„Zesamme sen me jeck“ – schwungvoller Karneval in Adde
Adenau. Zweimal vollbesetzte Hocheifelhalle, sowohl die Gala-Sitzung als auch die eine Woche später stattgefundene Prunk-Sitzung waren ausverkauft, bunt-kostümiertes Publikum, ein bestens aufgelegter Elferrat, Adenau zeigte in beiden Sitzungen , dass die Johanniterstadt auch eine Karnevalshochburg ist.
„Zesamme sen me jeck“, so lautet das Motto für die närrische fünften Jahreszeit. Die Orden wurden in zwei Ausführungen vergeben, die passenden Orden ergeben lesbar das Motto. Seit einigen Jahren führen zwei Sitzungspräsidentinnen das Zepter in den Sitzungen, Bettina Korden und Klaudia Thiesen starteten wohlgemut in die Abende voller Frohsinn und Überraschungen, sie haben sich bestens bewährt, und die närrischen Gäste freuen sich stets auf eine souveräne und witzvolle Moderation.
Tolle Auftritte begeisterten das Publikum
Schwungvolle Tänze begeistern, die Mini-Funken machen den Anfang, später folgen die beiden weiteren Abteilungen, tänzerisches Können auf der Bühne, „unsere Mädels sind einfach spitze“, freuen sich die Trainerinnen ebenso wie die närrischen Gäste.
In der Rolle des Hausmeisters Paul trat Marcel Weber auf, Hausmeisterkittel, Werkzeugkoffer, er soll irgendwas was reparieren, eigentlich sollte da ja der „Fuzzy“ tun, aber: „Der hat ja keine Zeit mehr, seitdem er Bürgermeister der Veedelsgemeinschaft Säujass-Vehmaat ist“. Trotzdem: Ordnung muss sein, wer wüsste es besser als Marcel Weber, er arbeitet schließlich im Ordnungsamt. Herzlicher Beifall für ein Neutalent aus dem Vorjahr, erneut ein witzvoller und gekonnter Auftritt.
In beiden Sitzungen ist jeweils der Auftritt einer großen auswärtigen Karnevalsgesellschaft ein Highlight. War es in der Gala-Sitzung die AKG Ahrweiler Karnevalsgesellschaft, so begeisterte in der zweiten Sitzung die Brohltaler, beide Gesellschaften sind dem Adenauer Karneval seit Jahren herzlich verbunden, fast wie eine große Familie.
Gast in der Gala-Sitzung war Willi Fuhrmann, karnevalistisches Urgestein in den Rheinischen Karnevals Korporationen, mit Gattin. Stadtbürgermeister Arnold Hoffmann mit Gattin, der Erste Kreisbeigeordnete Horst Gies MdL mit Gattin zeigen, dass der Karneval auch von den Politkern geschätzt wird. Und viele Gäste aus befreundeten Karnevalsgesellschaften gehören ohnedies dazu. Ob „Alaaf“ oder „Helau“, alle sind gerne gesehen. Im Karneval sind alle eine große Familie, wie nicht zuletzt das Motto des Addene Karnevals betont.
Martin Korden, stets Garant für köstlichen Humor, machte sich Sorgen um das Weltgeschehen, widmet sich dann aber einer weiteren Katastrophe: Sein Haar wird lichter, „Ach Herrjemine“, wie soll er da eine Rede halten? Viele Haare haben sich auf den Weg gemacht, ein Vergleichsbild aus Kindertagen macht es deutlich, damals volles schwarzes Jahr, wie bei einem Schaf, „einem schwarzen“. Ein Prachtkerl, Frauen haben sich darum gerissen, in seinen Haaren zu wühlen, erinnert er sich, und jetzt? Eigentlich kann er so wirklich keine Rede halten, betont er nochmal. Besuche beim Arzt bringen nichts, beim Psychotherapeuten auch nicht, obwohl er zaghaft andeutet, sich wie ein Pferd zu fühlen, auch schon lange, ja schon als Fohlen. Aber auch der Tierarzt kann ihm nicht helfen. Die Lösung hat der Pastor, er zitiert den Evangelisten Lukas „Selig sind die, die ausha(a)r(r)en“ und er bietet dem „fast Haarlosen“ einen Pileolus (Käppchen“) in bischofslila an, zum Bedecken der kahlen Stelle am Hinterkopf geradezu ideal. Und jetzt kann er doch seine Rede halten!
Als Neuzugang im Vorjahr brilliert auch der Bottemaatsjong, Christoph Wirfs hat die Lacher rasch auf seiner Seite, mit Gedanken über die Mundart, über Körpertraining. Schließlich demonstrierte er, wie er mit seinem „Six-Pack“ aussieht, stemmt ein Sechserpack Bier in die Höhe.
Karnevalist seit Urzeiten ist „Spüli“, seine Ansichten sind immer wieder klasse, auch in seinem 40. Auftritt trägt er in Reimform vor. Er weiß dankbar zu würdigen, dass man Blumenkübel, über die er einmal schmerzvoll gestolpert ist, diesmal mit einem Airbag ausgestattet hat, mit massiver Schneehaube. Orden, ja, gerne, aber sie werden zu oft an die Falschen verliehen, die tatsächlichen Helden des Alltags kommen leider zu kurz. Es folgt ein deutlicher Hieb auf Politiker, die sich selbst darstellen, „Schaumschläger“ sind, ohne Instinkt für die Menschen in Not. Und die Energiepolitik? Voll daneben, so Spüli. Das Ende des Krankenhauses ist für ihn eine totale Verar…., unglaublich die „Märchenerzählungen“ hochkarätiger Spitzenpolitiker:innen! Er wie seine Vorredner warnt vor den Gefahren von Extremismus, hier müsse man endlich deutlich die Stirn bieten!
Ein Hingucker war der waghalsige Auftritt von Dolce Vita, das beliebte Reifferscheider Männerballett überzeugt seit Jahren, hat schon eine 35-jährige Erfolgsgeschichte aufzuweisen. In der Prunksitzung sprang kurzfristig der Elferrat selbst ein, die Reifferscheider hatten kurzfristig absagen müssen.
Klasse Beiträge der Musikgruppen, seien es die des eigenen Fanfarencorps mit Frank Wisniewski, seit 50 Jahren aktiv, der Finalband „Wömbe Jonge“ mit dem Ohrwurm „Bergmanns Paul“ oder der seit 2006 beliebten dreiköpfigen Hausband „Eifeldampf“.
Adenau kann Karneval, das haben beide Sitzungen eindrucksvoll bewiesen, alaaf! Jetzt freuen sich alle auf Weiberdonnerstag und vor allem auf den großen Verbandsgemeinde-Sonntagszug.
WD
Mehrere Adenauer Funkengruppen, nach Alter gestaffelt, begeistern in den Sitzungen. Fotos: Werner Dreschers
Der Elferrat mit einer spontanen Idee: Ein buntes Lichtervergnügen. Foto: Werner Dreschers Tannenweg 6 535
