Allgemeine Berichte | 15.04.2024

Naturschutzgarten Niederwerth

Wiegen für den Nachwuchs von Familie Hirschkäfer

Ob hier vielleicht schon Larven des Hirschkäfers leben?  Fotos: Stefan Krumme

Niederwerth. Bald fliegen sie wieder! Die Hirschkäfer. Wer sie einmal dabei beobachtet hat, wird es nicht mehr vergessen: Unendlich langsam, wie eine Mini-Drohne. Ja, der riesige Hirschkäfer kann tatsächlich fliegen. Als fertiger Käfer lebt er höchstens ein, zwei Monate. In dieser kurzen Zeitspanne muss der langsame Flieger eine geeignete Kinderstube finden. Das ist für sie nicht mehr einfach. Sie bevorzugen altes, angemodertes Eichenholz, aber auch das Totholz von alten Obstbäumen. Und genau das ist sein Problem. Menschen räumen auf und schmeißen genau solches Holz in die Grünschnittdeponie. Es wird dann verbrannt oder sonst wie vernichtet; oft mit den Käferlarven zusammen.

„Und genau hier in der Vallendarer Grünschnittdeponie gelang mir wieder einmal ein echter Glücksgriff: Altes Eichenholz in allen Querschnitten – noch dazu mit ziemlich verdächtigen Wurmlöchern. Das gibt Kinderstuben, also Wiegen für diesen imposanten Käfer“, so Stefan Krumme, Eigentümer des Naturschutzgartens in Niederwerth. „Das Holz grabe ich, wie einen Meiler aufrecht gebündelt, ein; fülle die Nischen mit Rottematerial und häufe alles wieder mit Erde an. So schaut später nur noch das Holzende heraus, alles bleibt feucht. Jetzt kann hier Familie Hirschkäfer fröhliche Hochzeit feiern. Bis zu acht Jahre kann es dauern, bis die Larven sich schließlich verpuppen und selbst den Zyklus des Lebens in Gang setzen.

Wenn viele Menschen an vielen Orten solche Wiegen schaffen, können wir auch unseren Kindern diese tollen Käfer morgen noch zeigen. Viel Platz braucht man dazu nicht und wer einmal Spaß mit Insektenhotels erlebt hat, sollte auch mal überlegen, ob er nicht den Hirschkäfern ein Liebesnest bauen könnte. Naturschutz lohnt sich – und für einen Meiler habe ich nicht mal zwei Stunden Zeit investiert … und Spaß hats auch gemacht. Man muss halt etwas tun, allen sonstigen Problemen und Widrigkeiten zum Trotz. Die Welt kann man damit natürlich nicht retten, aber an einem kleinen Ort, ein kleines Stück besser machen, das schon.“

Mein Holzmeiler für den Nachwuchs des Hirschkäfers im Naturschutzgarten Niederwerth. Weitere sind in Vorbereitung.

Mein Holzmeiler für den Nachwuchs des Hirschkäfers im Naturschutzgarten Niederwerth. Weitere sind in Vorbereitung.

Die zufällig gefundene riesige Larve des Hirschkäfers wurde sogleich nach diesem Foto wieder behutsam zurück in den Mulm befördert.

Die zufällig gefundene riesige Larve des Hirschkäfers wurde sogleich nach diesem Foto wieder behutsam zurück in den Mulm befördert.

Ob hier vielleicht schon Larven des Hirschkäfers leben? Fotos: Stefan Krumme

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