellenbogen abstützt“, instruierte sie gestreng ihre Schüler, um sich dann mit dem Johanniskraut der Heimatkunde zu widmen.
Ihre Pflanzenkenntnisse hat Martina Rohfleisch auch an ihre Tochter Felicia weitergegeben, die „Grillmeister“ Philipp Messingfeld als Museumsgärtner abgelöst hat. Von ihr erfuhren die Festgäste einiges über die Pflanzen im eingezäunten Bauerngarten. „Mit dem ‚guten Heinrich‘ ist ausnahmsweise nicht unser Vorsitzender gemeint, sondern diese ausgesprochen pflegeleichte Gemüsesorte, im Volksmund auch als wilder Spinat bezeichnet, die früher in ganz Europa angebaut wurde“, erklärte Felicia Rohfleisch und beantwortete damit auch gleich eine Frage der Museumsrallye für Kinder. Die führte zunächst in die Schusterwerkstatt, in der zwischen allerlei Werkzeug und einer Poliermaschine mit der Schusterkugel die Lichtquelle gefunden werden konnte, die den Arbeitsplatz ausleuchtete, als es noch keine Glühbirnen gab. Die Treppe hinauf ging es dann in das Bergbauzimmer zu den verschiedenen Mineralien, zu den uralten römischen Münzen und zur heiligen Barbara, deren Symbol herausgefunden werden musste.
„Hier haben wir auch ein Exponat, dass genau 300 Jahre alt ist“, verwies Bergbau-Spezialist Jürgen Fuchs auf eine sogenannte „Hauszier“, die an der Wand hing. Sie stammt aus dem Fundus des ehemaligen Ehrenwehrleiters Josef Schultheiß und hing ab 1718 an dem Erker des Hauses Westerwaldstraße 28, der später abgebaut wurde, weil zu viele Lastwagen dagegen gefahren waren. „Der Hobby-Ahnenforscher aus Leverkusen Hartmut Hölzer, dessen Familiengeschichte hier in Rheinbreitbach bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht, hat anhand der Buchstaben ‚G‘ und ‚D‘ sowie der beiden gekreuzten Hämmer herausgefunden, dass der Steiger Göddert (Gottfried) Doll in dem besagten Jahr das Haus zusammen mit seiner Frau Maria Waldorf bewohnt hat“, so Fuchs.
Während der Hobbygenealoge im Blauen Salon an ihrer Familiengeschichte interessierten Gästen bereitwillig Auskunft gab, durchsuchte Rallye-Teilnehmer die Küche, anno dazumal das Reich der Hausfrau. Weiter ging es im Schulzimmer, das die Sonntagsschüler inzwischen verlassen hatten. So konnten die kleinen Heimatforscher ganz nah an das neue Bild treten, auf dem man über Rheinbreitbach und den Koppel-Weinberg hinweg auf den Rhein mit den beiden Inseln Nonnen- und Grafenwerth blickt, während im Hintergrund die Godesburg und am Horizont sogar der Kölner Dom zu sehen sind.
Für die letzte Aufgabe, das Zeichnen eines Weinfasses, ging es dann die steilen Stufen hinab in den Gewölbeweinkeller, vor dem der Verein die Preise für die erfolgreichen Rallye-Teilnehmer aufgebaut hatte. Die aber mussten sich jetzt erst einmal ausgiebig stärken mit Wildbratwürsten und Steaks vom Grill, wenn sie nicht direkt bei den Torten und Kuchen der Cafeteria zugriffen, die im Eingangsraum neben der Bibliothek aufgebaut worden war. Da hatten draußen längst die Burgbläser unter Leitung von Jennifer Menden die Regie übernommen. Trotz der musikalischen Aufforderung „Annie, get your Gun“ mussten selbst die allerersten Besucher, drei Gänse, nicht befürchten, auf dem Grill zu landen, sondern feierten mit den Museumsfestgästen bis in den späten Nachmittag, den Henning Spohr gewohnt jazzig gestaltete. DL
Vor 300 Jahren schmückte diese „Hauszier“ die Bleibe von Steiger Göddert Doll.
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HeimatHelden: Saffig: Peter Röttgen und Dieter Sill sind für ihre Mitmenschen im Einsatz
- Rita Butz: Sehr schön verfasster Bericht , sehr zutreffend und diese beiden " Helden " üben eine Vorbildfunktion für unsere Gemeinde aus !! L. G. verbunden mit meiner höchsten Wertschätzung!!
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