Allgemeine Berichte | 18.03.2024

Die Nähwärmeversorgung im Weinort soll kommunal, günstig und nachhaltig sein

Wiederaufbau: „Kalte“ Dorfwärme für Rech

Rech an der Ahr, etwa ein Jahr nach der Flut.  Foto: ROB

Rech. Im Zuge der Flutkatastrophe 2021 wurde die private und kommunale Heizinfrastruktur in Rech weitestgehend zerstört. Bereits wenige Wochen nach der Flut wurden unter anderem die ersten Planungen für den Wiederaufbau der Wärmeversorgung gemeinsam mit der Zukunft Mittelahr AöR (ZMAhr) sowie den Ortsgemeinden Dernau, Rech und Mayschoß vorangetrieben. „Wir wollen in Rech und an der Mittelahr einen sichtbaren Beitrag zum Wiederaufbau unserer ModellRegion leisten. Der kommunale und nachhaltige Wiederaufbau der Wärmeinfrastruktur ist unser Auftrag. Die Zerstörung unserer Heimat als Chance für die Zukunft zu nutzen, ist unser Ziel. Wir setzen daher für Rech auf ein Konzept, das eine CO2 neutrale Wärmeversorgung zu stabilen Preisen ermöglicht. Wir sparen bereits jetzt jährlich bis zu 650 Tonnen CO2 ein. Auf 10-Jahressicht liegen wir nach aktuellen Studien zudem auch noch deutlich unter den Preisen pro Kilowattstunde im Vergleich zu Öl, Gas oder Pellets als Heizquelle“ so Niki Kozisek, kommunaler Projektleiter und Vorstand der ZMAhr.

„Kalte Dorfwärme“

Aufgrund der Beschaffenheit und Ortsstruktur von Rech, hat sich die Gemeinde für das Konzept der „kalten“ Nahwärme entscheiden. Dieses Verfahren basiert auf dem Prinzip eines geschlossenen Heizkreises, bei dem Erdwärme mittels Sonden-Bohrungen aus dem Untergrund erschlossen wird. Hierfür werden spezielle Sole-Sonden in eine Tiefe von ca. 150 Metern eingelassen, die die umliegende Erdwärme aufnehmen. Anschließend wird die Wärme über ein Sole-Gemisch in einem robusten Ringleitungsnetz zu den einzelnen Hausanschlüssen transportiert. Dort heben die von den privaten AnschlussnehmerInnen verbauten Sole-Wasser-Wärmepumpen die bereitgestellte Energie durch Verdichtung auf das individuell gewünschte bzw. benötigte Temperaturniveau an. Da sich dieses Heizkonzept auch hervorragend in Altbaubeständen realisieren lässt, können künftig alle BürgerInnen von dieser innovativen Initiative profitieren. Das Netz ist so ausgelegt, dass potenziell alle Liegenschaften eine Anschlussmöglichkeit an das Recher Nahwärmenetz erwerben können. Dies ist für eine Ortsgemeinde in Deutschland so bislang einzigartig.

Inbetriebnahme im März

Nach nur zweieinhalb Jahren intensiver Planungs-, Genehmigungs- und Bauphase können nun bereits die ersten Häuser angeschlossen und das Netz kommerziell in Betrieb genommen werden. Am 18. März 2024 fand die offizielle Inbetriebnahme in Rech durch Ministerin Kathrin Eder vom Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität (MKEUM) sowie durch Verbandsgemeindebürgermeister Dominik Gieler und Ortsbürgermeister Thomas Hostert statt. „Wir freuen uns, dass so ein Großprojekt, das im Normalfall eine deutlich längere Planungs- und Bauzeit in Anspruch nimmt, so schnell umgesetzt werden konnte und Rech im Bereich der Wärmeversorgung fortan nachhaltig und zukunftsorientiert aufgestellt ist. Unser Dank gilt insbesondere der Verbandsgemeinde Altenahr, dem Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität (MKUEM), der Energieagentur RLP sowie der Hochschule Mainz und Prof. Thomas Giel, die das Projekt von Beginn an begleitet, beraten und gefördert haben. Darüber hinaus gilt unser Dank allen Beteiligten, die in der Planung und Ausführung zur erfolgreichen Umsetzung des Projekts in der ersten Leistungsstufe beigetragen haben“, so Niki Kozisek weiter.

Ausblick und Chance

Zum Start der Recher Nahwärme-Versorgung haben sich 53 der 230 möglichen Haushalte durch Unterzeichnung eines Vorvertrags verpflichtend für einen Anschluss entschieden. In einem ersten Schritt werden in den nächsten Wochen davon sukzessive 34 Liegenschaften in Rech Nord und Süd angeschlossen. Die restlichen Liegenschaften werden in einer bereits in der Planung befindlichen zweiten Leistungsstufe zum Anschluss an das Netz befähigt. „Dass unser Netz technisch funktioniert, haben wir mit der Inbetriebnahme in Rech Nord bereits gezeigt. Wir sind daher zuversichtlich, dass sich auch aufgrund der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung perspektivisch noch mehr Haushalte an unser Nahwärmenetz anschließen werden. Wir wollen als Ortsgemeinde Rech unseren Bürgerinnen und Bürgern eine ökonomisch und ökologisch interessante Alternative zu herkömmlichen Heizformen anbieten. Die Regierung setzt dazu bereits erste, notwendige Impulse in Form von neuen privaten Bundes-Förderungen. Aber auch eine kommunale Unterstützung ist weiterhin zwingend erforderlich, um die Wärmewende als Kommune wirtschaftlich vollziehen zu können“, so Thomas Hostert, Ortsbürgermeister von Rech. „Bis 2035 soll mindestens die Hälfte unserer Gebäude in Rech aktiv an das Netz angeschlossen werden. So können wir die geplante Wirtschaftlichkeit gut erreichen und vielen BürgerInnen von Rech die Möglichkeit geben, klimaneutral zu heizen. Als kleine Gemeinde tragen wir damit unseren Teil zur Energiewende bei“, fügt Hostert hinzu.

Pressemitteilung

                   Zukunft Mittelahr AöR

Rech an der Ahr, etwa ein Jahr nach der Flut. Foto: ROB

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