Allgemeine Berichte | 02.11.2020

Premiere im Schlosstheater „Gut gegen Nordwind“ - ein virtuelles tête à tête

Wie Telefonsex ohne Sex und ohne Telefon

Kurz vor dem „Lockdown light“ begeistern Alexandra Kamp und Ronald Spiess in der zeitgenössischen Liebeskomödie auf Abstand – im November finden keine Vorstellungen statt

Alexandra Kamp überzeugte als Emmi Rothner und Ronald Spiess als Leo Leike.Fotos: Schlosstheater

Neuwied. Gleich zu Beginn der letzten Premiere vor dem zweiten „Lockdown“ meldete sich Intendant Lajos Wenzel auf der Bühne zu Wort: „Dies ist die letzte Premiere vor dem 2. Lockdown - alle Kultureinrichtungen müssen im November geschlossen bleiben. Wie respektieren natürlich, dass das so sein muss, obwohl wir es nicht wirklich verstehen. Es tut weh, nicht mehr spielen zu dürfen. Wir versuchen, für die Künstler und für unser Publikum die bestmögliche Lösung zu finden.“

Und zum Abschluss trumpfte die Landesbühne noch einmal auf, mit der Premiere zu „Gut gegen Nordwind“. Unter der Regie von Dominik Paetzholdt entstand das Zwei-Personen-Stück um die „E-Mail-Beziehung“ zweier Menschen, die sich noch nie gesehen haben und die sich am Ende der Geschichte auch nie gesehen haben werden. Durch eine fehlgeleitete Mail lernen sich Emmi Rothner und Leo Leike kennen, und es entwickelt sich im Laufe der Zeit eine Romanze. Sie ist allerdings gebunden, mit Ehemann und zwei Kindern, er kämpft als Single mit einer gerade in die Brüche gegangenen Beziehung.

Die Zuschauer gehen mit auf eine turbulene Reise durch die Gefühle der Protagonisten, ihre Hoffnungen und Ängste und schließlich durch das Scheitern einer Beziehung, die streng genommen nie das Licht der realen Welt erblickt. „Vielleicht gut so“, sagt der eine, „Schade“, denkt der andere. Fakt ist, es ist keine Sekunde langweilig, diesem Stück zu folgen. Beide Darsteller verstehen es, das Publikum mit ihrem Gefühlsleben aufzuwühlen und in Atem zu halten. Bis zum Schluss ist nicht klar, wie es ausgeht. Und das ist der Verdienst der Regie und der beiden Schauspieler, die ihre Zuschauer nie aus den Augen lassen. Man hat das Gefühl, beide sind in einem Raum, denn auf der Bühne agieren sie nur durch eine imaginäre Linie getrennt. Dabei wissen beide nicht einmal, wie der jeweils andere aussieht, ein persönliches Treffen scheitert gleich zweimal. Und dann ist Schluss. Unspektakulär und der modernen Zeit angepasst mit dem Löschen des E-Mail-Accounts.

Standing Ovations

Mit Standing Ovations belohnt das Publikum diese herausragende Leistung des Teams, Alexandra Kamp und Ronald Spiess auf der Bühne, Dominik Paetzholdt als Regisseur, Thomas Riemenschnitter, Axel Koltermann, Mitch Brust, Martin Stennes, Tyra Mae Darlington (Technik) und Mario Clos (Werkstatt) sowie Sylvia Rüger (Kostümwerkstatt). Alle zusammen haben dafür gesorgt, dass die Zuschauer einen unterhaltsamen und auch ein wenig hintergründigen Theaterabend genießen konnten.

Zum Schluss ergriff Alexandra Kamp das Wort: „Wir waren so voller Hoffnung. Wir kamen mit großen Koffern, weil wir dachten, wir könnten den ganzen November spielen. Und jetzt? Nichts können wir!“ Man merkt ihr den Frust und die Traurigkeit an. „Dennoch sind wir froh, dass Sie gekommen sind, dass die Neuwieder zu ihrem Theater stehen.“

Intendant Lajos Wenzel: „Wir werden nicht alle ausgefallenen Vorstellungen nachholen können. Aber im Sommer werden wir die meisten Vorstellungen „Mausefalle“ und „Gut gegen Nordwind“ im Rahmen der Rommersdorfer Festspiele als angehängtes Theaterfestival spielen.“-HE-

Intendant Lajos Wenzel begrüßte die Zuschauer mit schlechten Nachrichten. Im November dürfen keine Vorstellungen stattfinden. Foto: HE

Intendant Lajos Wenzel begrüßte die Zuschauer mit schlechten Nachrichten. Im November dürfen keine Vorstellungen stattfinden. Foto: HE

Emmi Rothner spielt mit dem Feuer - letzten Endes verlieren beide.

Emmi Rothner spielt mit dem Feuer - letzten Endes verlieren beide.

Alexandra Kamp überzeugte als Emmi Rothner und Ronald Spiess als Leo Leike.Fotos: Schlosstheater

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