Ökumenischen Frauenforum Remagen
Zu Besuch auf den Philippinen
Dr. Konstanze Ameskamp berichtete von ihren Eindrücken und Erfahrungen
Remagen. 22 Besucher waren der Einladung zu einem sehr interessanten Vortrag im evangelischen Gemeindehaus in Remagen gefolgt. Elke Grub begrüßte die Anwesenden und übergab das Wort an Dr. Konstanze Ameskamp, die ihren Vortrag in drei Punkte gliederte: „Armut und dicke Autos“, „Frauen - Chancenlos trotz Gleichberechtigung“ und „Präsident Duterte“. Der erste Punkt „Armut und dicke Autos“ markiert den gravierenden Gegensatz zwischen der offensichtlichen Armut großer Bevölkerungsteile einerseits und dem wachsenden Reichtum einer kleinen Minderheit andererseits.
Dies fällt schon in der Hauptstadt Manila auf, einer Metropole mit elf bis zwölf Millionen Einwohnern, mit einer glitzernden Geschäftswelt, aber auch auf der Straße liegenden Obdachlosen und einer hohen Kriminalitätsrate: In einige Stadtteile wagt man sich besser allein nicht hinein.
Die Reichen umgeben ihre Villen mit Mauern, Zäunen und oft auch mit privaten Wachpersonal – daneben, wie in einer Parallelwelt, die ins Auge springende Armut. Ein Fünftel der Bevölkerung gilt als unterernährt. Bildungsprogramme, Krankenversicherungen erreichen die Ärmsten nicht.
7107 Inseln bilden das Inselreich Philippinen. Nach ihrem Hauptstadtbesuch flog die Referentin auf die südliche Hauptinsel Mindanao, wo sich der Evangelische Kirchenkreis Agusan befindet, zu dem der Evangelische Kirchenkreis Koblenz seit 32 Jahren eine Partnerschaft unterhält. Die evangelische Kirche stellt dort eine Minderheit von zwei Prozent dar, denn der überwiegende Anteil der Bevölkerung ist römisch-katholisch, ein Erbe aus der spanischen Kolonialzeit. Die evangelischen Gemeinden setzen sich aus verschiedenen Denominationen zusammen und sind zum Teil stark von einem amerikanischen Frömmigkeitsstil geprägt. Das hängt damit zusammen, dass 1898 die USA die Philippinen den Spaniern für 50.000 Dollar abkauften, um einen strategischen Stützpunkt in Südostasien zu errichten. Amerikanische Missionsstationen versuchten, Menschen für das protestantische Christentum zu gewinnen. In den Gemeinden der UCCP (Vereinte Kirche Christi auf den Philippinen) ist der Gegensatz von Arm und Reich ebenso sichtbar wie in der römisch-katholischen Kirche. Dies stellt eine Herausforderung für alle Christen dar. Extreme Armut herrscht in den abgelegenen Gebieten unter der „indigenen“ Bevölkerung (Ureinwohner), zum Beispiel unter den „Lumad“ im Dorf Iao. In ihrem angestammten Gebiet kam es zu willkürlichem Landraub, weil dort mit Zustimmung der Regierung im fernen Manila wertvolle Rohstoffe von ausländischen Firmen abgebaut werden sollten bzw. an anderer Stelle eine Staumauer gebaut wurde zur Energiegewinnung. Die angekündigte Entschädigung fand nicht statt. Als die männliche Bevölkerung sich wehrte, wurden viele unter Terrorismusverdacht umgebracht. Übrig blieben ein „Dorf der Witwen“, ökologische Schäden, Zerstörung der Natur, Industriebrachen, eine unansehnliche Landschaft. Viele Menschen der indigenen Bevölkerung haben fast alles verloren, einige wenige haben von solchen Aktionen profitiert.
„Frauen - Chancenlos trotz Gleichberechtigung“
In der Tat hat sich die Situation der Frauen erheblich verbessert: Frauen haben Zugang zu Bildung und öffentlichen wie politischen Ämtern. In einem internationalen Ranking stehen die Philippinen, was die Situation der Frauen betrifft, auf Platz 7, die Bundesrepublik Deutschland auf Platz 13, die USA gar auf Platz 45. Aber: So gut das auch klingt, die Realität ist auch hier von dem Problem der Armut bestimmt: Wer arm ist, hat keine Chancen. Das gilt in gleicher Weise für Jungen und Männer wie für Mädchen und Frauen.
Dritter Punkt war die Präsidentschaft von Rodrigo Duterte, im Amt seit 30. Juni 2016. Duterte war zuvor 20 Jahre Bürgermeister von Davao City, der größten Stadt auf der Insel Mindanao. Er rühmt sich, das Drogenproblem zu bekämpfen, aber zu welchem Preis. In Davao City sind 1700 Leute, die mit Drogen gedealt haben oder drogenabhängig waren, getötet worden. Duterte selbst gibt an, drei Drogendealer eigenhändig umgebracht zu haben. Die Morde im ganzen Land belaufen sich mittlerweile auf 7000. Duterte bezeichnet das als „war on drugs“ (Krieg den Drogen) und lässt dies mit unerbittlicher Härte ausführen. Unsägliches Leid hat er damit über sehr viele Familien gebracht. Man muss davon ausgehen, dass die Tötungen auch viele Unschuldige getroffen haben.
Oft geraten die Opfer durch Denunziation in die Fänge von Killerkommandos. Besorgniserregend ist die in der Bevölkerung verbreitete positive Einstellung zu dieser geübten Praxis. Von kirchlicher Seite wird inzwischen deutliche Kritik an der Verletzung der Menschenrechte und an Präsident Dutertes Amtsführung geübt.
Zugutegehalten werden Duterte Friedensgespräche mit ehemaligen Rebellen, was die innenpolitische Lage einigermaßen entspannt hat, sowie seine Versprechungen, Gesetze zum Schutz der Umwelt zu erlassen und die ausländischen Konzerne zurückzudrängen. Bedenklich ist die öffentliche Darstellung von Duterte als „Supermann“ und Heilsbringer. Das kommt bei vielen Philippinos gut an, hat aber mit einer demokratischen Lösung des Drogenproblems nichts zu tun, im Gegenteil: Von einer demokratischen Regierung nach unseren Maßstäben sind die Philippinen zurzeit weit entfernt. Die Zuhörer lauschten dem Vortrag aufmerksam und stellten Fragen, die Ameskamp mit großer Sachkenntnis beantwortete. Diese Vortragsveranstaltung des „Ökumenischen Frauenforums“ war eine hervorragende Vorbereitung auf den Weltgebetstag 2017 am Freitag, 3. März, um 15 Uhr in der katholischen Pfarrkirche St. Peter und Paul in Remagen zum Thema: „Was ist denn fair?“ – Philippinen, Frauen aller Konfessionen laden ein.
